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Die Popkomm fällt aus Todesmelodie

19.06.2009 ·  Das ist wohl der Todesstoß für die Musikindustrie oder zumindest deren Kapitulationserklärung: Die für September geplante Popkomm, das wichtigste Branchentreffen überhaupt, fällt aus - auch „aus Protest“ gegen die Internetpiraterie.

Von Edo Reents
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Das ist dann wohl der Todesstoß für die Musikindustrie oder zumindest deren Kapitulationserklärung: Die für September geplante Popkomm, das wichtigste Branchentreffen überhaupt, fällt aus, und zwar - den Grund wird man sich aussuchen dürfen - wegen der geringen Zahl der Anmeldungen, aber auch „aus Protest“ gegen die Internetpiraterie, welche die Plattenfirmen einfach nicht in den Griff bekommen. Ob sie, wie angekündigt, nächstes Jahr stattfindet, darauf sollte man nicht wetten.

Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, sagt: „Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen.“ Hier gibt es keinen Anlass zur Häme. Das sich in zweistelligen Verkaufsrückgängen dokumentierende Sterben der Musikindustrie, das in den vergangenen Popkomm-Jahren ohnehin schon das Hauptthema der Messe war, setzt sich damit auf eine signalhaft sichtbar werdende Weise fort. Aber es ist sehr zu bezweifeln, ob sich die Adressaten des Protestes davon beeindrucken lassen.

Ansage an die Politik

Ausdrücklich versteht Gorny die Absage als Ansage an die Politik, endlich etwas zu tun. Doch wie schwer es ist, im Internet etwas zu unterbinden, zeigt die Diskussion über die Kinderpornographie, die derzeit alle Kräfte bindet. Der Gesetzgeber wird auch weiterhin wenig Handhabe sehen, der Sache einen Riegel vorzuschieben; und die illegal vorgehenden Herunterlader von Musik werden darüber erst recht nicht zur Besinnung kommen - gerade wird der Fall einer Frau gemeldet, die wegen Weiterleitens illegaler Musikdateien von einem amerikanischen Gericht zu einer Geldstrafe von zwei Millionen Dollar verurteilt wurde, aber ungerührt erklärte: „Ich bin eine Mutter mit begrenzten Mitteln, also mache ich mir darüber jetzt keine Sorgen.“ (Siehe: 1,9 Millionen Dollar für 24 MP3-Songs)

Auch in Amerika hat man noch keine Mittel und Wege gefunden, die Musikpiraterie zu unterbinden; aber die Prozessiererei lässt langsam nach, immer mehr Plattenfirmen einigen sich außergerichtlich auf eine Geldbuße in relativ geringer Höhe. Das wird auch auf Europa zukommen. Die Absage der nach dem Umzug von Köln nach Berlin ohnehin schon beschädigten Popkomm ist wirtschaftlich bitter, wirkt aber auch ein wenig beleidigt. Die Musikindustrie muss langsam einsehen, dass sie ihrer wenigstens teilweise selbstverschuldeten Krise nicht mehr nur dadurch begegnen kann, dass sie über das Downloading klagt.

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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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