07.09.2007 · Ein Zeitfilm, Themenfilm, Geschichtsfilm ist „Die Patriotin“, in dem fast alles drinsteckt, was den späten siebziger Jahren unter den Nägeln brannte: Berufsverbote, Bildungsreform, Kernkraft, Mitbestimmung, Vergangenheitsbewältigung.
Ein Zeitfilm, Themenfilm, Geschichtsfilm, in dem fast alles drinsteckt, was den späten siebziger Jahren unter den Nägeln brannte: Berufsverbote, Bildungsreform, Kernkraft, Mitbestimmung, Vergangenheitsbewältigung. Kluges Trick ist die reportagehafte Verpackung des Stoffs: Gabi Teichert (Hannelore Hoger), Geschichtslehrerin aus Hessen, ist mit den Lernmaterialien für die Oberstufe unzufrieden, weil sie nur düstere, katastrophische Geschichtsbilder enthalten, und macht sich deshalb auf den Weg, die Geschichte eigenhändig zu verändern.
Sie geht zum SPD-Parteitag, trifft einen BND-Informanten zum Gespräch und gräbt im Frankfurter Erdreich nach historischen Wahrheiten, und ihr Regisseur bringt währenddessen das einsame Knie aus Christian Morgensterns Gedicht zum Sprechen: „So einfach kann man uns nicht abschreiben, die Wünsche, die Beine, die vielen Glieder, Rippen, die Haut . . .“ Und immer wieder Stalingrad, Luftkrieg, die Grimmschen Märchen, alle Kluge-Evergreens, die man aus seinen Fernsehsendungen kennt. Die Kritiker von 1979 feierten dieses zweistündige Deutschland-Feuilleton, und eine Zeitlang, bis Mitte der achtziger Jahre, war Kluges Kino beinahe populär. Beinahe.