03.03.2005 · Erst sollte er gehen, dann durfte er bleiben. Für den erwarteten Neuanfang am Deutschen Theater Berlin hat Intendant Bernd Wilms eine Reihe bekannter Regisseure verpflichtet. Auch sie sind dem Haus schon länger verbunden.
Mit den Starregisseuren Michael Thalheimer, Jürgen Gosch, Dimiter Gotscheff und Barbara Frey will sich das Deutsche Theater in Berlin neu positionieren und an Profil gewinnen. „Es geht um einen entschiedenen Neuanfang in der Kontinuität“, sagte Intendant Bernd Wilms am Donnerstag. In den Spielzeiten 2006/07 und 2007/08 sei mit den vier Regisseuren eine feste Zusammenarbeit geplant, Thalheimer werde bereits ab kommender Spielzeit leitender Regisseur.
Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) hatte sich nach monatelangem Gerangel erst Ende Januar dafür entschieden, den Mitte 2006 auslaufenden Vertrag mit Wilms für zwei weitere Jahre zu verlängern. Eine seiner Forderungen lautete, das Theater solle künftig eine deutlichere Handschrift tragen. Der neue Vertrag soll in rund sechs Wochen unterschrieben werden.
Utopische Bewegung
Der Streit um die Verlängerung habe auch einen positiven Effekt gehabt: Das Vertrauensverhältnis zu Schauspielern und Regisseuren sei besser geworden, der Kampfgeist gestärkt, sagte Wilms. Andererseits habe die lange Unsicherheit negative Auswirkungen auf die Planung gehabt.
Mit dem 39jährigen Thalheimer werde seit langem wieder ein Regisseur Teil der Theaterleitung, sagte Wilms. Er solle in den Spielzeiten 2006/07 und 2007/2008 insgesamt mindestens fünf eigene Inszenierungen zeigen. Darüber hinaus sei er für die Spielplangestaltung und die Berufung von Regisseuren mitverantwortlich. Gotscheff und Gosch sollen ab der übernächsten Spielzeit jeweils zwei eigene Inszenierungen am Deutschen Theater produzieren, Frey insgesamt drei.
Die vier Regisseure hätten alle bereits häufig mit dem Deutschen Theater zusammen gearbeitet, sagte Wilms. Sie seien von „größter Unterschiedlichkeit“ und die Utopie sei, daß sich alle mit ihren Projekten aufeinander zubewegten.
Thalheimer strebt Intendantenposten an
Thalheimer debütierte 2001 mit Lessings „Emilia Galotti“ am Deutschen Theater. Zuletzt begeisterte er mit seiner Produktion „Faust 1“. Darüber hinaus arbeitet er am Thalia Theater Hamburg. Auf die Frage, ob er die „künstlerische Direktion“ als Sprungbrett für den 2008 neu zu besetzenden Intendantenposten am Deutschen Theater sehe, antwortete Thalheimer: „Irgendwann kann ich mir vorstellen, Intendant zu sein.“ Der Posten als leitender Regisseur sei allerdings keine Vorbereitung auf eine mögliche Intendanz.
Neben dem großen Haus und den Kammerspielen will das Deutsche Theater eine dritte Spielstätte schaffen. Diese Bühne solle dann für Experimente genutzt werden, sagte Wilms. Darüber hinaus könnten hier neue Talente entdeckt und auch einmal Risiken eingegangen werden.
Die Auslastung des Theaters ist seit Anfang des Jahres mit über 90 Prozent beinahe optimal, wie es hieß. Allein im Februar seien 19 der 26 Vorstellungen ausverkauft gewesen. An den Vorverkaufstagen gebe es Wartezeiten von bis zu vier Stunden, sagte Wilms.