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Die neuen chinesischen Gründer Im Reich der Mittel

260 Milliardäre gibt es in China. Huang Nubo ist nur einer von ihnen. Er vermietet Ferienhäuser, schreibt Gedichte und betreibt einen Zoo. Das alles hat er ohne Partei und Staat geschafft.

© ddp images/AP/Sun taotao Vergrößern Huang Nubo, 56 Jahre alt, einfacher oder zweifacher Milliardär sagt: „Ich weiß nicht, wie reich ich bin, aber es genügt mir.“

Huang Nubo hat in allen Erdteilen die höchsten Berge bestiegen, den Everest sogar mehrfach. Auch an den Polen ist er gewesen. Im Korridor vor seinem Büro stapeln sich leere Sauerstoffflaschen als Erinnerungsstücke. Gaskocher reihen sich aneinander, Steigeisen liegen bereit und Schuhe für jede Gelegenheit: Wander-, Schnee- und Gummistiefel, daneben Pantoffeln, Schuhgröße 45. Der Geschäftsmann ist 1,90 Meter groß. Ungewöhnlich für einen Chinesen.

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Das trifft in jeder Hinsicht zu, denn Huang Nubo ist einer der reichsten und bedeutendsten Privatunternehmer seines Landes, dazu ein Extremsportler und gefeierter Poet. Ihm gehört die Zhongkun-Gruppe, ein Immobilien-Konglomerat, das vor allem mit Tourismus Geld verdient. Die Hurun-Liste der reichsten Chinesen gibt Huangs persönliches Vermögen für 2012 mit zwei Milliarden Dollar an, dreißig Prozent mehr als im Vorjahr. Damit rangiert er unter den Milliardären in der Volksrepublik und in Hongkong auf Rang siebzig. Forbes führt ihn mit der Hälfte der Summe an Position 115. Auf die Frage, welche Zahl stimme, zuckt Huang mit den Schultern. „Ich weiß nicht, wie reich ich bin, aber es genügt mir.“

Eine Milliarde Yuan für ein Charity-Dinner

Sein Wohlstand gebe ihm die Freiheit zu schreiben und die Welt zu erkunden, sagt er und nimmt eines der vielen Reisefotos von den Wänden. „Genau wie meinem Freund hier.“ Das Bild zeigt Huang eingemummelt vor einer Felswand im Himalaja zusammen mit Wang Shi, einem weiteren bergsteigenden Ausnahmeunternehmer und bekannten Blogger. Wang hat den Konzern Vanke aufgebaut, Chinas größte börsennotierte Immobiliengesellschaft. Vor zwei Jahren zog sich der Multimillionär aus dem Tagesgeschäft zurück, um mit sechzig Jahren endlich seinStudium nachzuholen - in Harvard.

Reichtum bedeute Verantwortung, findet Huang, man müsse damit Gutes tun. Einerseits für die Menschen: Allein beim „Charity-Dinner“ von Bill Gates und Warren Buffett 2010 in Peking will er eine Milliarde Yuan (160 Millionen Dollar) zugesagt haben. Andererseits auch für die Tiere: Huang ist Regionaldirektor der Naturschutzorganisationen The Nature Conservancy und Wild Aid und nimmt verletzte Tiere bei sich auf. In den obersten Stockwerken des Zhongkun Hauptquartiers, eines Wolkenkratzers im Nordwesten Pekings, hat sich Huang neben seinen Büros eine Wohnung, ein Fitnessstudio und einen kleinen Zoo eingerichtet. „Wollen Sie meine Haie sehen?“, fragt er.

Ein Großprojekt auf Island

Im Büro nebenan ist ein riesiges Aquarium in die Wand eingelassen, im blauen Licht zieht eine Handvoll Raubfische ihre Bahnen, kleine Exemplare, aber so energiegeladen und voller Präsenz wie ihr Besitzer. Der 56-Jährige springt eine steile Treppe hinauf zu einem Käfig. „Und hier sind meine Affen.“ Er krault die Fellbündel durch das Gitter hindurch, füttert sie mit Larven. „Ich liebe die Natur und alles,was darin ist“, sagt er.

International erregte der exzentrische Investor Aufsehen, als er im August 2011 ankündigte, bis zu 200 Millionen Dollar in den Bau eines Fremdenverkehrsparks in Island zu stecken. Das Gelände in der Wildnis mit eigenem Flughafen, Pferderennbahn und Golfplatz sollte 300 Quadratkilometer umfassen, fast 0,3 Prozent der Landmasse der Insel. Doch da die Regierung in Reykjavík Vorbehalte hegt, liegt das Projekt seit Monaten auf Eis, auf Gletschereis gewissermaßen.

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Veröffentlicht: 07.01.2013, 19:15 Uhr

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