Home
http://www.faz.net/-gqz-75hiv
Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Die neuen chinesischen Gründer Im Reich der Mittel

 ·  260 Milliardäre gibt es in China. Huang Nubo ist nur einer von ihnen. Er vermietet Ferienhäuser, schreibt Gedichte und betreibt einen Zoo. Das alles hat er ohne Partei und Staat geschafft.

Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (5)

Huang Nubo hat in allen Erdteilen die höchsten Berge bestiegen, den Everest sogar mehrfach. Auch an den Polen ist er gewesen. Im Korridor vor seinem Büro stapeln sich leere Sauerstoffflaschen als Erinnerungsstücke. Gaskocher reihen sich aneinander, Steigeisen liegen bereit und Schuhe für jede Gelegenheit: Wander-, Schnee- und Gummistiefel, daneben Pantoffeln, Schuhgröße 45. Der Geschäftsmann ist 1,90 Meter groß. Ungewöhnlich für einen Chinesen.

Das trifft in jeder Hinsicht zu, denn Huang Nubo ist einer der reichsten und bedeutendsten Privatunternehmer seines Landes, dazu ein Extremsportler und gefeierter Poet. Ihm gehört die Zhongkun-Gruppe, ein Immobilien-Konglomerat, das vor allem mit Tourismus Geld verdient. Die Hurun-Liste der reichsten Chinesen gibt Huangs persönliches Vermögen für 2012 mit zwei Milliarden Dollar an, dreißig Prozent mehr als im Vorjahr. Damit rangiert er unter den Milliardären in der Volksrepublik und in Hongkong auf Rang siebzig. Forbes führt ihn mit der Hälfte der Summe an Position 115. Auf die Frage, welche Zahl stimme, zuckt Huang mit den Schultern. „Ich weiß nicht, wie reich ich bin, aber es genügt mir.“

Eine Milliarde Yuan für ein Charity-Dinner

Sein Wohlstand gebe ihm die Freiheit zu schreiben und die Welt zu erkunden, sagt er und nimmt eines der vielen Reisefotos von den Wänden. „Genau wie meinem Freund hier.“ Das Bild zeigt Huang eingemummelt vor einer Felswand im Himalaja zusammen mit Wang Shi, einem weiteren bergsteigenden Ausnahmeunternehmer und bekannten Blogger. Wang hat den Konzern Vanke aufgebaut, Chinas größte börsennotierte Immobiliengesellschaft. Vor zwei Jahren zog sich der Multimillionär aus dem Tagesgeschäft zurück, um mit sechzig Jahren endlich seinStudium nachzuholen - in Harvard.

Reichtum bedeute Verantwortung, findet Huang, man müsse damit Gutes tun. Einerseits für die Menschen: Allein beim „Charity-Dinner“ von Bill Gates und Warren Buffett 2010 in Peking will er eine Milliarde Yuan (160 Millionen Dollar) zugesagt haben. Andererseits auch für die Tiere: Huang ist Regionaldirektor der Naturschutzorganisationen The Nature Conservancy und Wild Aid und nimmt verletzte Tiere bei sich auf. In den obersten Stockwerken des Zhongkun Hauptquartiers, eines Wolkenkratzers im Nordwesten Pekings, hat sich Huang neben seinen Büros eine Wohnung, ein Fitnessstudio und einen kleinen Zoo eingerichtet. „Wollen Sie meine Haie sehen?“, fragt er.

Ein Großprojekt auf Island

Im Büro nebenan ist ein riesiges Aquarium in die Wand eingelassen, im blauen Licht zieht eine Handvoll Raubfische ihre Bahnen, kleine Exemplare, aber so energiegeladen und voller Präsenz wie ihr Besitzer. Der 56-Jährige springt eine steile Treppe hinauf zu einem Käfig. „Und hier sind meine Affen.“ Er krault die Fellbündel durch das Gitter hindurch, füttert sie mit Larven. „Ich liebe die Natur und alles,was darin ist“, sagt er.

