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Deutschlands Biennale-Pavillon Mit der Faschismuskeule

29.06.2010 ·  Wo triftige Argumente fehlen, schlägt die Rhetorik blindlings zu: Der Präsident der Bundesarchitektenkammer hat die Schleifung des deutschen Pavillons in den venezianischen „Giardini“ gefordert, weil dessen nationalsozialistische Monumentalität nicht mit unserem heutigen Staatsverständnis zusammengehe.

Von Dieter Bartetzko
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Kaum ist bekannt, dass der deutsche Beitrag zur diesjährigen Architekturbiennale in Venedig unter dem Titel „Sehnsucht“ die „emotionalen und sinnlichen Aspekte der Architektur“ suchen wolle, meldet sich der Präsident der Bundesarchitektenkammer Arno Sighardt heftig zu Wort. Er fordert, den deutschen Pavillon in den „Giardini“ durch einen Neubau zu ersetzen. Mit seiner „ausgeprägt nationalsozialistischen Monumentalität“ entspreche der Altbau „nicht mehr unserem demokratischen Staatsverständnis“.

Wer keine Argumente hat, schlägt blindlings zu: Der pure Verweis auf den NS-Stil ist allenfalls ein Totschlagargument. Machte man es sich zu eigen, müssten in Berlin das Außenministerium (1933 als Reichsbank gebaut), das Finanzministerium (Reichsluftfahrtministerium 1935) und diverse andere Ministerien fallen. Zu schweigen von Italien, wo beispielsweise Rom von Mussolinis EUR-Gelände und Venedig von seinem zur selben Zeit erbauten Hauptbahnhof befreit werden müssten.

Wir wollen nicht ungerecht sein: Tatsächlich ist der deutsche Pavillon ein markanter NS-Bau. Seine Gestalt, die vage an Albert Speers Pavillon zur Pariser Weltausstellung von 1937 erinnert, entstand 1938. Damals baute Ernst Haiger den 1909 von Daniele Donghi in antikisierenden Tempelformen errichteten Ursprungsbau um. Seither war der Bau Schauplatz zahlloser Ausstellungen zu ebenso vielen Trends der (deutschen) Architektur.

Als demokratisch verstand sich jeder, keiner stieß sich an der autoritären architektonischen Hülle, und niemand argwöhnte, dass diese das wahre Wesen der Republik repräsentiere. Der Bau war Zeugnis der Geschichte und ihres Wandels, und deshalb verfügte Italien Denkmalschutz. Wenn nun deutsche Architekten der Hafer stechen sollte, stehen ihnen mit Haiders Bau unendlich viele Möglichkeiten für – um beim diesjährigen Thema zu bleiben – emotionale Umbauten zur Verfügung, die den Pavillon und seine Botschaften verdeutlichen könnten.

Stattdessen: „Hau weg!“ Was wiederum zur Biennale 2010 passt wie die Faust aufs Auge. Denn die Sehnsucht der Deutschen gilt in der Architektur dem Erhalt. Sie ist Folge davon, dass ihnen gefühllose Architekten Hunderttausende Denkmäler geraubt haben.

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