12.03.2012 · Wir essen zu billig und denken zu wenig über unser Essen nach. Das ist der eigentliche, der permanente Lebensmittelskandal. Ein Aufschrei am Rande der Verzweiflung.
Von Jakob Strobel y SerraRichtlinien für Lesermeinungen
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Tip für alle Sozialhilfebezieher von Oma Strinz:
Verfügen Sie über keinen Erste-Klasse-Backofen und müssen
Sie trotzdem Brot für Ihre bedauernswerten Angehörigen backen?
Hören Sie auf Oma Strinz und fügen Sie dem Hefeteig auch noch
Backpulver hinzu. Ach ja, und nur einmal gehen lassen, sonst wird's
Weckerl zäh...
Guten Appetit
wünscht Martha Strinz
Ja, für die meisten Deutschen regiert beim Lebensmitteleinkauf der Preis. Man kann das verachten, wenn man selbst nicht unbedingt auf den Preis schauen muss. Man kann ebenso berechtigt darauf verweisen, dass in unserer kapitalistischen Gesellschaft nun einmal ohne Moos nichts los ist. Die Debatte ist insoweit ziemlich steril und bekenntnishaft. Ein gewisses Stück Aufklärung scheint mir die Lohntheorie eines gewissen Karl Marx zu bieten. Er bestimmte den Wert der Arbeitskraft durch die Preissumme der notwendigen Lebensmittel plus eines gewissen "historisch-moralischen Elements". An dieser Einsicht muss man weiterdenken, und man erkennt das politische Interesse an unserer Junkfoodkultur: je billiger man die Bevölkerung abfüttern kann, desto billigere Löhne kann man ihr zahlen. Gerade geht eine Studie durch die Nachrichten, wonach 8 Millionen Menschen für Billiglöhne unter 9,50 arbeiten. Junkfood ist die ernährungspolitische Seite der Agenda 2010 und der dahinterstehenden Interessen.
Solche Artikel brauchen wir häufiger. Nur zwei Punkte zur Kritik:
1) Der Fraß, den die Leute in sich 'reinstopfen, wird durch einen
aufgezwungenen Lebensstil begünstigt, der aus immer mehr
Effektivität und weniger Zeit, aus Arbeits-Sklaventum und der Jagd
nach billigen, doch status-relevanten Gadgets besteht.
2) Vegetarismus ist in der Minderheit militant und missionierend meist
nur in Maßen. Ob der Lebensstil im Prenzelberg Standart werden
wird, sei in der Tat dahingestellt, doch man kann überlegtem
Vegetarismus ruhig eine Signalwirkung zugestehen, eine Art leuchtende
Alternative.
Abselut einverstanden
besonders mit Punkt 1) 'aufgezwungener Lebenstil'!
;-)
Da haben Sie wohl was richtig gemacht.
Ich kann Ihnen nur gratulieren - ich meine das ernst. Unter "aufgezwungen" verstand ich einfach die Unsichtbarkeit von Alternativen und für viele Leute die Notwendigkeit, in einem ungeliebten Job zu kaum erträglichen Bedingungen zu schuften, um nicht aus ihren sozialen Bezügen zu fallen.
...
zu 1) Dieser Lebensstil ist keineswegs "aufgezwungen". Ich besitze bis heute kein Smartphone (erst Recht keinen ipad etc) - nicht einmal ein Auto - und mit meinem "Status" ist bisher alles in Ordnung. ;-) Und Zeit für die wichtigen Dinge findet man immer.
Ich habe auch schon in Frankreich sehr schlecht gegessen (im Restaurant), in Deutschland auch schon vorzüglich - und umgekehrt.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 14.03.2012 21:19 Uhr???