International erregte der exzentrische Investor Aufsehen, als er im August 2011 ankündigte, bis zu 200 Millionen Dollar in den Bau eines Fremdenverkehrsparks in Island zu stecken. Das Gelände in der Wildnis mit eigenem Flughafen, Pferderennbahn und Golfplatz sollte 300 Quadratkilometer umfassen, fast 0,3 Prozent der Landmasse der Insel. Doch da die Regierung in Reykjavík Vorbehalte hegt, liegt das Projekt seit Monaten auf Eis, auf Gletschereis gewissermaßen.

Teilnehmer am Nationalen Volkskongress

Erfolgreicher als mit dem Auslandsvorhaben ist Huang mit seiner Lyrik. Er hat viele Preise erhalten, in diesem Jahr hofft er erstmals einen Gedichtband auf Deutsch veröffentlichen zu können. Das Original heißt „Di Jiu Ye“ (Die neunte Nacht) und handelt von einer Katze und einem Pferd, die in achtzehn Gedichten die chinesische Gesellschaft, ihre Ausschweifungen, ihre Macht- und Geldgier anklagen. Das Buch ist recht explizit sexuell ausgefallen und wohl auch zu depressiv für den herrschenden Geschmack. „Ich kann es hier nicht herausbringen, weil es viel scharfe Kritik enthält“, sagt er, „also habe ich das in Taiwan getan.“

Der Autor glaubt sich diesen Pragmatismus und die offenen Worte erlauben zu können, weil er das System, das ihn einengt, von innen heraus kennt und Teil davon ist. Mit achtzehn Jahren, noch in der Kulturrevolution, mit der er politisch, persönlich und künstlerisch so hadert, trat er der Kommunistischen Partei bei, nach dem Literaturstudium in Peking arbeitete er zehn Jahre lang in der Propagandaabteilung der Kommunistischen Partei. Bis heute sitzt er im Nationalen Volkskongress, jenem Scheinparlament, das nur einmal im Jahr zusammentritt.

Kritiker der Kulturrevolution

Die Kombination von politischer und unternehmerischer Karriere ist neu für China, bis 2002 durften Privatunternehmer nicht in die Partei eintreten. Noch immer gibt es Begrenzungen. Jüngst sollte der Gründer des Schwermaschinenkonzerns Sany, Liang Wengen, als erster Geschäftsmann außerhalb der Staatskonzerne ins Zentralkomitee aufsteigen. Mit einem Vermögen von 7,3 Milliarden Dollar gilt der 56-Jährige als der fünftreichste Chinese, angefangen hat er als Flechter von Bambuskörben. Doch der Vorstoß scheiterte, der Zirkel der Macht bleibt für Privatunternehmer gesperrt.

Huang wagt offene Kritik am kommunistischen Apparat, aber zumeist richtet sie sich gegen die Vergangenheit. Sein Bezugspunkt für alles Negative ist die Kulturrevolution, eine Periode, die er zugleich „böse“ und „lächerlich“ nennt. Er selbst wurde zur Umerziehung aufs Land verschickt, in die kleine Provinz Ningxia. Was er dort erlebte, traumatisiert ihn bis heute und treibt ihn zum Schreiben. Rechts und links vom Grab seiner Mutter sind junge Opfer des damaligen Wahns bestattet worden. Ein Freund wurde bei Erdarbeiten von einer Gerölllawine erfasst und tot vor Huangs Füße geschleudert, ein anderer verlor unter den Qualen den Verstand.

Die Prahlerei der anderen

Gerade ist Huang von einem Besuch in dem Dorf mit den schrecklichen Jugenderinnerungen zurückgekehrt, noch im Flugzeug hat er Gedichte dazu verfasst. „Ich schreibe immer beim Fliegen. Nur deshalb reise ich erster Klasse, um nicht gestört zu werden“, sagt er. Er öffnet den Reißverschluss seiner grünen Fleeceweste, darunter trägt er eine dunkelblaue Sportjacke, seine langen Beine stecken in Trainingshosen, die Füße in Turnschuhen. „Statussymbole brauche ich nicht, ich trage auch keine Uhren.“

Die Bemerkung ist ein Seitenhieb auf Chinas andere reiche Führungsschicht, die Mächtigen in Partei und Verwaltung. Sie schmücken sich gern mit protzigen Autos, Villen und eben mit teuren Armbanduhren. Sprichwörtlich wurde diese Zurschaustellung im Falle des Chefs der Arbeitsschutzbehörde in der Binnenprovinz Shaanxi, Yang Dacai. Er besaß, wie die Internetgemeinde beim Vergleich von Fotos feststellte, elf teure Chronometer, von denen eines mindestens 10.000 Dollar wert war. Seitdem heißt der Mann spöttisch „Dabiao Ge“ (Bruder Armbanduhr).

