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Deutsche Städte : Grenzen der Mülltoleranz

Müll-Stillleben in Frankfurt Bild: dpa

Das schöne Wetter treibt jetzt wieder überall den Müll auf die Grünflächen deutscher Städte. Die zaghaften Versuche, dies zu unterbinden, sind fruchtlos. Im Ausland ist man schon weiter.

          Sobald die schöne Jahreszeit anbricht, die Amsel singt und die Jasminsträuche blühen, zieht es auch den Stadtmenschen unwiderstehlich zu den Grünflächen. In den Kleinparadiesen urbaner Parks entspannt er sich allein oder mit seinesgleichen, atmet Grasdüfte ein, singt zwar nur noch selten, hinterlässt dafür aber Fußabdrücke, die sich stetig vergrößern. In Frankfurter Parks, in denen die Mülleimer voll sind, werfen Besucher, die es nicht cool finden, Abfälle zur nächsten Tonne zu transportieren, diese in die ungefähre Nähe der vollen Behälter. Die nächsten spielen mit den Haufen und verstreuen zerdrückte Plastikflaschen auf dem Rasen. Im Stadtteil Bockenheim inspiriert die warme Saison sogar Anwohner dazu, wilden Sperrmüll auf die Straße zu stellen. Verbotsschilder, die dem Einhalt zu gebieten versuchen, scheinen die Müllanarchie eher noch zu verstärken.

          Im Münchener Englischen Garten herrscht bei sommerlichem Wetter allgemein und besonders nach Schulabschlussfeiern, für die dieser Park der ideale Ort ist, Müllnotstand. Geradezu gerührt blickt man auf die Hundebesitzer, die jede Hinterlassenschaft ihres vierbeinigen Freundes flugs in einer mitgebrachten Tüte bergen und entsorgen. Auch zweibeinige Spaziergänger brauchen offenbar jemanden, der hinter ihnen aufräumt. Ob die extragroßen Mülleimer, die jetzt hier und da im Englischen Garten aufgestellt wurden – mit Lämpchen, damit selbst berauschte Nachtschwärmer sie nicht verfehlen –, eine Trendwende bringen, erscheint mehr als fraglich.

          Ökonomische Instrumente sollten eine Überlegung wert sein. Es braucht ja nicht gleich ökototalitäre Verhältnisse wie in Singapur, wo das Auf-den-Boden-Werfen selbst eines Kaugummipapierchens mit drakonischen Geldstrafen geahndet wird, obwohl die Sauberkeit des Stadtstaates schon so manchen Anhänger des Laissez-faire-Prinzips schwankend werden ließ. Auch das tolerante Kalifornien hat das Problem der Vermüllung seiner Landstraßen durch einst moderate und inzwischen recht empfindliche Geldstrafen gelöst. Wenn in öffentlichen Verkehrsmitteln die Passagiere von Kontrolleurtrupps überprüft werden, dann würden auch in öffentlichen Parks freundliche Aufpasser, die eine Nulltoleranz-Strategie gegen Müllsünder vertreten, gute Figur machen. Fast zwangsläufig ergäben sich dabei fruchtbare Diskussionen über Schönheit und Kultur. Dank tragbarer Kredit- und Bankkartenterminals wären die Transaktionen bequem und fast schmerzlos. Und die Selbstfinanzierung eines solchen Dienstes ist hundertprozentig garantiert.

           

          Quelle: F.A.Z.

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