31.01.2012 · In Moskau kann man besonders reibungslos Eislaufen: Orthodoxe Geistliche haben die Bahnen gesegnet. Unsere hohen Priester, die Meteorologen, berichten dagegen vom Funtensee.
Von Edo ReentsEs gibt Leute, die machen die verrücktesten Sachen. Zum Beispiel gehen sie in eine Pizzeria und bestellen Pizza, nur aus Lust am Unberechenbaren, ja, recht eigentlich schon Querdenkerischen. Ganz schön crazy, kann man da nur sagen. Es gibt auch Dinge und Ereignisse von der allerschrägsten Art. Jetzt zum Beispiel wieder: Frost - mitten im Winter!
Aus Moskau, wo ja jetzt gut und gerne minus achtzig Grad herrschen müssen, erreicht uns die Nachricht, dass der Schlittschuhverkehr auf den dortigen Eisbahnen absolut reibungslos läuft - dank den orthodoxen Geistlichen, die diese Bahnen gesegnet haben. Damit, so hieß es in der Stadt, könne gar nichts mehr passieren. Und es stimmt: Niemand ist bisher eingebrochen. Ob das nun an den Popen liegt oder doch bloß am stabilen Frost - wer will das so genau sagen? Wir nicht.
Wir haben hier unsere eigenen hohen Priester, die, ob nun die Sonne lacht oder ob's stürmt und schneit, das Wetter mit einer Bedeutung aufladen, die ihm von Haus aus gar nicht zukommt, es mit Zahlen, Daten, Fakten immer weiter Richtung craziness bugsieren, so dass wir am Ende des Tages, wenn uns nach den "Tagesthemen" die Äuglein zufallen, nicht mehr wissen: Ist jetzt morgen eigentlich gutes oder schlechtes Wetter? So gehen wir mit dem Gefühl schlafen, dass wettermäßig irgendwie immer was los ist. Unsere Wetteransager lassen uns, die wir orientierungslos auf dem Datenmeer aus Temperaturen, Luftfeuchtigkeiten und Sonnenscheindauern segeln, gewissermaßen Land riechen, wo kein Land ist.
Dazu gehört beispielsweise dieser vermaledeite Funtensee, der regelmäßig die Wetterkarten garniert, versehen mit Temperaturangaben, die zu keiner Jahreszeit passen. Im Sommer sind sie viel zu niedrig, im Winter erst recht. Aber es sieht total verrückt aus! Der Witz ist: Der Funtensee, auf 1601 Metern Höhe im Berchtesgadener Land gelegen, ist Deutschlands Kältepol. Selbst im Juli kann es da frieren, im Winter ist es stramm sibirisch mit bis zu minus 45 Grad. So ein Wert würde sich gerade jetzt gut machen. Man könnte mit ihm die ultimativen Wetterkapriolen insinuieren. Aber man hat schon länger nichts vom Funtensee gehört. Was ist los? Ist er so stark zugefroren, dass jetzt auch unsere verwegenen Wetteransager einen verrückten Eistanz wagen? Unseren Segen hätten sie. Wir könnten uns dann aufs Wesentliche konzentrieren: das Wetter.
Eigentlich habe ich nichts dazu zu sagen, ausser:
Eckart Härter (Leser3000)
- 01.02.2012, 10:52 Uhr