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Die Stimme Portugals : Literaturnobelpreisträger José Saramago gestorben

  • Aktualisiert am

Der portugiesische Literaturnobelpreisträger José Saramago (1922 bis 2010) Bild: dpa

Der portugiesische Nobelpreisträger José Saramago ist tot. Nach portugiesischen Medienberichten starb er am Freitag im Alter von 87 Jahren auf der spanischen Kanaren-Insel Lanzarote. Saramago hatte 1998 den Literaturnobelpreis bekommen.

          Zum Todeszeitpunkt sei seine Ehefrau und Übersetzerin Pilar del Río bei ihm gewesen. José Saramago habe eine ruhige Nacht verbracht. Nach dem Frühstück habe er sich mit seiner Frau unterhalten. Plötzlich habe er sich unwohl gefühlt und sei kurz darauf gestorben, hieß es weiter.

          Der überzeugte Kommunist Saramago wurde 1922 in der Ortschaft Azinhaga nahe Lissabon als Sohn eines Landarbeiters und späteren Polizisten geboren. Nach dem vorzeitigen Schulabgang wurde er Maschinenschlosser, arbeitete später als technischer Zeichner, Angestellter in der Sozialbehörde, in einem Verlag und als Journalist, schließlich seit 1976 als freier Schriftsteller.

          „Optimist kann eigentlich nur sein, wer gefühlslos, dumm oder Millionär ist“

          Erst mit etwa 40 Jahren fand er zur Schriftstellerei. 1966 erschien unter dem Titel „Os poemas possíveis“ (Die möglichen Gedichte) sein erstes Buch. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit Romanen wie „Hoffnung im Alentejo“ (1980), „Das Memorial“ (1982) oder „Das Todesjahr des Ricardo Reis“ (1984), die durch die bilderhafte und barock anmutende Sprache bestechen.

          Als José Saramago einmal nach dem Grund für sein ewig düsteres Weltbild gefragt wurde, antwortete er mit derselben Ironie, die sich in vielen seiner Bücher findet: „Ich bin kein Pessimist, sondern bloß ein gut informierter Optimist.“ Doch sofort wurde der portugiesische Literaturnobelpreisträger ernst. „Wir stecken alle in der Scheiße. Optimist kann eigentlich nur sein, wer gefühlslos, dumm oder Millionär ist.“ Die Welt sei eine Hölle: „Millionen Menschen werden geboren, um zu leiden. Kümmern tut dies kaum jemand.“

          Ein Verehrer von Günter Grass

          Wenn er über Unterdrückte und Besitzlose schrieb, tat er das nicht mit erhobenem Zeigefinger; Herrschende prangerte er mit Ironie und zuweilen bitterem Sarkasmus an. „Meine Figuren sind einfache Leute, nicht zu schön und nicht zu häßlich, die in Grenzsituationen dank Freundschaft oder Liebe zueinanderfinden“, erklärte Saramago, der sich einen Verehrer von Günter Grass nannte.

          1991 veröffentlichte Saramago das Buch „Das Evangelium nach Jesus Christus“. Die katholische Kirche erklärte den Roman für blasphemisch. Als der damalige Kulturstaatssekretär der konservativen Regierung, Pedro Santana Lopes, 1992 den Namen Saramagos von der Liste der Kandidaten für den Europäischen Literaturpreis strich und so seinem neuen Roman die Teilnahme verweigerte, verlegten Saramago und seine Frau als Protest ihren Wohnsitz auf die kanarische Insel Lanzarote.

          Etwas zurückzunehmen, war nicht seine Art

          Saramago meldete sich auch zur aktuellen Politik gerne zu Wort - und eckte dabei nicht selten an. Bei
          einem Besuch in Ramallah etwa verglich er die israelische Besetzung in den palästinensischen Autonomiegebieten mit den Gräueln der Nazis in Auschwitz und Buchenwald. „Die Israelis haben Palästina in ein Konzentrationslager verwandelt.“ Trotz der Proteste nahm er seine Vorwürfe nicht zurück.

          In seiner Heimat sorgte der Schriftsteller mit einem provozierenden Vorschlag ebenfalls für Aufregung. Er regte an, Portugal solle territorialer Bestandteil des großen Nachbarn Spanien werden. Um die Empfindlichkeiten und den Stolz der Portugiesen nicht zu verletzen, könne sich der neue Staat „Iberia“ nennen. In Portugal brachte Saramago dies den Vorwurf des Vaterlandsverrats ein.

          Ein Bauersjunge geblieben

          Inzwischen ist er einer der weltweit meistgelesenen Autoren portugiesischer Sprache. Zuletzt hat unter dem Titel „Die kleinen Memoiren“ eine Art Autobiografie herausgebracht, die mit dem 15. Lebensjahr endet. „Diese Zeit hat mich am meisten geprägt, im Grunde bin ich ein Bauersjunge geblieben“, sagte er. In dem Buch erfährt der Leser auch, dass Saramago eigentlich José de Sousa heißt. Sein richtiger Familienname ging beim Eintrag ins Geburtenregister „verloren“, weil der zuständige Beamte betrunken war. Er trug den Kosenamen ein, mit dem die Familie in ihrem Dorf bekannt war. Der Fehler kam erst Jahre später bei der Einschulung heraus und war nicht mehr rückgängig zu machen.

          Quelle: FAZ.NET/dpa

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