Zöglinge auf dem Weg zur Macht

Am augenfälligsten ist der finanzielle Aufstieg der Politikerkaste an ihrer Spitze. Dort machen sich die reichen Söhne der Gründungsväter der Volksrepublik breit. Noch nie hatten so viele dieser „Prinzlinge“ einflussreiche Posten in der Pekinger Zentrale und in den Provinzen inne wie derzeit. Im Ständigen Ausschuss des Politbüros der Partei, Chinas eigentlicher Regierung und dem wahrscheinlich mächtigsten Gremium der Welt neben dem Weißen Haus, gehören drei von sieben Mitgliedern dieser Gruppe an.

Allen voran der neue starke Mann des Landes, Xi Jinping, Generalsekretär der Partei, Oberbefehlshaber und demnächst Staatspräsident. Sein Vater war Xi Zhongxun, Gründer einer Guerrilla-Einheit, später Mitglied im Politbüro und stellvertretender Regierungschef. Xi Jinping verbrachte Teile seiner Kindheit im Partei- und Regierungssitz Zhongnanhai in Peking. Der Park mit dem großen See grenzt direkt an die Verbotene Stadt und nimmt heute eine ähnlich luxuriöse und unantastbare Stellung ein wie diese zu ihrer Zeit.

Reichtum als Geheimnis

Anders als im Falle der privatwirtschaftlichen Aufsteiger weiß man über den Wohlstand der hohen Parteitöchter und -söhne nicht viel. Sie tauchen in keiner Reichenliste auf, sind keinem Aktionär oder Aufsichtsgremium rechenschaftspflichtig - und der Öffentlichkeit in der von ihnen mitgesteuerten Presselandschaft erst recht nicht.

Die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ hat recherchiert, dass Xi Jinpings Familie Vermögenswerte von mehreren hundert Millionen Dollar angesammelt habe. Die „New York Times“ schrieb, dass es die Angehörigen des abtretenden Regierungschefs Wen Jiabao sogar auf 2,7 Milliarden Dollar gebracht hätten. Beiden Medien wurden daraufhin die Internetseiten gesperrt, ein Korrespondent der „New York Times“ musste China verlassen.

Der Fall eines Prinzen

Allenfalls wenn die Mächtigen stürzen, werden persönliche Details bekannt. So beim ehemaligen KP-Chef in der Stadtregion Chongqing, Bo Xilai. Im Prozess gegen seine Ehefrau wegen des Mordes an einem britischen Geschäftsmann soll diese gestanden haben, die Familie habe „Milliarden“ ins Ausland gebracht.

Die Causa Bo markiert den bisher tiefsten Sturz eines Prinzlings, sein Vater Bo Yibo gehörte zu den „Acht Unsterblichen“ der KP. Einen Einblick in den extravaganten Lebensstil gewährt auch der Fall von Ling Jihua, dem geschassten Büroleiter von Staatschef Hu Jintao. Lings Sohn fuhr sich in Peking mit einem roten Ferrari zu Tode. Er und seine beiden Beifahrerinnen sollen nur spärlich bekleidet gewesen sein.

Jeder Wohlhabende ist ein Neureicher

Es ist nicht so, dass die Prahlerei der Politiker der privatwirtschaftlichen Elite gänzlich fremd wäre. Auffällig ist jedoch, dass sich viele Geschäftsleute aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet und eine gewisse Bodenhaftung bewahrt haben. Sie gleichen darin der ersten Kohorte der politischen Führer, die auf dem Weg zur Spitze wortwörtlich einen Langen Marsch hinter sich bringen mussten. Anders ist das bei deren Kindern, die mit goldenen Essstäbchen im Mund zur Welt kamen. Insofern besteht ein Generationensprung zwischen den beiden Gruppen der chinesischen Oberschicht: Die Parteigranden sind die Nachfahren der Gründungsväter, die reichen Geschäftsleute aber sind selbst Gründer, denn ihr Aufstieg wurde erst mit der Öffnungspolitik Deng Xiaopings vor dreißig Jahren möglich.

