Home
http://www.faz.net/-gqz-78huf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Die Karriere der Karin Büttner-Janz Immer weiter

Karin Büttner-Janz wollte immer effektiv leben - im Osten, im Westen, im Leistungssport, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft. Zweimal wurde sie so Olympiasiegerin, einmal fast hundertfache Millionärin.

© Julia Zimmermann Vergrößern Wissenschaft als Wettkampf: Büttner-Janz in ihrem Büro in Berlin

Als die Mauer fiel, war Karin Büttner-Janz schon auf der anderen Seite. Am Abend jenes 9. November 1989 reiste sie von einer wissenschaftlichen Tagung in West-Berlin zurück in den Osten. Sie erinnert sich noch, wie ihr im Bahnhof Friedrichstraße eine enthusiastische Frau mit einem Koffer in jeder Hand entgegenkam, die Erste des Aufbruchs. Während der Osten sich aufmachte, die neue Freiheit zu feiern, strebte Karin Büttner-Janz gegen den Strom, nach Hause. Und als Berlin am Morgen danach seinen Rausch ausschlief, verteidigte Karin Büttner-Janz, zurück auf dem Kongress, ihre phantastische Erfindung - die künstliche Bandscheibe - mit Löwenmut gegen Angriffe des Establishments.

Michael Reinsch Folgen:  

Eine Frau geht ihren Weg. Er führt sie weniger im Zickzack durch die jüngste deutsche Geschichte als vielmehr im Auf und Ab. Zum Auf gehören ein sensationeller Olympiasieg, eine Chefarztstelle und die Erfindung, mit der sie sich in die Geschichte der Medizin einschrieb. Zum Ab eine Kündigung unter schmutzigen Umständen und mehrere hundert verlorene Millionen Euro. Dem Kampfgeist und Behauptungswillen der zierlichen Frau haben die Zeitläufte und mächtige Männer schwere Prüfungen auferlegt. Aber Karin Büttner-Janz hat sich nach jedem Rückschlag wieder nach oben gekämpft. Wenn etwas all die verschiedenen Anfänge ihres Lebens verbindet, dann ist es Disziplin und Mut.

Im eigenen Salto zum Olympiasieg

Sie ist keine Widerstandskämpferin, keine Funktionärin. Sie ist Turnerin. Im Sommer 1972 beschert sie, die Kleinste ihrer Staffel, der DDR im deutsch-deutschen Bruderkampf der Spiele von München zwei Triumphe. Am Stufenbarren schwingt sie, furchtlos und elegant, mit einer Vorwärtsrolle in der Luft vom niedrigen Holm hinauf zum hohen. Das ist ihre Spezialität, ein Salto, der bis heute ihren Namen trägt. Am Turnpferd setzt sie in vollem Schwung die Hände auf und fliegt, mit den Füßen voran und mit einer Drehung um die eigene Achse, in den Stand - und landet auch auf dem verletzten, bandagierten linken Fuß. Aber sie verzieht nicht das Gesicht, denn stärker als der Schmerz ist, noch bevor der Jubel der Zuschauer einsetzt, die Gewissheit, dass sie die Beste ist. Karin Janz gewinnt zwei Goldmedaillen. Zweimal wird die Hymne von Hanns Eisler gespielt, zweimal wird die deutsche Fahne mit dem Zirkel und dem Ährenkranz aufgezogen. Bis heute ist sie mit ihren beiden Olympiasiegen sowie drei weiteren Medaillen von diesen Spielen, mit zwei von den Spielen in Mexiko, mit vier Europameisterschaften und einer Weltmeisterschaft die erfolgreichste deutsche Turnerin.

„Wenn man ganz oben angekommen ist, hat man zwar die Super-Power, um dort überhaupt zu sein, das zu meistern“, sagt Karin Büttner-Janz. „Wenn man aber glaubt, damit könne man sein Leben bestreiten, kann man nur hinfallen, und zwar jeden Tag und ohne Ende.“

1 | 2 | 3 | 4 | 5 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Die Athleten-Seuche Der Rücken - eine wunde Stelle im Elitesport

Deutschlands Topathleten leiden in der Mehrzahl schwer an Rückenschmerzen - nicht wenige wie Geburtstagskind Neureuther sind reif für die OP. Eine bundesweite Studie zeigt: Schon die Jüngsten quälen sich. Mehr Von Joachim Müller-Jung

26.03.2015, 08:24 Uhr | Wissen
Sammlerstücke Die Mauer steht jetzt überall auf der Welt

Die Mauer ist Geschichte - jetzt schon seit 25 Jahren. Und gerade deshalb stoßen ihre Überreste auf reges Interesse. Segmente der Mauer sind zu Sammlerstücken geworden. Einzelteile des einstigen Symbols der deutschen Teilung finden sich überall auf der Welt - als Sinnbild der Freiheit. Mehr

09.11.2014, 11:55 Uhr | Politik
Frankfurter Zeitung 17.03.1915 Der Erfinder des Maschinengewehrs

Von einer automatischen Mausefalle über elektrisches Licht hin zum Maschinengewehr – Sir Hiram S. Maxim ist ein tüchtiger Erfinder. Über seinen Werdegang klärt die Frankfurter Zeitung am 17. März 1915 auf. Mehr

17.03.2015, 00:00 Uhr | Politik
Amerikanischer Außenminister Kerry zu Mauerfall-Gedenken in Berlin

Der amerikanische Außenminister John Kerry und sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier haben des Falls der Berliner Mauer vor bald 25 Jahren gedacht. Kerry betonte bei einem Besuch an der Mauergedenkstätte seine persönliche Verbundenheit mit der deutschen Hauptstadt, in der er als Kind einige Jahre gelebt hatte. Die Mauer erinnere an den Kampf für die Freiheit, die "noch immer in zu vielen Teilen der Welt bedroht" sei. Mehr

23.10.2014, 14:51 Uhr | Politik
Pferdetrainer in Frankfurt Unser Leben war immer der Rennsport

Der Pferdesport verlässt Frankfurt: Heinz Hesse ist einer von zwei Pferdetrainern, die noch in der Stadt weilen. Er kümmert sich seit Jahrzehnten in Sachsenhausen um die vierbeinigen Athleten. Jetzt fühlt er sich vom Hof gejagt. Mehr Von Richard Becker, Frankfurt

26.03.2015, 15:02 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.04.2013, 19:29 Uhr

Ein Testfall

Von Fridtjof Küchemann

Die amerikanische Bildungsfirma Pearson will verhindern, dass ihre Eignungstests fürs College im Internet auftauchen. Daher überwacht sie Schüler in den sozialen Netzwerken. Die Öffentlichkeit ist empört. Mehr 6 10