Und was hat das mit dem Inhalt des Artikels zu tun? Ich glaube, Sie haben ihn nicht verstanden.
selten so einverstanden gewesen
Es ist tatsächlich so, dass viele Deutsche das Hohelied der überlegenen deutschen Küche singen - nur weil Brigaden von Dummschwätzern in der Glotze kochen...
abgekapselt von der modernen fastfood ernährung auch von tütchen fertigmischungen habe ich vom opa noch das richtige kochen gelernt und wiederentdeckt. die im bericht angesprochene ernährung vieler ist nur ein weiterer weg der selbstzerstörung bis der tag x kommt und der arzt das leben retten soll, welches akribisch in jahrzehntelanger kleinarbeit mit fertigfraß geschädigt wurde. aber es gibt hoffnung, einfach mal "chris hilton" googeln. viel spass beim nachkochen. euer chris
"Gerade einmal zehn Prozent aller Konsumausgaben reservieren die
Deutschen für das Essen, während es in Italien und Spanien
knapp fünfzehn und in Frankreich 13,4 Prozent sind. Es geht aber
noch schlimmer: In den Vereinigten Staaten, dem kulinarischen Reich des
Schreckens und der Finsternis, sind es laut Vereinten Nationen 6,9 Prozent."
Das liegt wohl an der unterschiedlichen Kaufkraft , nicht unbedingt an
den Prioritäten beim Einkauf. Zum Vergleich das BSP pro Kopf: USA
48.000$, D 38.000$, I und E 30.000$
Und das ist nur eine der Unstimmigkeiten in der Tirade. In Kyoto z.B.
wird der Autor für seine 5-6 Euro allenfalls eine Nudelsuppe
bekommen. Oder einen Hamburger.
Bitte informieren Sie sich über Begriffe, die Sie verwenden!
Was hat das Bruttosozialprodukt mit dem Anteil am persönlichen Einkommen, das für etwas ausgegeben wird, zu tun? Wissen Sie überhaupt, was das Bruttosozialprodukt ist? Das Durchschnittsgehalt ist den USA deutlich geringer als in Deutschland! Und um einen internationalen Preisvergleich für Nahrungsmittel ging es ja auch nicht. Genau diese Art der Argumentation macht eine Diskussion so schwierig: den Text nicht richtig verstehen, wirre Fakten anführen und dem anderen Inhaltlosigkeit vorwerfen.
Es hat etwas Anmaßendes, über die Essgewohnheiten anderer zu
spotten. Die eine Hälfte der so beschimpften Deutschen kann sich
die vorgeschlagene Ernährung nicht leisten, auch wenn der Artikel
vergeblich versucht, das Gegenteil zu beweisen.
Die andere Hälfte hat, was richtig erkannt ist, kein Interesse.
Meines Wissens haben die bedeutendsten Denker eine möglichst
einfache Kost und den Verzicht auf unnütze Gaumenkitzel
vorgeschlagen. Mein kleiner Discounter um die Ecke genügt
vollkommen meinen Ansprüchen, auch wenn ich selbstverständlich
keine Backwaren oder Frischfleisch in Plastiktüten kaufe.
In keinem Fall aber finde ich es gerechtfertigt, Menschen zu
diskreditieren, die sich einfach nur mit Nährmitteln den Magen
füllen wollen, um sich dann Wichtigerem zuzuwenden.
@ KASARA
Sie haben natürlich recht, jeder Deutsche kann sich auf einfache
Weise ohne Fertiggerichte ernähren. Im Artikel ging es aber um
einen viel verfeinerteren (und teureren) Nahrungsbegriff.
@ Christian Igel
Ihre Behauptung, dass es sich eine Hälfte der Deutschen nicht
leisten kann, gesund zu essen, ist absoluter Unsinn. Selbst im
Discounter ist es möglich, Gemüse, teilweise sogar
Biogemüse, zu vernünftigen Preisen zu erwerben und für
wenige Euro eine komplette Mahlzeit für vier Personen zuzubereiten.
Dass Fertiggerichte oftmals nicht nur qualitativer Müll, sondern
auch noch deutlich teurer sind, ist bekannt. Hier werden die
Prioritäten falsch gesetzt, aber es ist ja nicht so, dass sich
ungesunde Lebensweise nicht auch rächt, da die gleichen Leute, die
"kein Geld" für gesunde Lebensmittel haben in der Regel
auch sportlich nicht zu den Aktivsten gehören, womit wir bei der
Faulheit wären. Viele sind, auch am Wochenende, schlichtweg nicht
mehr bereit, eine halben Stunde in der Küche zu investieren,
sondern werfen stattdessen Tüten und Tiefkühlprodukte in die
Pfanne! Es muss im Übrigen auch nicht jeden Tag Fleisch oder Wurst
auf den Tisch!