In dieser kurzen Zeit sind in China so viele Unternehmer reich geworden wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Mindestens eine Million Dollar-Millionäre zählt das Land und 260 Milliardäre. Da es nach dem Weltkrieg, den Enteignungen, dem Großen Sprung nach vorn und der Kulturrevolution kein altes Geld mehr gab, sind alle Wohlhabenden von heute Neureiche. Unzählige Beispiele lassen sich finden für den Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär, jenes romantische Narrativ des Kapitalismus, das früher dem großen Systemgegner Amerika vorbehalten war.

Aufstieg und Fall eines Bauernsohns

Viele der Superreichen haben keine weiterführende Erziehung genossen, weil es zu wenige Schulen gab, sie nicht zugelassen wurden oder ihre Familien durchbringen mussten. Auch das unterscheidet sie von den politisch Privilegierten. Das prominenteste Beispiel dieser Aufsteiger ist der 67 Jahre alte Zong Qinghou. Mit einem Vermögen von 12,6 Milliarden Dollar gilt er als reichster Mann Chinas. Weil er nichts gelernt hatte, verkaufte er als Jugendlicher in einer Schule seiner Heimatstadt Hangzhou Milchprodukte. Heute gibt sein Getränkeunternehmen Wahaha 30.000 Menschen Arbeit.

Allerdings kann sich in China das Glück schnell wieder drehen. Das zeigt der Fall des Huang Guangyu, der schon dreimal der reichste Chinese war. Er kam in Kanton als Bauernsohn zur Welt und brach die Schule ab, um säckeweise Radioapparate aus den Exportfabriken seiner Heimat in Chinas Norden zu verkaufen. Daraus erwuchs die Elektronikmarkt-Kette Gome, die in China präsenter ist als in Deutschland Media-Markt. Im Mai 2010 wurde Huang wegen verschiedener Wirtschaftsdelikte zu vierzehn Jahren Haft verurteilt. Die hohe Strafe hat Vermutungen genährt, er habe der Partei und ihren Wirtschaftsinteressen im Weg gestanden.

Geschäfte mit Altpapier und Immobilien

Sein Namensvetter Huang Nubo hat seinen Weg gefunden, um diese Gefahren zu umschiffen. „Aus sensiblen Branchen halte ich mich heraus“, sagt er. „Ich trete niemals in Konkurrenz zu Staatsbetrieben.“ Die Furcht, das Vermögen an korrupte Beamte oder die Regierung zu verlieren, sei nicht unbegründet, das zeigten die Säuberungsaktionen Bo Xilais gegen die vermeintliche Mafia in Chongqing. „Da wurden Privatunternehmer enteignet und sogar getötet“, weiß Huang. Nicht zufällig legten sich viele wohlhabende Chinesen eine amerikanische Arbeitserlaubnis zu oder wechselten die Staatsangehörigkeit. Angeblich denkt mehr als die Hälfte der Millionäre daran auszuwandern.

Als relativ ungefährlich gelten neue oder abseitige Wirtschaftszweige. Für Huang Nubo sind das Freizeitimmobilien: Er baut Hotels und Ferienanlagen für Chinas Mittelschicht, die den Urlaub im eigenen Land entdeckt hat. Für Zhang Yin ist es das Altpapier. Die quirlige Unternehmerin ist die Gründerin von Nine Dragons Paper, dem weltgrößten Produzenten von Pappverpackungen. 2012 setzte die Gruppe mit 18.500 Mitarbeitern 4,2 Milliarden Dollar um. Zhang ist ein Jahr jünger als Huang, aber noch deutlich reicher. Die Hurun-Liste führt sie mit 3,2 Milliarden Dollar auf Platz 29. Zwischenzeitlich war sie sogar die reichste Frau der Welt, die es aus eigenen Kräften nach oben geschafft hatte, noch vor der Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling.

