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Deutscher Jugendliteraturpreis : Kind liest deutsch

Der deutsche Jugendliteraturpreis zeichnet Autoren aus aller Welt aus. Manchem ist das zu international. Verdienen deutsche Autoren Artenschutz?

          Es gibt gute Gründe, am deutschen Jugendliteraturpreis Anstoß zu nehmen. Absurde Entscheidungen, seltsam zusammengestellte Jurys, alberne Auftritte bei den Preisverleihungsveranstaltungen und dergleichen waren mitunter zu beklagen. Aber nicht dagegen richtet sich eine Initiative, die es rasch auf fünfhundert Unterschriften deutschsprachiger Autoren und Illustratoren brachte. Angeprangert wird die ungeheure Weltläufigkeit dieses Preises, der Bilder-, Kinder- und Jugendbücher sowie Sachbücher für junge Leser auszeichnet, ohne sich um die Herkunft der Urheber zu scheren. Entscheidend ist, dass das Buch im Vorjahr der Preisvergabe auf dem deutschen Markt erschienen ist.

          „Auf den ersten Blick sieht das fair und gerecht aus“, sagt Antje Wagner, die Sprecherin der Initiative, in einem Interview mit der Zeitschrift „Buchreport“. Doch wer wie Wagner genauer hinschaut, entdeckt hier „eine große Ungleichbehandlung“. Die bestehe darin, dass übersetzte Titel im Ausland bereits ein Publikum gefunden hätten, während die deutschen „quasi gerade aus den Druckmaschinen“ kämen. Außerdem, sagt Wagner listig, solle der Preis ja der Leseförderung dienen, und das könnten deutschsprachige Autoren nun einmal besser, weil sie vor Ort sind und in Schulen und Bibliotheken aus ihren Werken vorlesen könnten.

          Nun könnte man einwenden, dass Titel, die im Oktober 2013 ausgezeichnet werden, mindestens ein Jahr auf dem Buckel haben und ihren Weg zu den Lesern eigentlich gefunden haben sollten, von den Feuilletons ganz zu schweigen. Und dass es nicht zuletzt ausländische Autoren wie John Green und Janne Teller sind, die hierzulande auf Lesereise für volle Säle und die herbeigesehnte Lesebegeisterung sorgen. Und schließlich, dass es den hiesigen Lesern vielleicht ganz egal ist, woher ein Buch stammt, Hauptsache, es ist gut. Das sieht Wagner ganz anders. Der Preis müsse erweitert werden, fordert sie, eine Sparte für deutsche Originalwerke muss her, daneben eine für Übersetzungen. Wer das finanzieren soll, lässt sie offen. Und auch, ob ein Autor nicht glücklicher ist, wenn er sich mit seinem Buch gegen die gesamte Konkurrenz auf dem Markt durchgesetzt hat. Statt nur gegen seine deutschen Kollegen.

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