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Die Piratenpartei in Bonn Oper als Opfer

 ·  Die Piraten beantragen, dass der Oper Bonn sämtliche staatliche Zuschüsse gestrichen werden. Und alle tun so, als könne dieser Vorschlag ernsthaft diskutiert werden.

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Kultur ist der Nährboden unserer Gesellschaft, sie ist kein Bereich, in dem man leichtfertig verzockte öffentliche Gelder wieder einsparen kann, sondern sie ist absolut notwendig“, heißt es im Wahlprogramm der Piraten zur Landtagswahl Nordrhein-Westfalen 2012. Und weiter: „Wenn wir unseren Kindern die Kulturzentren, Begegnungsstätten und Proberäume einsparen, sparen wir auch an deren Entwicklungschancen.“ Sätze, die jeder unterschreiben kann. Aber auch Watte, die scharfgeschliffene Messer umhüllt, mit denen sich die „selbsternannte Hochkultur“ ruck, zuck um die Ecke bringen lässt: „Kultur, die den Kontakt zu einem breiten Publikum nicht hat, verliert ihre Legitimation“, blitzt eines von ihnen. Populismus, der sich auf opportunistische Gemeinplätze stützt.

Jetzt haben die Piraten diesen Dolch erstmals gezückt und auf die Kunst gerichtet: In Bonn haben drei ihrer Mitglieder ein Bürgerbegehren beantragt, dass der Oper von August 2013 an alle Zuschüsse gestrichen werden. Nicht nur der Zeitpunkt, in Bonn werden gerade Haushaltsberatungen geführt, auch der Ort ist klug gewählt. Denn der sozialdemokratische Oberbürgermeister der „Beethovenstadt“ lässt seit zwei Jahren keine Gelegenheit aus, die eigene Oper sturmreif und einem Zusammengehen mit Köln das Wort zu reden. Dass ihre Forderung unseriös und schon aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht umsetzbar ist, ziehen die Piraten ins Kalkül, „am Ende könnte es“, so einer ihrer „Vertretungsberechtigten“, „auf einen Kompromiss hinauslaufen, etwa eine Fusion mit der Kölner Oper“. Koalition der Kunstabwickler!

Doch kein Sturm der Entrüstung fegt durch die Stadt, der Kulturausschuss schweigt, und in der öffentlichen Debatte wird so getan, als ließe sich über den Vorschlag ernsthaft diskutieren. Auch Köln, von wo der Kulturdezernent und die Operintendantin schon zur Besichtigung angereist sind, hält die Fusion nicht unter seiner Metropolenwürde, ja, der „Stadt-Anzeiger“ wendet kleinmütig ein, dass die Stadt keinen schwachen, sondern einen „starken Partner“ wie Düsseldorf brauche. Reihum lassen sich alle, auch wider besseres Wissen, von der Illusion blenden, mit dem Abbau der Oper den kommunalen Haushalt sanieren zu können. Von Bürgerstolz, Selbstbewusstsein, Verantwortung für das Kulturerbe, Sinn für Inspirationen, Horizonterweiterung und großen Gefühlen keine Spur. Oder kann es sein, dass die Piraten, „Opfer“ statt „Oper“, an Legasthenie leiden?

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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