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„Die Löwin“ im ZDF Lena, lass dein Haar herunter

Silke Bodenbender geht in "Die Löwin" für das ZDF auf Safari

© Michael Swan + Giulio Biccari [m Im wiedergefundenden Paradies: Silke Bodenbender bei der freundschaftlichen Begegnung mit einem südafrikanischen Löwen

Soll im Fernsehen die innere Veränderung einer weiblichen Hauptfigur dargestellt werden, bleibt die schauspielerische Herausforderung für die Darstellerin in der Regel überschaubar. Im zeitgenössischen Fernsehfilm hat man praktischerweise die metaphorische Dimension des Haarelösens entdeckt. Irgendwie macht es sich auch gut auf dem Bildschirm. Und es leuchtet unmittelbar ein. Wir Zuschauer begreifen, was uns ergreift, sozusagen. Legion sind deshalb die Filme, in denen es um Frauen geht, die sich selbst auf irgendeine Weise entfremdet (worden) sind, seitdem sie ihr an sich langes Haar (ihr verborgenes Ich) in einem Dutt tragen und die unter dem Einfluss neuer Liebhaber und/oder veränderter Lebensumstände (wieder) zu sich selbst und zum befreiten Haupthaar finden. Gelöstes Haar ist gleich gelöstes Wesen, so lautet die einfache Gleichung. Der Haarknoten ist reserviert für zickige Karrierefrauen. Die Haare ohne Zwang schmücken das weibliche Haupt, das sich besonnen hat.

So auch in "Die Löwin", dem Film, in dem Silke Bodenbender die ehemalige Löwenflüsterin Lena, die auf einer Farm in Südafrika aufwuchs, gibt. Nach einem schrecklichen Unfall, bei dem ihr Vater von einem Löwen getötet wurde, erlebte sie als Jugendliche die Vertreibung aus dem Paradies, in dem Tier und Mensch dieselbe Sprache sprachen. Nun ist Großvater Jo (Gottfried John) sterbenskrank. Lena, die inzwischen als Ärztin in einer Berliner Notaufnahme arbeitet, ist mit ihrem Freund Felix (Bernhard Schir) und ihrer Mutter Sarah (Ulrike Kriener) nach Südafrika gekommen, um Jo zur Therapie zu überreden. Überraschend trifft sie auf ihren Kinderfreund Daniel (Kai Schumann), dem sie vor Urzeiten das Löwenverstehen beibrachte. Noch trägt Lena Dutt. Nicht lange, und die Haarnadeln setzen Staub an. Das Haar glänzt und darf bei jeder Bewegung tanzen. Wir haben verstanden. Bis die Hauptfigur versteht, geht noch etliche mit zugegeben wunderschönen Landschafts- und Großtieraufnahmen angefüllte Zeit ins Safari-Land.

Das Haar weist den Weg

"Die Löwin" folgt gleich mehreren todsicheren Unterhaltungsfilm-Rezepten. Naturfilme werden gern gesehen. Kinder und Tiere auch. Ein Kitschpublikum findet sich beim ZDF, der Heimat von Pilcher und Lindström, immer. Ein dunkles Familiengeheimnis ist obligatorisch. Man nehme alles zusammen und drehe in Südafrika. Gute Schauspieler müssen nicht sein (Christine Neubauer geht auch, aber die macht gerade so viel Werbung für Weight Watchers), hier jedoch scheint man sich über die Besetzung richtig Gedanken gemacht zu haben. Fertig ist mit "Die Löwin" der deutsch-südafrikanischen Regisseurin und Drehbuchautorin Stefanie Sycholt eine überdurchschnittlich solide Schmonzette, welche die Faszination Afrikas beeindruckend (Kamera: Giulio Biccari) ins Bild setzt.

Die Geschichte ist an sich dünn. Silke Bodenbender als Lena kommt auf der Farm in Südafrika den Geheimnissen ihrer Jugendtraumatisierung auf die Spur, erinnert sich an Verdrängtes - was dem Zuschauer viele spektakuläre Aufnahmen von Szenen mit Löwen und Menschen beschert - und muss sich dann nur noch zwischen der Zukunft in einer Berliner Praxis für Hautkrankheiten mit dem eher drögen Felix und einem freien, dem Tierschutz gewidmeten Leben auf der Farm mit dem abenteuerlich-erotischen Daniel entscheiden. Das Haar weist ihr den Weg. In einer Nebenhandlung spielen Ulrike Kriener und Gottfried John als Schwiegertochter und Schwiegervater eine besondere Rolle. Und ein Film, in dem Ulrike Kriener so spielt wie hier, kann kein ganz schlechter Film sein. Ihre Haare übrigens bleiben den ganzen Film über immer gleich frisiert.

Die Löwin läuft heute um 20.15 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.

 
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