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Montag, 13. Februar 2012
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Die Rückkehr Schmidt macht den Uefa-Cup attraktiv

24.12.2004 ·  Harald ist zurück auf dem Bildschirm - in der ARD. Nach der ersten Sendung stellt sich das Gefühl ein, die Fußstapfen seiner Vorgängerin Anke Engelke waren ihm doch zu groß.

Von Stefan Niggemeier
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Natürlich ist der Vergleich unfair. Natürlich sollte man Harald Schmidt nun nicht ständig an irgendwelchen Vorgängern messen. Natürlich muß man ihm Zeit geben, sich mit seiner neuen Show zu entwickeln. Aber nach der ersten Sendung „Harald Schmidt“ in der ARD ist da plötzlich das Gefühl: Die Fußstapfen von Anke Engelke waren ihm doch eine Nummer zu groß.

Er kam heraus auf die Bühne und erklärte seine einjährige Abwesenheit vom Fernsehen mit dem Satz: „Ich hatte noch 52 Wochen alten Urlaub.“ Und fügte ein „Höhöhö“ hinzu, um die kurze Stille zu übertönen, die entstand, weil das Publikum nicht sofort lachte. Es lachte dann statt dessen über das Quasi-Eingeständnis, das der Witz nicht funktionierte. Frau Engelke beherrschte die Technik irgendwann perfekt.

Neue Bewegungsabläufe mit feminin gespreizten Fingern

Der Mann hat einen Bart. „Ich habe ein praktisches Jahr im Ausland gemacht“, erklärte er. Nun sei er hormonell so aufgeputscht, daß er sich alle fünf Minuten rasieren müsse. Und das wallende Haupthaar? Schmidt schaute sein Bild im Monitor an, strich sich die Mähne mehrmals mit feminin gespreizten Fingern hinter die Ohren und sagte: „Das ermöglicht mir ganz neue Bewegungsabläufe.“

Das Beste, das man über die Show sagen kann, ist dies: Wenn die Feuilletons in fünf, zehn Jahren wieder Trauer tragen sollten, weil Harald Schmidt auf dem Höhepunkt seines Schaffens abgesetzt wurde oder plötzlich einfach keine Lust mehr hatte, dann wird man wenigstens wieder schreiben können: „& dabei waren seine Sendungen am Anfang unterirdisch.“ Es reicht wohl doch nicht, sich einen lukrativen Vertrag aushandeln zu lassen, ein paar Tage vor der Sendung aus dem Auslandsurlaub zurückzukehren, sich uninspiriert mit seinem alten Sidekick in ein Studio zu setzen und darauf zu hoffen, daß das Ergebnis in im Fernsehen nicht unfaßbar öde wirkt, sondern genial?

Auf hohe Erwartungen mit Arbeitsverweigerung reagiert

Harald Schmidt ist zu beneiden. Selbst wenn seine regulären Sendungen in der ARD ab Mitte Januar so sind wie die erste, wird „Deutschland“ nicht darüber diskutieren, ob sein Studio vergrößert und die Sendung männlicher werden muß oder ob es vielleicht besser wäre, doch wieder Talkgäste einzuladen. Nein, man wird darüber diskutieren, mit welcher Dialektik das zu interpretieren ist, was nur diejenigen als langweilig abtun können, die die Tiefe seiner scheinbaren Flachheit nicht verstanden haben.

Einer der Fehler, die Anke Engelke gemacht hat, war, auf die gewaltigen Erwartungen und die Kritik mit stärkerem Bemühen zu reagieren. Schmidt ist klüger. Auf die Erwartung, daß er uns nach einem Jahr nun endlich die Welt erklären würde, reagierte er mit Arbeitsverweigerung. Er zeigte einen Ausschnitt aus der „Tagesschau“ vor dreißig Jahren, in der neue Spannungen in Nahost gemeldet wurden, und sagte dazu: „Leider noch immer aktuell.“ Er zeigte einen Ausschnitt aus der „Tagesschau“ vor zehn Jahren, in der von Plänen für ein elektronisches Mautsystem berichtet wurde, und kommentierte ihn nicht. Er zeigte, wie Wladimir Putin den Demonstranten sagte, der Tschetschenien-Krieg sei vorbei, sie sollten nach Hause gehen, schöne Weihnachten!, und wiederholte Putins Sätze noch einmal.