Vieles spricht mir aus der Seele, aber vieles auch nicht...grade südlich von Rom entspricht die italienische Esskultur oft nicht mehr der romantischen Vorstellung der Deutschen...ich weiß das, weil mein Vater dort herkommt. Und in drei Monaten Studium in Frankreich habe ich vor allem zwei Dinge gesehen: Schoko-Croissant zum Frühstück, billiges Hack-Steak mit Fritten in der Uni-Mensa zum Lunch...Tag ein, Tag aus. Wir sollten uns in der Tat gesünder ernähren und vor allem weniger Fleisch essen. Aber wir sollten Italien und Frankreich auch nicht zu sehr auf einen Thron heben. Auch dort hat sich das Essverhalten geändert. Und nur weil wir im Provence-Urlaub gut speisen, heißt das nicht, dass jeder Arbeiter im strukturschwachen Norden ein Feinschmecker ist. Traurigerweise steht Ernährung in jedem Land der Welt auch in Relation zur Bildung. Der prozentuale Unterschied der Ausgaben von Deutschen und Italienern für Essen ist übrigens nicht sehr hoch muss ich sagen.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 13.03.2012 20:31 UhrDa gebe ich Ihnen auch recht,
das Essverhalten hat sich auch in den von Ihnen aufgeführten
Ländern geändert, die Zeit u. der Zeitgeist bleibt nicht
aussen vor. Aber ich habe die Italiener als ein Volk kennengelernt, die
absolut mehr Bedeutung auf gutes Essen legen wie etwa der Deutsche.
Frag ich einen ital. Mann wie man dies oder das macht, kann er mir das
sagen. Faziniert mich jedes Mal, dass er nicht nur weiss, was gut ist,
wo man gut ist, sondern wie man es zubereitet.
@c. nicolau,"Wir alle wissen, welche Vorreiterolle Italien" auf vielen Sektoren..."
italiener moechten auch keine vorreiterrolle einnehmen. denn im
gegensatz zu den deutschen
geht den italienern jedes missionarische gehabe ab.
trotzdem erkennen viele menschen auf diese welt in der ital. kueche eine
art gastronomische "leitkultur".
vor allen dingen in punkto frischer+gesunder ernaehrung. uebrigens
gehoere auch ich
zu diesen menschen.
ich benutze teures olivenoel. folge bei den gemuesen gerne den jahreszeiten,
gerne roh verzehrt, gerne radicchio, radicchio rosso, cipolle di tropea,
also salat+gemuese,
das man in D nicht einmal dem namen nach kennt.
ansonsten behaupte ich, dass ich nirgens je so gut gegessen habe, wie
bei meiner mutter.
aufwendig gekochte gerichte, schwarzwurzeln. wahrscheinlich weiss man
heute in D garnicht
mehr, was das ist.
jedoch weiss ich, dass ich privelegiert bin, danke gott dafuer und
verachte das pfund schweine-
mett fuer 99cent keineswegs. auch ein bigmac ist alle 6/7 wochen fuer
mich ein hochgenuss.
italiener brauchen kein bio, nur frisch
halllo, frau gossmann, tanti saluti anche da me
ich will ja garnicht recht haben.
"dico la mìa", ich will nur meinen senf dazugeben.
fuer heute abend ist dann aber schluss.
haeng' mich jetzt vor die glotze, mein tip:
digitale terrestre:
21.uhr10, RAImovie, "thelma&loise
21uhr05, IRIS, "N(ìo e napoleone)
alllora, tanti saluti e buona sera
alla prossima+ buona notte
Wie recht Sie haben Herr Hesse,
dass der Italiener nicht zum missonarischen Gehabe neigt.
Auch nicht daran interessiert ist, eine Vorreiterstellung einzunehmen,
wie ein Forist meint.
Italiener brauchen kein Bio, nur frisch !
Doch über die ital. Küche lassen sie nix kommen....c'e niente
da fare.
Na ja, das tosc. Brot kann ich mir gut verkneifen. Das fiorentinische Nationalgericht
la trippa, auch nicht jedem seine Sache.
Und unserseins kann sich das Beste aus beiden Küchen nehmen, denn
die dt. Küche ist
auch nicht schlecht ;-)...ab und zu ein deutsches Gericht, das muss sein!
Ach so, Schwarzwurzeln kenn ich auch...von meiner Oma, sie hat sie uns
ab und an serviert.
In diesem Sinne tanti saluti
Die Wertschätzung der Lebensmittel und des Vorgangs Essen
ist in Deutschland nicht so ausgeprägt wie in anderen Ländern.
Da gehts dann eher über den Preis - mein Eindruck und das es
schnell geht...die Passion fehlt meistens zu einem guten
Gericht.
Mein Verhältnis zum guten Esssen, guter Ware, die nicht unbedingt
ein Bio-Siegel haben braucht, hat sich komplett geändert, seitdem
ich im Ausland bin.
Hier wird schon ganz anders eingekauft. Schon alleine, wie etwa eine
Melone oder anderes Gemüse ausgesucht wird, bevor man es kauft.
Ich bin der Überzeugung, auch mit kleinem Geldbeutel kann man etwas
Vernünftiges auf dem Tisch bringen und nicht die Pizza oder andes
Zeugs, dass man in die Microwelle schiebt.
Liegt viel an der Faulheit u. angebl. keine Zeit dafür haben, zu
kochen.
Das gehört in die Schulen gebracht, wie man Gutes ohne grosse
Zeitaufwand machen kann.
Erschreckend,dass manche Kinder Gemüsearten nicht einmal kennen.
Ich bin froh, dass ich nicht an jeder Ecke e.Dönerladen o. McD
sehe, noch nie vermisst, lieber Slow- als Fastfood.
Provokant, aber es trifft den Kern
Die Prioriät unserer "Lebensmittel" sind das eigentliche
Problem unserer Gesellschaft.
Es muss meiner Meinung nach auch nicht zwangsläufig Bio sein. Bio
Tomaten aus Spanien sind auch nicht ökologischer als konventionelle
Tomaten aus Deutschland. Mit der Bio Schiene wird den Leuten eingeredet
etwas für die Gesundgeit und die Umwelt zu tun, aber darüber
nachgedacht wird dabei kaum.
So heißt es ja auch nicht "Bio-Landwirtschaft"
sondernökologische Landwirtschaft, also nachhaltig und
umweltverträglich mit den Ressourcen umzugehen, dass dabei
natürlich auch die Lebensmittel frei von Pflanzenschutzmitteln sind
quasi ein positiver Nebeneffekt. Das Thema Antibiotika lasse ich jetzt
außen vor, da diese Regelungen nichts mit konventionell oder
ökologischer Landwirtschaft zu tun haben, sondern lediglich mit der
größe der Tierbestände, bei denen im ökolog.
Landbau eine max. Größe vorgeschrieben ist. Antiobiotika ist
aber auch dort wie im konven. Landbau NUR zu therapeutischen Zwecken erlaubt.
Mit dem A8 zum ALDLI - Deutscher Ausdruck der Kulturlosigkeit
Ja, da muss ich auch immer wieder schreien. Nicht dass, es tatsächliche viele Mitbürger gibt, die tatsächlich für gute Lebensmittel wenig Mittel zur Verfügung haben. Die Mehrzahl hat einfach andere Prioritäten und lässt ohne mit der Wimper zu zucken 150 EUR an der Tankstelle für das Luxusauto, hält aber Bio-Lebensmittel sektiererisch. Auch das Geld, dass wir als Gesellschaft für Medikamente ausgeben, könnten wir sehr gut für bessere Ernährung anlegen. Mit deutlichem Anstieg des Wohlbefindens und Gesundheit.
...genau da hätte dieser so wertvolle Artikel platziert werden sollen. Und zwar nicht nur in der FAZ sonder auch in möglichst viele anderen Medien; dazu als Beitrag im Hörfunk, im Fernsehen etc. Der Autor arbeitet genau die Punkte zum Verhalten der Deutschen im Umgang mit Essen ab, die auch thematisiert gehören. Und greift dabei auch die absurden Entwicklungen einer Lebensmittelwirtschaft auf, die auch noch politisch unterstützt werden. Feigenblättchen wie arglose Infokampagnen durch die Bundesregierung stützen diesen Irrweg in diesen unverantwortlichen Umgang und der industriellen Massenproduktion von Agrargütern / mit unserer Nahrung, der nicht erklärbar ist. Ein geringes Einkommen ist genauso wenig Rechtfertigung für den Kauf von Analogkäse, Billigmilch und Co. wie Unwissen über die schädlichen Wirkungen von Fertigprodukten. Und dass bei dieser Billignummer auch weder Bauer, mittelständischer Verarbeiter oder Händler überleben kann, interessiert anscheinend auch keinen..schrecklich!
Käufer haben die 'Wahl' (hängt vom Geldbeutel ab und nicht vom guten oder schlechten Geschmack), zwischen billig und schlecht und bio und besser,zwischen mit Antibiotika vollgestopftem Massentierhaltungshuhn und Biohuhn. Dies alles sehr wohl wissend, würde sich doch niemand für ersteres entscheiden, das liegt nur an der begrenzten Kaufkraft eines gro0en Teils der Bevölkerung. Unsere Produktionsweise ist rücksichtslos gegen Mensch und Natur; produziert wird wegen Gewinn und nicht, um die Leute mit schönen Sachen zu versorgen. Ob da die Lösung ist, vom Supermarkt zum Bioladen zu wechseln? Es ist leider nicht eine Frage des Gehirns oder des guten Geschmacks (der natürlich verkommt, wenn man ein Budget hat oder so Entscheidungen wie Konzert oder gut essen oder Freizeitpark für die Kids treffen muss), sondern des Preises, beim Essen, beim Auto, beim Urlaub, bei der Kleidung, halt leider bei allem. Hybris, den 'Verbraucher' für die Resultate unserer Produktion verantwortlich zu machen.
Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 14.03.2012 21:43 UhrGenau das hat der Autor gemeint!
Fr. Brueck liefert die Bestätigung für das im Artikel
behauptete: lieber in ein Konzert oder einen Vergnügungspark, als
den eigenen Kindern für das Geld gutes und gesundes Essen zu
kaufen. Das ist eine Schande! Wenn die Deutschen verstehen würden,
dass man pro Woche nicht kiloweise Fleisch essen muss, dann kann man
sich auch das Bio-Huhn leisten. Ausserdem wäre dieses Land dann
nicht voller fetter Menschen. Und was anscheinend die meisten nicht
verstehen, wohl auch weil sie nicht rechnen können: die angeblich
billigen "Lebensmittel" aus der Tiefkühltruhe etc. sind TEUER!
Richtig ist aber auch, das den Menschen die erforderlichen Informationen
vorenthalten werden. Oder absichtlich falsch informiert wird - bestes
Beispiel DGE: alles Unsinn. Aber auch wahr: kläre ich meine
Patienten auf, will's keiner wissen. Lieber weiter jammern und Pillen
verlangen. Das Problem beginnt im Kopf!
Sehe ich anders.
Ich kann Frau Brück nur bestätigen. Seit etwa einem Jahr habe
ich meine Ernährung umgestellt. Ich habe mich umfassend über
gesunde Ernährung informiert und achte sehr darauf was für
Produkte ich kaufe. Es tut mir sehr gut. Keine Frage. Allerdings sind
meine Ausgaben die ich für Lebensmittel habe um gut 150 % angestiegen.
Ich bin Single und lebe alleine. Bei einer Familie mit zwei Kindern
schlägt sich das noch schwerer nieder. Gesunde und vor allem
ausgeglichene Ernährung ist Luxus. Ebenso wie das Wissen darum. Wer
sich nicht selbst intensiv damit beschäftigt hat da wenig
Anhaltspunkte.
Werte Frau Brück...
Der Geldbeutel ist für mich eine klare Entschuldigung oder Ausrede.
Es braucht nicht viel Geld um sich einen gesunden und schmackhaften
Gemüseeintopf zu bereiten oder eine leckere Gemüsepfanne.
Komisch, dass dieser grosse Teil der deutschen Bevölkerung, den Sie
hier ansprechen, sich billig und nachlässig ernährt, aber den
höchsten Anteil an elektronischen Unterhaltungsmedien besitzt,
diesen dazu noch auf Pump gekauft, wie auch den Golf oder gar BMW, und
für den das Wort Lesen etwas anrüchig Nostalgisches hat.
Es tut mir leid, aber Ernährung hat etwas mit Bildung zu tun, und
zwar nicht unbedingt mit akademischer Bildung, sondern mit Allgemeinbildung.
Essen hat auch etwas mit Selbstachtung und Moral zu tun.
Wenn ich mich nicht selbst achte und mich moralisch in Tiefen begebe,
welche nur das Label Billig als Ziel definieren, dann tut es mir um
diese Menschen nicht sonderlich leid.
Jeder ist für sich selbst verantwortlich!
In diesem Text wird vieles wie ein Eintopf, der dem Autor wahrscheinlich zu billig ist, wild durcheinander geworfen, was eigentlich getrennt behandelt werden sollte: zu niedrige Lebensmittelpreise, Lebensmittelqualität, Art der Ernährung, Bioprodukte. Was mich außerdem immer wieder ärgert, ist das hohe Ross, auf dem diese Genuss-Esser sitzen. Nur weil sie meinen, den guten Geschmack gepachtet zu haben, fühlen sie sich anderen überlegen. Man sollte etwas differenzierter - und vor allem tolleranter - zu Werke gehen. Nicht jeder kann sich ein 10-Gänge-Gourmetmenü leisten, von den ärmeren Ländern gar nicht erst zu reden, und nicht jeder setzt hier seine Prioritäten, ohne gleich ein Banause zu sein, denn man kann sich auch mit geringen finanziellen Mitteln und einfachen Gerichten gut und geschmackvoll, - und der Geschmack ist ein höchst subjektives Erlebnis, auch eine Currywurst kann ein Erlebnis sein -, ernähren, wenn man zu wählen weiß.
Haushaltsunterricht in Kindergärten und Schulen einführen
Gratulation zu Ihrem Artikel, in dem Sie mir aus der Seele sprechen. Um den Verbraucher aber wachzurütteln und ihn zum nachhaltigen Umdenken anzuhalten, muss solch eine Berichterstattung auf die Titelseiten aller Tageszeitungen. Doch wie bekommt man den Verbraucher dazu, bewusster und nachhaltiger einzukaufen? Ein Lösungsansatz wäre beispielsweise, bereits in den Kindergärten und Schulen Haushaltsunterricht einzuführen, in dem die Jugendlichen unter anderem wieder kochen und dadurch die Lebensmittel wieder schmecken und wertschätzen lernen. Die hier neu gewonnenen Erkenntnisse würden die Kinder mit nach Hause bringen und dadurch die Ernährungsgewohnheiten ihrer Eltern beeinflussen. In diesem Unterricht könnte auch das finanzielle Wirtschaften in einem normalen Haushalt vermittelt werden, was so vielen abhanden gekommen ist. Alles in allem würde das der gesamten Gesellschaft samt unserem Gesundheitssystem zugutekommen.
Gesunde Lebensmittel sind immer billiger als industriell vorgefertigte Nahrung und fastfood. Bio ist nicht immer für jeden eine Option, das ist richtig. Allerdings wird gerade von Personen, die wenig Geld zur Verfügung haben lieber anderes gekauft als gesundes Essen. Das sollte aber das allerwichtigste für jeden sein, da das übliche Essen heutzutage einfach nur krank macht. Fastfod IST IMMER SCHÄDLICH! Jedes industriell verarbeitete Lebensmittel ist toxisch für unseren Stoffwechsel, das ist auch wissenschaftlich belegt. Die volksgesundheitliche Katastrophe, in der wir uns heute befinden, begann mit dem Siegeszug der sog. "Lebensmittel"-Industrie, das lässt sich ganz einfach nachvollziehen. Aus vielen Reaktionen auf diesen nur allzu wahren Artikel lässt sich die für mich völlig unverständliche Weigerung, das eigene Verhalten zu überdenken, ablesen. Alle, die weiter die vom neoliberalen Führungsregime vorgegebene toxische Diät beibehalten wollen, werden krank werden!
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 14.03.2012 21:17 Uhr@ G. Wruck: Polemik ohne Wissen bringt nichts!
Es ist immer das gleiche: Sie wissen nicht viel und müssen sich trotzdem aggressiv äußern. Unsere Politiker sind bestechlich und illoyal, von Lobbyisten bezahlt. Darum kann die milliardenschwere „Nahrungsmittel“-Industrie Dinge „Lebensmittel“ verkaufen, die die Bürger dieses Landes krank machen. Also: lesen Sie mal nach, was „neoliberal“ bedeutet. Und dann gleich mal die sozialmedizinischen Studien, etc. etc. Dann können Sie mitreden. Und ja, ich kann das behaupten, was ich behaupte: ich bin Arzt und Wissenschaftler und beschäftige mich mit seit über einem Jahrzehnt mit den Auswirkungen des Essens auf den Stoffwechsel. Auch ist falsch, dass Tiefkühlgerichte nahrhafter wären als frisches (auch "amateurhaft zusammengestelltes" - was soll das eigentlich sein?) Selbstgekochtes. Sie meinen Tiefkühlgemüse, das ist wirklich oft sehr gut. Ach ja: der Gebrauch von Fremdworten verbrämt nicht den Mangel an intellektueller Kompetenz.
@ Alexander Madaus: Bitte etwas mehr Zurückhaltung mit apodiktischen Aussagen!
Herr Madaus, Sie scheinen ein unfehlbarer Prophet des richtigen Essens zu sein. Und außerdem scheinen Sie auch noch "politisch korrekt" zu essen. Wie sonst könnten Sie "die vom neoliberalen Führungsregime (wer oder was ist das?/ m. A.) vorgegebene toxische Diät" als garantiert krank machend brandmarken? Woher nehmen Sie Ihre Gewissheit, dass "Fastfood IMMER SCHÄDLICH" sei? Gemäß Untersuchungen der letzten Zeit ist aufgetaute Tiefkühlkost häufig gesünder als amateurhaft zusammengestelltes Selbstgekochtes.
Eine Frage der Lebenseinstellung ...
Jörg Blech berichtet im aktuellen Spiegel sehr eindrücklich
von der Forschung nach den "selbstheilenden Herzen".
Beschrieben wird aber das Dilemma, das Menschen auf die Allmacht der
Medizin setzen und nicht bereit sind, Ihren Lebensstil zu ändern,
der zu den gesundheitlichen Problemen geführt hat.
Mangel an Bewegung führt zur Steigerung der
Herz-/Kreislauf-Erkrankungen, Rauchen, falsche Ernährung und
Stress. Der aufgeklärte, bequeme Wohlstandsbürger ruft dann
aber nach dem Staat, dem Arzt, der Versicherung und will Hilfe gegen all
die Verführung dieser ungerechten Welt. Und er klagt über die
überbordenden "Gesundheitskosten", hohe Beiträge und
das er von den Akteuren im Markt nicht ernst, sondern ausgenommen wird.
Menschen sollten ihre Verantwortung für sich selbst erkennen - der
Blick in den Spiegel und solche Artikel wie der von Jakob Strobel y
Serra könnten helfen und wenn man die eigene Bequemlichkeit
überwinden würde.
@Bellot/Diesing: Das „kapitalistische“ an dem Thema lässt sich zum Beispiel eben an dem enormen Aufwand für die Werbung ablesen. Gute Marketingstrategie statt guter Ware, könnte man auch sagen. Und dass solch Marketingaufwand unter kapitalistischen Vorzeichen geradezu notwendig ist, spricht nicht für, sondern gegen das System. Und dass dies dann vor allem die Menschen belastet, denen dann die Abfälle und die versaute Umwelt bleiben, also jene, denen man die Rohstoffe billig aus der Tasche zieht (damit der Kapitaleinsatz für Marketing sich überhaupt rentiert), ist der alles dominierende Skandal. Die schlechteste Nahrung im reichen Westen ist in aller Regel noch um Welten besser als die beste in gerade jenen Ländern, wo die Rohstoffe für eben diese Nahrung herkommen. Und das ist dann definitiv kein Thema mehr unter Gourmets. Die kapitalistische Nahrungsmittelindustrie betreibt vor allem Raubbau an den Menschen, die ernähren zu wollen, ihr Marketing eben nur vortäuscht.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 13.03.2012 11:49 Uhrgenau so ist es!
Ich stimme voll zu. Die Lebensmittel sind so bilig, weil wir den ärmsten der Welt mit voller Absicht alles nehmen, das sie zur Bildung einer eigenen Lebensgrundlage brauchen. Diese Menschen subventionieren die Fettsäcke der Industriestaaten, die ja zum Glücke für kleinstes Geld jeden Tag 4000 kcal oder mehr konsumieren können. Und die Pharmaindustrie, die denen dann tolle Medikamente für die erworbenen Erkrankungen verkaufen können.