02.12.2005 · Unveröffentlichte Manuskripte, Notizen, Pässe, Verträge, Rechnungen, Fotos sowie 140 Briefe: Die Berliner Akademie der Künste erwirbt einen bisher unbekannten Nachlaßteil von Bertolt Brecht.
Die Berliner Akademie der Künste hat einen bisher unbekannten Nachlaßteil von Bertolt Brecht (1898-1956) in der Schweiz aufgespürt, die „Brecht-Sammlung Victor N. Cohen“. Der Bestand enthalte unveröffentlichte Manuskripte, Notizen, Pässe, Verträge, Rechnungen, Fotos und zahlreiche weitere Dokumente, teilte Archivdirektor Wolfgang Trautwein am Freitag mit.
Bedeutsam seien dabei 140 überwiegend unpublizierte Briefe von Brecht und 220 Briefe an den Dramatiker, ferner zahlreiche Briefe von und an Helene Weigel. Die Akademie erwirbt den Nachlaß von den Erben Victor Cohens. Die Unterlagen stammen aus der Zeit des amerikanischen und Schweizer Exils Brechts und befanden sich im Nachlaß des Grafikers und Gewerkschaftsfunktionärs Cohen.
„Eine erstrangige Quelle“
Unter den Korrespondenzpartnern sind Elisabeth Bergner, Stefan Brecht, Paul Dessau, William Dieterle, Alfred Döblin, Hanns Eisler, Lion Feuchtwanger, Christopher Isherwood, Fritz Kortner, Wolfgang Langhoff, Heinrich Mann, Charles Laughton, Erwin Piscator, Peter Suhrkamp und Carl Zuckmayer. Besonders wertvoll sind laut Akademie 36 handgeschriebene Briefe und drei Telegramme, die Brecht in den Jahren 1944 bis 1947 aus New York an Helene Weigel in Santa Monica gerichtet hat.
Archivdirektor Trautwein sprach am Freitag von einer bedeutsamen Bereicherung der Bestände des Akademie-Archivs und des Brecht-Archivs. Die Sammlung sei eine „erstrangige Quelle“ für die Forschungen zu Brecht und zum deutschsprachigen Exil. Nähere Einzelheiten sollen bei der Übernahme der Materialien bekannt gegeben werden. Aus Lottomitteln wurden für den Erwerb 260.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Dazu kommen Eigenmittel der von Adolf Muschg geleiteten Akademie sowie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Über den Gesamtkaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Der Bestand aus der Sammlung des zuletzt in der Schweiz lebenden Gewerkschafters und Sozialdemokraten Cohen ist laut Akademie noch umfangreicher und ergiebiger als die „Brecht-Sammlung Renata Mertens Bertozzi“, die die Akademie Anfang 2004 erworben hatte.