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Deutsche Erfinder : Dem Ingeniör: Was Deutsche erfunden haben

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Gutes aus Deutschland Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Ideenreichtum der Deutschen ist gewaltig. Das Problem ist nur: Niemand weiß das mehr. Daher ist nun eine kleine Broschüre aufgelegt worden, die an fünfzig bedeutende deutsche Erfindungen erinnert.

          Der Erfinder des Senkbleis ist unbekannt. Aber man muß vermuten, daß es ein Deutscher gewesen ist. Denn wir sind das Land der Tüftler und Denker. Der Ideenreichtum der Deutschen ist gewaltig: Das Düsentriebwerk stammt nicht aus Entenhausen, der Teebeutel nicht aus England, der Computer nicht aus Silicon Valley.

          Und alles, was der Fortbewegung dient, hat es unserem originellen, mitten in Europa angesiedelten Völkchen besonders angetan - von A wie Airbag bis Z wie Zündkerze. Das Problem ist nur: Niemand weiß das mehr. Denn selbst die Erfindung des Airbags liegt schon dreißig Jahre zurück. Die informationelle Halbwertszeit aber beträgt heute bestenfalls noch Tage.

          Brüder Wright statt Lilienthal

          Und die populärwissenschaftlichen Sachbücher für unsere Kinder, die früher Titel wie „Was ist was?“ oder „Ich weiß mehr“ führten, kommen heute nahezu vollständig aus Amerika. Deshalb werden darin Thomas Edison und die Brüder Wright statt Philipp Reiss und Otto Lilienthal gefeiert. Dem deutschen Selbstbild wird der innovative Zug ausgetrieben. Was sich festsetzt, ist nicht, daß der Graf Zeppelin für sein Luftschiff auf der ganzen Welt gefeiert worden ist, sondern daß man ihn zuerst ausgelacht hat.

          Den Namen der eigenen Familie zum Gespött der Leute zu machen ist keine angenehme Aussicht. Um aber die Innovationslust zu beleben, hat die von zahlreichen Unternehmen, Stiftungen, Forschungseinrichtungen und nicht zuletzt auch der Bundesregierung unterstützte Initiative „Partner für Innovation“ jetzt eine kleine Broschüre aufgelegt, die an fünfzig bedeutende deutsche Erfindungen erinnert. Wie das die Neugier kitzelt. Die tollsten Gedanken schwirren uns durch den Kopf.

          Zersetzende Wirkung

          Leider ist das Auto schon erfunden, auch die Sozialgesetzgebung. Doch das Heft bietet noch mehr: Umstrittene Zuschreibungen (Glühbirne und Pille) werden genauso auf jeweils zwei Seiten untermauert wie umstrittene Resultate (Kernspaltung und Reformation). Überhaupt ist der Anteil von deutschen Erfindungen mit zersetzender Wirkung erstaunlich; man denke an Röntgentechnik, Bakteriologie, Fernsehen und „Mensch ärgere dich nicht“. Und selbst das Vakuum müßten wir entbehren, hätte ein dunkler deutscher Denker es nicht erfunden.

          Beim Buchdruck lassen wir gegenüber China mal fünf gerade sein, und als Christian Buschmann 1821 die Mundharmonika erfand, hat man unter Musik noch etwas anderes verstanden, das entschuldigt vieles. Daß die Broschüre die Magnetschwebebahn der klassischen und in Wuppertal schon lange erfolgreich eingesetzten Schwebebahn vorzieht, mag daran liegen, daß sie über das Goethe-Institut zur Botschafterin für deutsche Innovationsfreude und vor allem deutschen Export werden soll. So etwas Elegantes wie die Schwebebahn bekäme man heute vermutlich nicht wieder hin. So etwas Simples wie das Senkblei wohl auch nicht.

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