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Die Dinge des Sommers (8) Lasst es sprudeln

 ·  Die Dusche stellt den Körper sensorisch ruhig, deswegen ist sie eine echte Quell der Inspiration. Warum nur wissen wir dennoch so wenig über diese grundlegende Kulturtechnik?

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© dpa Die Dusche ist der beste Platz zum Entspannen - und ein Quell der Inspiration

Die Zivilisation wurde mit der Dusche erfunden. Sie befreite die Köpfe von der Last ihrer stinkenden Körper, mit denen sich zwar das Getreide in die Scheune, nicht aber das Tuch auf den Markt bringen ließ. Und obwohl sie so wichtig ist, in der Menschheits- wie der Alltagsgeschichte, wird die Dusche bis heute meist übersehen. Seit dem antiken Griechenland fristet sie ein Nischendasein, neben den ältesten Sakralbauten überhaupt, den Saunen. Und auch heute, in modernen Badezimmern, werden sie ignoriert, wenn sich auch eine Wanne darin befindet. Ihnen gilt bei Wohnungsbesichtigungen die Vorfreude, obwohl sie nach dem Einzug nie gebraucht werden, weil man doch lieber schnell unter die Dusche „huscht“.

Wie die Dusche zu diesem Verb kam, das sie sich exklusiv mit dem Bett teilt, wissen wir heute nicht. Und auch die restliche Geschichte der Dusche ist noch weithin unbekannt. Die Wissenschaft hat sich um die Dusche selten gekümmert. David Schmidt von der Universität von Massachusetts wollte 2001 eine Ausnahme machen und erforschte, warum sich die Duschvorhänge so unangenehm nach innen wölben, wenn das Wasser läuft. Die Universität Harvard quittierte ihm diesen Forschungsversuch aber mit der Verleihung ihres Antinobelpreises, den sie jedes Jahr für, in ihren Eliteaugen, dumme Forschungsvorhaben verleiht. Die Kulturgeschichte der Dusche fehlt also heute, während Millionen von Touristen in der Landschaft stehen und ihr Staunen über die römischen Aquädukte nicht zu Ende denken können.

Die Literaturdusche als Genuss

Dabei bedeuten uns die Duschen so viel. Nur in ihnen akzeptieren wir einen nackten und mittellosen Zustand. Und wie ein Zauber wirkt es, dass unter der Dusche der menschliche Sinneshaushalt verkehrt wird. Duschen sind wahrscheinlich so entspannend, weil sie die so selten notwendigen sensorischen Register auf der Haut beanspruchen, während die übrigen Sinne wegen der monotonen Geräusch-, Geschmacks-, Geruchs- und Farbkulisse kaum gebraucht werden. Weil der Körper unter der Dusche einen so passiven Zustand einnimmt, kann der Geist aufblühen. Es verwundert nicht, dass der Volksmund die Begriffe Inspiration und Quelle oder Idee und Sprudeln so eng miteinander verknüpft.

Warum also hat man die besten Einfälle und ertragreichen Gedanken unter der Dusche? Man weiß es nicht, aber es muss etwas dahinter stecken. In Bargteheide bei Hamburg griff die Gemeinde im Frühling zumindest die Frage auf und stellte eine „Literaturdusche“ an den Dorfteich. Aus ihr strömt kein Wasser, sondern „es rieseln Passagen“ aus Eugen Ruges Familienroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ auf die unter ihr stehenden Passanten. Kunstwerke lassen sich also durchaus auch dort genießen, wo sie entstehen.

Sparsamkeit als Problem

Dass Duschen im Sommer Abkühlung versprechen, immer Gesundheit, manchmal Liebe und selten den Tod („Psycho“), verweist auf viele weitere Geschichten. Drängender noch sind handfeste Fragen: Muss man in der Großraumdusche nackt duschen? Darf eine Hausordnung regeln, wann zu duschen sei? (Nein!) Warum muss man duschen, bevor man in ein Schwimmbecken geht, und warum sollte man duschen, nachdem man im Meer war? Warum wird es in der Zukunft nur noch Schallduschen („Star Trek“) geben?

Schon heute ist die Kultur des Duschens bedroht. Seit Jahren sinkt der Pro-Kopf-Wasserverbrauch in Deutschland. Die Wasserversorger befürchten, dass ihre Rohre unter der schwachen Last zusätzliche Instandhaltungsmaßnahmen erfordern, die nicht nötig wären, wenn das Wasser stetig durch sie hindurch strömen würde. Krefeld denke nun schon über eine Wasserflatrate nach, ist zu lesen. Statt sich am reichen Quell der Wasserhähne zu bedienen, schleppen viele Deutsche sogar lieber Wasserflaschen aus den Supermärkten nach Hause, für ein Vielfaches der natürlichen Kosten. Geht das so weiter, müssen wir aufpassen, das der Gesellschaft und jedem Einzelnen nicht der Flow verloren geht.

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