07.09.2007 · „Deutschland im Herbst“ ist kein agitierender Film, sondern ein Trauerspiel. Es schafft ein Gefühl für die Katastrophe, die die Bundesrepublik im Herbst 1977 erschütterte, und dafür, dass diese nicht nur eine Katastrophe Schleyers war.
„Deutschland im Herbst“ war seinerzeit ein einmaliges Projekt. Erste Pläne für den Film über Atmosphäre und hysterisierte innenpolitische Situation im Herbst 1977 gab es schon während der Schleyer-Entführung, und den Rahmen dieses Episodenfilms bilden Aufnahmen, die bereits während der Trauerfeier für Schleyer entstanden.
Dies ist insofern ein genuiner Kluge-Film, als dass Kluge einmal mehr als zentraler Antreiber fungierte und auch für den Schnitt aller Beiträge zeichnet. Aber auch der Anteil von Volker Schlöndorff ist hoch. Kluges eigene Beiträge zeigen etwa seine Figur Gaby Teichert, wie sie „nach den Grundlagen der deutschen Geschichte“ gräbt. Dann gibt es Bilder zum erzwungenen Selbstmord des Feldmarschalls Rommel und zu dessen verlogenem Staatsbegräbnis.
„Selbstmord“, heißt es, „begeht, was nicht in diese Welt passt.“ Der Zuschauer kann sich seinen Teil denken. „Deutschland im Herbst“ ist kein agitierender Film, sondern ein Trauerspiel. Durch exzellente Beobachtungen und klugen Musikeinsatz schafft der Film ein Gefühl für die Katastrophe, die die Bundesrepublik seinerzeit erschütterte, und dafür, dass diese nicht nur eine Katastrophe Schleyers war.