Dann setzte er noch einen drunter

Gegen Schmidt wirkt selbst ein Stefan Raab fleißig, auf den Punkt und intellektuell. „Das ist das Gesicht von Désirée Nick“, fragte Schmidt. „Ich dachte, das ist der Arsch von Anouschka Renzi.“ Er zeigte nach endlosem Anlauf, daß Kuba Massenvernichtungswaffen hat: In die Aufnahme vom stolpernden Fidel Castro ließ er eine kleine Atombombenkugel montieren. Und er zitierte eine Umfrage, wonach 97 Prozent der Deutschen eine Verdreifachung des Solidaritätszuschlages und den Verzicht auf die WM 2006 hinnehmen würden, wenn das nötig wäre, um Schmidt wiedersehen zu können. Dann setzte er noch einen drunter: Im Osten seien es 197 Prozent. Die letzten zehn Minuten moderierte er vollständig in gebrochenem Englisch.

Viele Millionen Mark zahlt die ARD Schmidt dafür, demnächst zweimal wöchentlich nach den „Tagesthemen“ solche Witze zu machen. Es ist noch keine zwei Jahre her, daß Schmidt auf Fragen nach einer möglichen Rückkehr zur ARD geantwortet hatte: Wer einmal mit Claudia Schiffer „gebumst“ habe, ziehe auch nicht wieder bei Muttern ein. Als Schmidt es dann doch tat, schmeichelte sich die ARD mit der Illusion, womöglich doch so attraktiv zu sein wie ein berühmtes Fotomodell.

Ein warmes Nest, wie es ein Supermodell nicht bieten kann

Die Premierensendung zeigte, daß Schmidt nur erkannt hat, was ihm Mutter bietet, was die Schiffer ihm nicht bieten kann: Ein warmes Nest, wo ihm jemand seine Wäsche macht, den Dreck wegräumt und er sich einfach hängen lassen kann. Hier muß er nicht einmal diese lästigen Interviews vor der Sendung geben. Keine Claudia Schiffer hätte ihm seine Konzeptlosigkeit durchgehen lassen. Aber Mutti war so froh, daß er wieder eingezogen ist, die räumte ihm sogar ein Plätzchen im Hauptabendprogramm frei, damit er seine Heimkehr genau ein Jahr nach der letzten Sendung bei Sat.1 zelebrieren konnte. Was diejenigen seiner ehemaligen Mitarbeiter, für die dieser Tag mit ihrer Entlassung verbunden ist, etwas weniger originell empfunden haben könnten.

Harald Schmidt ist ein Genie. Er schafft es, daß es wie sein bester Einfall wirkt, wenn ihm nichts eingefallen ist. Und er schafft es, daß es nicht so wirkt, als habe er nur dringend einen Sender gesucht, wo er vor und während der Fußball-WM 2006 machen kann, was er will, sondern als habe er sich mit viel Geld dazu überreden lassen. Als sei nicht er der Gewinner, sondern die ARD. Über fünf Millionen Zuschauer sahen die Premierensendung. Das ist gut. Und wenn es bald drastisch weniger sein werden, wird die ARD auch das als einen Gewinn verkaufen können: Denn nur sie könne es sich leisten, einem wie Harald Schmidt auf Dauer ein Forum zu bieten, ganz ohne Quotendruck. Schmidt kann gar nicht verlieren. Die Zuschauer schon.

Der Uefa-Cup gewinnt plötzlich an Attraktivität

Aber vielleicht ist es ja noch nicht zu spät. Vielleicht ist das Studio von „Anke Late Night“ noch nicht abgerissen, das Team noch nicht in alle Winde zerstreut, die Frau noch kurzfristig zurückzuholen. Vielleicht könnte man sich darauf einigen, daß es im Zweifel dann doch angenehmer ist, einer hibbeligen attraktiven Frau dabei zuzuschauen, wie ihre Pointen nicht zünden, als einem selbstgefälligen alten Mann. Oder vielleicht schnell noch ein paar Uefa-Cup-Spiele kaufen, deren Übertragung plötzlich seltsam attraktiv erscheint.

Eine Sendung, auf die nicht nur Medieninteressierte mit Spannung gewartet haben. Harald Schmidt zurück auf dem Bildschirm. Polarisiert hat der Entertainer schon immer. Auch von seiner ersten Sendung nach einjähriger Pause gibt es unterschiedliche Ansichten:Fernsehkritik: Harald Schmidt in der ARD

Quelle: @rwi
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Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr