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Deutscher Jugendliteraturpreis Kind liest deutsch

 ·  Der deutsche Jugendliteraturpreis zeichnet Autoren aus aller Welt aus. Manchem ist das zu international. Verdienen deutsche Autoren Artenschutz?

Artikel Lesermeinungen (11)
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Salah Naoura
Salah Naoura (S.Naoura) - 12.05.2013 08:52 Uhr

Kind darf lesen, was immer es will

Wie weit verbreitet erstaunlicherweise die Meinung ist, dass ausländische Autoren die besseren Lesebotschafter und Erzähler sind. Auch dieser Artikel suggeriert dies wieder - und zeigt damit, wie wichtig ein Überdenken der Vergaberichtlinien des DJLP wäre. Es sind eben nicht vor allem die Janne Tellers und John Greens, die mit einem Kurzbesuch in Deutschland für Lesebegeisterung sorgen, sondern die vielen deutschen AutorInnen und IllustratorInnen, die jedes Jahr durch Bibliotheken, Schulen und Festivals tingeln und meist nicht frontal, sondern in direktem Austausch Kinder für Geschichten und fürs Lesen begeistern. Nein, dafür haben sie noch keinen Staatspreis verdient, aber eine Trennung von Übersetzungen und Originalen beim DJLP wäre (auch im Ausland) ein Zeichen der Wertschätzung dt. Autoren und ein Anreiz für Verlage, mit Originalen mehr Wagnisse einzugehen, anstatt markterprobte Titel einzukaufen. Innovative Autoren gibt es genug - nur bringen sie ihre Bücher selten unter.

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Kathrin Schrocke

irreführende Überschrift

Allein die Überschrift ist auf eine unangenehme Art irreführend. Es geht bei der Initiative, die u.a. von Klaus Kordon, Kirsten Boie und Rafik Schami unterzeichnet wurde, nicht darum, keine internationalen Titel mehr für den DJLP zulassen zu wollen, sondern darum, Originalausgaben und Übersetzungen getrennt zu beurteilen. Die Argumente für und gegen eine solche Forderung darzustellen wäre ein spannender Beitrag gewesen. Sowohl die Sprecherin als auch einige der Unterzeichner hätten ihre Position erklärt, wurden aber nicht befragt. So lässt der Artikel ein Mindestmaß an Recherche missen. Die als „listig“ bezeichnete Antje Wagner hat den Mut, für eine Kampagne, die die Gemüter VIELER Kinder- und Jugendliteraten bewegt, ihr Gesicht hinzuhalten. Das verdient Respekt. Übrigens wurde Frau Wagner von der FAS kürzlich unter die 20 besten deutschsprachigen Schriftsteller unter 40 Jahren gewählt. Warum eigentlich deutschsprachig?! Ein Zeichen fehlender Weltläufigkeit?!

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Thomas Thiemeyer

Artenschutz - aber unbedingt!

In einem Land, in dem weniger als zweihundert Schriftsteller (die wenigsten davon Jugendbuchautoren) von ihrer Arbeit leben können, ist es blanker Zynismus, zu glauben, man benötige keinen Artenschutz. Hier ist jeder Strohhalm wichtig, jedes Stipendium, jedes Fördergeld und jede Auszeichnung. Vordergründig mag es um finanzielle Interessen gehen, letztlich steht dahinter aber die Wahrung der Vielfalt in der Jugendliteratur. Staatliche, aus Steuergeldern finanzierte, Preise an Autoren und Romane zu vergeben, die im Ausland bereits erfolgreich waren und dort Preisgelder erhalten haben, ist ein Akt der Gedankenlosigkeit, der die Verarmung am Buchmarkt beschleunigt und einer von der angloamerikanischen Literatur dominierten Buchszene Vorschub leistet. Gerade um Monokulturen zu vermeiden und die Vielfalt zu erhalten, sind Refugien und Biotope unabdingbar. Wer etwas anderes behauptet, verkennt die wirtschaftliche Situation am Jugendbuchmarkt.

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Petra Tausendschoen

Pauschale Herabwürdigung

Wenn man nicht weiß, wieso damals vor 60 Jahren so entschieden wurde, sollte man nicht dumme Frau Wagner List zu unterstellen, weil alte Strukturen aufgebrochen werden sollen, beziehen dann wohl auch alle fünfhundert Autoren und Illustratoren mit ein, was für eine Polemik, wenn man keine Argumente hat. Im Ausland gehen Deutsche Autoren ebenfalls leer aus, weil die dortigen Staatspreise, wie auch viele andere Literaturpreise, den eigenen Autoren vorbehalten sind. Was also in anderen Ländern möglich ist, wird im Land der Denker und Dichter nicht berechtigt betrachtet.

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Kathrin Schrocke

Irreführend

Die Überschrift ist irreführend. Es geht bei der Initiative, die u.a. von Klaus Kordon, Kirsten Boie und Rafik Schami unterzeichnet wurde, nicht darum, keine internationalen Titel mehr für den DJLP zulassen zu wollen, sondern darum, Originalausgaben und Übersetzungen getrennt zu beurteilen. Die Argumente für und gegen eine solche Forderung darzustellen wäre ein spannender Beitrag gewesen. Sowohl die Sprecherin der Initiative als auch einige der Unterzeichner hätten sicherlich gerne ihre Position erklärt.
Die als „listig“ bezeichnete Antje Wagner hat den Mut, für eine Kampagne, die die Gemüter VIELER Kinder- und Jugendliteraten bewegt, ihr Gesicht hinzuhalten. Das verdient Respekt. Übrigens wurde Frau Wagner von der FAS kürzlich unter die 20 besten deutschsprachigen Schriftsteller unter 40 Jahren gewählt. Warum eigentlich deutschsprachig?! Der Beweis mangelnder Weltläufigkeit?

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Gina Mayer
Gina Mayer (ginamayer) - 09.05.2013 10:52 Uhr

Unfaire Diskussion

Ich verstehe nicht, warum sich ausgerechnet und ausschließlich die deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren gegen die Konkurrenz aus aller Welt durchsetzen müssen. Im Gegensatz zu den Kollegen beim Deutschen Buchpreis, bei dem Übersetzungen nicht zugelassen sind. Auch der amerikanische Pulitzer-Preis, der britische Man-Booker-Preis, der französische Prix Goncourt, der italienische Premio Strega akzeptieren nur Originaltexte. Wo bleibt der Aufschrei aus den deutschen Feuilletons? Warum wird einzig und allein beim Deutschen Jugendliteraturpreis so verbissen auf "Internationalität" gepocht? Warum wird eine renommierte Autorin wie Antje Wagner in Ihrem Artikel diffamiert und lächerlich gemacht, nur weil sie ihre Meinung sagt? Ich bin eine der 500 Unterzeichner der Initiative und finde das Ganze mehr als befremdlich.

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Oskar Schell
Oskar Schell (oskell) - 08.05.2013 14:06 Uhr

Autoren-Boxen??

Warum wird über Literatur geschrieben, als handle es sich um Sport? Natürlich muss der deutsche Hochsprung-Staatsmeister bei den olympischen Spielen mit den Besten der Welt konkurrieren. Ja, dabei zeigt sich, wer der Beste ist.

Was hat das mit Literatur zu tun? Was hat "internationaler Wettbewerb", was hat "Konkurrenz" mit Kunst zu tun?

Will Tilmann Spreckelsen sagen, dass es in der Literatur - und demzufolge auch in der Malerei, in der Musik und anderen Kunstrichtungen - "Beste" gibt? Kann man hier also - wie im Sport - ein Ranking anfertigen? Fällt niemandem auf, wie dumm und beschränkt das ist?

Schreiben ist nicht Boxen. Jane Austen muss nicht gegen Nikolai Gogol antreten, Charles Bukowski nicht gegen Wislawa Szymborska.

Die Idee erinnert stark an Dr. J. Evans Pritchards Koordinatensystem für Poesie.

Warum nicht alle Künstler der Welt zum Hochsprung antreten lassen? Das wenigstens ließe sich fair und objektiv beurteilen. Und eine internationale Ausrichtung wäre sinnvoll.

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Gina Mayer
Gina Mayer (ginamayer) - 08.05.2013 13:35 Uhr

Unfaire Diskussion

Ich verstehe nicht, warum sich ausgerechnet und ausschließlich die deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren gegen die Konkurrenz aus aller Welt durchsetzen müssen. Im Gegensatz zu den Kollegen beim Deutschen Buchpreis, bei dem Übersetzungen nicht zugelassen sind. Auch der amerikanische Pulitzerpreis, der britische Man-Booker-Preis, der französische Prix Goncourt, der italienische Premio Strega akzeptieren nur Originaltexte. Wo bleibt der Aufschrei aus den deutschen Feuilletons? Warum wird einzig und allein beim Deutschen Jugendliteraturpreis so verbissen auf "Internationalität" gepocht? Warum wird in Ihrem Artikel eine renommierte Autorin wie Antje Wagner diffamiert und lächerlich gemacht, nur weil sie ihre Meinung sagen? Ich bin eine der 500 Unterzeichnerinnen der Initiative und finde das mehr als befremdlich.

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Ulrike Bliefert

Brauchen wir auch nach über 60 Jahren noch einen nationalen Minderwertigkeitskomplex?

So hat es meine Generation (*`51) noch gelernt: Alles, was deutsch ist, ist schlecht. Alles, was aus Amerika kommt, ist gut. Alles, was aus Frankreich kommt, hat Esprit, alles, was aus England kommt, ist pfiffig. Was aus Deutschland kommt, hat und ist dies nicht, und es ist ein absolutes Tabu, genauso stolz auf die Leistungen der eigenen Nation zu sein wie andere Länder auf die ihren. Fest steht: Kein anderes Land ehrt mit einem nationalen Jugendliteraturpreis SchriftschtellerInnen der ganzen Welt. Wenn deutsche AutorInnen ebenfalls die besten ihres Landes ausgezeichnet sehen möchten, ist das schon aus diesem Grunde nur recht und billig; fremdsprachige Werke werden ja auf Augenhöhe in Form von Übersetzungen gewürdigt. Rund 500 Unterschriften von Literaturschaffenden, die die Ministerin auffordern, die aufgrund von Nachkriegsgegebenheiten erstellten Vergabe-Kriterien nach 60 Jahren einer heutigen, multikulturellen deutschen Realität anzupassen, sollte man doch bitte nicht klein reden!

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.05.2013 14:29 Uhr
Ulrike Bliefert

Tippfehler

"SchriftSCHTtellerInnen"?! Nein, kein ironischer Verweis auf die sich epidemisch ausbreitende Rechtschreibschwäche, sondern schlicht ein Tippfehler!

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Anna Tapir
Anna Tapir (TapirA) - 08.05.2013 12:06 Uhr

Peinliche Mobilmachung gegen die Autoren und Illustratorenschaft

Ich bin fassungslos, welch polemische Mobilmachung hier gegen die gesammelte Autoren- und Illustratorenschaft gestartet wird, und wer sich alles dafür vor den Wagen spannen lässt! Nun ist sich selbst die FAZ nicht zu schade, als Surfbrett und PR-Maschine des AKJ herzuhalten und dafür ihren unabhängigen Blick auf die Dinge aufzugeben. Würde sie sich nämlich wirklich mit der Thematik auseinandersetzen und das eigentliche Ansinnen der Initiative DJLP (http://djlp-initiative.jimdo.com) an den Tag bringen, kämen hier ganz andere Artikel bei raus. Welche, die sich "unabhängig" und versiert mit einer seit Jahrzehnten von der gesamten KJL-Branche geäußerten Kritik an den Vergaberichtlinien des DJLP auseinandersetzen. Aber leider lässt sich die FAZ wie viele andere Medien ohne Hinterfragung für den krampfhaften Kampf um Machterhalt des AKJ instrumentalisieren. Es sind 500 AutorInnen und IllustratorInnen, denen hier ein respektvollen Dialog versagt wird! Danke, FAZ, dass sie dabei helfen!

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05.05.2013, 16:14 Uhr

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