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Die Single-Gesellschaft : "Ein Single braucht gute Freunde"

  • Aktualisiert am

Gisela Steinecke, 49, Gestaltpsychotherapeutin, im Gespräch. Sie stellt einen Trend zur Egozentrik fest.

          Gisela Steinecke, 49, vom Schulen- und Berufsübergreifenden Deutschen Dachverband für Psychotherapie (DVP) sieht einen Trend zur Single-Lebensform. Dabei gehe es nicht nur um den zunehmenden Drang zur Selbstverwirklichung ohne Partner, sondern auch um zunehmende Bindungsängste.

          Wie definieren Sie den Single?

          Ein Single ist jemand, der alleine lebt, mit oder ohne Kinder. Ein Single ist in keine eheliche oder sonstige Partnerschaft eingebunden. Er verbindet diese Lebensform mit Vorstellungen von modernem, selbstbestimmtem und ungebundenem Leben. Jedoch wird sich nicht jede beziehungsweise jeder Alleinlebende als „Single“ definieren.

          Gibt es überhaupt den typischen Single?

          Nein, das möchte ich nicht sagen. Singles sind so verschieden wie andere Menschen auch. Entweder jemand entscheidet sich für diese Lebensform, oder er ist wegen Trennung oder Tod des Partners sozusagen zwangsläufig Single beziehungsweise erklärt oder definiert sich dann als solcher. Viele suchen einen Partner, aber nicht alle wollen später mit diesem Partner unbedingt zusammen leben.

          In welchen Bevölkerungsteilen gibt es die meisten Singles?

          Genaue Zahlen liegen mir nicht vor. Es gibt Singles in allen Bevölkerungsschichten. Meines Wissens überwiegen Menschen mit guter Ausbildung und akademischer Bildung. Angestellte sind stärker vertreten als Selbstständige. Sie bekleiden alle möglichen Positionen. Die überwiegende Altersgruppe sehe ich zwischen 25 bis 40 Jahren. Hier überwiegen meiner Meinung nach Menschen, die einen hohen Wert auf beruflichen Erfolg und Karriere legen.

          Daraus könnte man schließen, dass Bildung egoistisch macht, oder?

          Das hat etwas mit einem stärkeren Selbstfindungsprozess und mit größerer ökonomischer Unabhängigkeit zu tun. Um allein leben zu können, ist es gut, über ein höheres Einkommen zu verfügen, denn alleine zu leben ist teurer als in einer Gemeinschaft. Die Bereitschaft, sich in Partnerschaften einzuschränken und etwas vom eigenen Ego aufzugeben, nimmt ab bei Menschen mit umfangreicherer Bildung und vielfach damit einhergehendem Streben nach Unabhängigkeit und kompromissloser Selbstverwirklichung. Diese Entwicklung ist ein gesellschaftlicher Trend. Die Bereitschaft, auf die Verwirklichung eigener Bedürfnisse zu verzichten, hat in den vergangenen Jahren immer mehr abgenommen. Die gesamte westliche Kultur ist heute auf Selbstverwirklichung hin ausgerichtet und suggeriert die Möglichkeit grenzenloser Bedürfnisbefriedigung. Der Egoismus wird gefördert.

          Eigentlich stehen doch Männer oft unter dem Verdacht, Egoisten zu sein. Gilt das nun auch für Frauen?

          Die Entwicklung zeigt, dass auch Frauen mehr Bereitschaft zum Single-Dasein haben. Sie können heute auch ohne Mann überleben, auch wenn Kinder da sind. Die Selbstverwirklichung der Frauen stützt sich heute nicht mehr auf das Ideal Familie. Vor zehn Jahren war ein grosser Teil mit 23 Jahren zum ersten Mal Mutter. Heute bekommen Frauen im Durchschnitt mit 27 Jahren das erste Kind. Sie legen größeren Wert auf die eigene Berufsausbildung, bevor sie sich auf Familie und Kinder einlassen wollen.

          Das hört sich nach dem Auslaufmodell Familie an.

          Feste Partnerbeziehungen, Familiengründung mit Eheschließungen werden für immer weniger Menschen als alleinige oder vorrangige Lebensaufgabe angesehen. Diese Tendenz geht einher mit Bedürfnissen nach umfassendem Wissenserwerb. Dadurch verschieben sich die Prioritäten. Berufliche Selbstverwirklichung und Karriere werden wichtiger, und zwar bei Männern und Frauen, wobei eine feste Partnerbindung mit den sich daraus ergebenden Ansprüchen als hinderlich erlebt werden kann.

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