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Deutsches Exilarchiv : Geschichtenkoffer

Ein Säckchen Erde nahm sie mit nach Afrika, Masken und Schnitzereien begleiteten sie zurück nach Deutschland: Die verstorbene Schriftstellerin Stefanie Zweig 2007 in ihrer Frankfurter Wohnung. Bild: Picture-Alliance

Das Deutsche Exilarchiv soll nach über sechzig Jahren endlich eine Dauerausstellung in Frankfurt bekommen. Was seine Bestände mit der Gegenwart zu tun haben, erschließt sich sofort.

          Ein Stoffsäckchen, das aussieht wie das Kissen in einem Puppenhausbett: Wie es sich anfühlt, wüsste man gern, aber natürlich lässt man die Probe sein, schließlich ist das ein Museumsstück. Auch die Aufschrift auf dem Säckchen hält den Betrachter auf ehrfürchtige Distanz: „Erde vom Grabe meiner lieben Mutter“, steht darauf, „1938. Walter Zweig.“

          Der Vater der Schriftstellerin Stefanie Zweig nahm das Säckchen mit ins Exil nach Afrika, im Nachlass seiner Tochter gelangte es ins Deutsche Exilarchiv in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt. Dort liegen auf einem Tisch im Souterrain noch eine Reihe weiterer Exponate, die im kommenden Jahr Teil einer Dauerausstellung des Deutschen Exilarchivs werden sollen. 1949 wurde es eingerichtet und sammelt seither materielle Zeugnisse von Menschen, die während der NS-Zeit vertrieben worden sind, kuratiert Sonderausstellungen in bislang überschaubaren Räumlichkeiten und unterhält eine Plattform im Internet, die Bestände aus weiteren Einrichtungen über Digitalisate bereitstellt, gefördert aus dem Etat der Kulturstaatsministerin.

          Ein Netzwerk von Leidensgenossen und Helfern

          Nun besuchte Monika Grütters das Archiv, ließ sich die Exponate zeigen und diskutierte mit den Mitarbeitern auch über das Vorhaben einer privaten Initiative um Herta Müller, in Berlin einen „Ort des Exils“ zu schaffen, für den ausgerechnet das Käthe-Kollwitz-Museum weichen soll – das sei, obwohl jüngst dementiert, noch keineswegs vom Tisch. Aktuell sei das Thema Exil, weil wir es gerade wieder erlebten, sagte Grütters, die sich in Berlin eine Einrichtung auch der „Begegnung und Beratung“ wünscht. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wie dieser Gedanke allerdings mit einem Museum zusammengeht, ohne dass der eine oder das andere Schaden nimmt, bliebe zu zeigen.

          In Frankfurt wird man die Dauerausstellung um die Stationen „Auf der Flucht“, „Im Exil“ und „Nach dem Exil“ herum über zwei Etagen aufbauen, und wie sehr die vorgesehenen 250 Exponate aus der Vergangenheit an unsere Gegenwart appellieren, erschließt sich sofort. Wer sich in der Fremde einrichten muss, braucht in der neuen Heimat ein Netzwerk von Leidensgenossen und Helfern, und wer als Autor seinen Beruf im Exil weiter ausüben will, trägt seine bereits verfassten Werke vielleicht mit sich, wenn auch nicht mehr wie Walter Meckauer, ehemals Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin, in einem Koffer, der vor Kurzgeschichten überquillt.

          Dass diese Exponate drängende Fragen evozieren, liegt auf der Hand, nicht zuletzt die, was man denn mitnehmen würde, wenn es ganz schnell gehen muss und wenig Raum für Habseligkeiten ist. Die Entscheidung für das Säckchen mit Erde, das Walter Zweig im Jahr seiner Flucht an sich nahm, scheint sich für ihn bewährt zu haben.

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