Wie Huang litt auch Zhang unter dem System. Zur Welt kam sie ebenfalls in der Südprovinz Kanton, doch wuchs sie während der Kulturrevolution in der Kohlestadt Jixi im Nordosten Chinas auf. Nicht weit von Wladiwostok, aber fast 3600 Kilometer von ihrem Geburtsort entfernt. Ihr Vater war Offizier, galt dann als Abweichler und musste drei Jahre lang ins Gefängnis. Als ältestes von acht Kindern konnte Zhang Yin zunächst nicht auf eine weiterführende Schule gehen. Der Vater söhnte sich später mit der Partei aus, seine Tochter ist heute Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz, die parallel zum Volkskongress tagt.

Reich gemacht haben sie Amerikas Abfall und Chinas Export. In Shenzhen, Chinas erster Sonderwirtschaftszone, erlebte Zhang den Aufstieg zur führenden Ausfuhrmacht mit. Doch weil Holz nach Jahrzehnten der Rodung knapp war, fehlte es an Kartons. Mit 3800 Dollar Startkapital eröffnete die 29-Jährige 1985 in Hongkong eine Handelsgesellschaft für Recyclingpapier. Später ließ sie sich in Amerika nieder und verschifft seither von dort aus Altpapier in ihre Heimat. Freilich geht auch für Nine Dragons Paper nicht immer alles glatt. In der Finanzkrise nach 2008, als Chinas Export einbrach, drohte die Überschuldung, der Aktienkurs stürzte in die Tiefe und machte aus der steinreichen nur noch eine reiche Unternehmerin.

Die kleine kompakte Frau empfängt in einem Hotel in Tianjin, der Hafenstadt südöstlich von Peking, wo sie gerade geschäftlich zu tun hat. Sie wohnt im exklusiven „Executive Floor“, sonst aber sieht man ihr den Reichtum nicht an. Ein Privatsekretär ist bei ihr, aber keine Entourage und auch keine Leibwächter. Sie hat ein normales Doppelzimmer gebucht, nicht etwa eine Suite. Auf dem Bett liegt etwas achtlos eine Handtasche, aufwendig wirken allenfalls der üppige Schminktisch und eine Batterie bunter Schuhe.

Immaterielle Werte bilden die Grundlage

Zhang trägt ihren Stuhl selbst herbei und setzt Tee auf. „Ich habe niemals erwartet, reich zu werden, und führe auch jetzt noch ein recht normales Leben“, sagt sie. Mit einem Lächeln gibt sie eine Schwäche für Schmuck und Kleider zu, nicht aber für weitere kostspielige Hobbys. „Meine Generation hatte keine reichen Eltern, wir haben von null angefangen“, sagt sie und benutzt den Ausdruck „Baishou Xinjia“ (weiße Hände, neues Zuhause). „Wir wissen, dass Reichtum an sich ohne Wert ist, sondern Ausdruck von etwas Erreichtem, das selbst auf Werten fußt.“ Was diese Werte sind? Sorge um andere, die Familie, die Mitarbeiter. Beständigkeit, damit das Unternehmen auch in hundert Jahren noch steht. Fleiß und Gewissenhaftigkeit, um besser zu sein und zu werden.

Vielleicht, sagt sie, seien Kantonesen und Frauen in diesen Dingen etwas weiter als andere und vielleicht gebe es deshalb unter Chinas Reichen vergleichsweise viele davon. „Frauen können sich besser auf Details konzentrieren, und sie müssen härter arbeiten als Männer, um akzeptiert zu werden“, sagt Zhang. Die Leute aus Kanton hätten eine jahrhundertealte Händlergeschichte, ergriffen jede Gelegenheit beim Schopf und scherten sich weniger um Urlaub als die übrigen Chinesen. Letztlich aber liege der Aufstieg ihren Landsleuten insgesamt im Blut, findet die fröhliche Milliardärin. „Alle Chinesen wollen Chefs werden - wenn man sie nur lässt.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

Jüngste Beiträge

Freitod-Fashion

Von Fridtjof Küchemann

Ein Model kniet vor dem Gasherd, eines steht mit einem Stein im Arm im Fluss: Für eine Modestrecke ließ das amerikanische Magazin „Vice“ den Freitod bekannter Autorinnen nachstellen. Was als Kunst gemeint sein soll, verrät die Kunst. Mehr 2