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Deutsch in Südtirol Wanderpolitik

29.07.2010 ·  In Mussolinis Fußstapfen: Regionalminister Raffaele Fitto treibt die Italianisierung der Alpen voran. In Südtirol will er 36.000 Hinweisschilder entlang der Wanderpfade entfernen lassen - weil sie auf deutsch beschriftet sind.

Von Dirk Schümer
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Vielleicht war der italienische Regionalminister Raffaele Fitto zuletzt Wandern in Südtirol, weil er sich von seinen mannigfachen Problemen mit der Justiz ablenken wollte. Seit 2009 ist eine Klage wegen Korruption und illegaler Parteienfinanzierung gegen ihn anhängig. Schon zuvor war er als Gouverneur von Apulien wegen dubiosen Verkaufs von Staatseigentum oder lukrativer Geschäfte im Gesundheitswesen immer wieder ins Visier der Ermittler geraten. Von solchen leidigen Verwicklungen, wie sie etliche Führungskräfte der Berlusconi-Regierung heimsuchen, hat Fitto offenbar die Nase voll.

Als Minister für die Regionen tut er sich lieber bei der Italianisierung der Alpen in den Fußstapfen Mussolinis hervor. In Südtirol hat er auf seinen Wanderpfaden immer wieder Hinweisschilder mit unverständlichen deutschen Begriffen vorgefunden. Diese insgesamt 36 000 Tafeln will Fitto jetzt entfernt sehen. Andernfalls werde der italienische Staat dafür sorgen. Fitto, hier ausnahmsweise einmal ganz Legalist, erinnerte an das Gebot der Zweisprachigkeit im öffentlichen Raum: „Schließlich sind wir in Italien.“ Im 1918 von Italien okkupierten Südtirol, dessen Bewohner seither niemals über ihre nationale Vorliebe abstimmen durften, scheint der Minister auf Widersacher zu stoßen, die da nicht unbedingt seiner Meinung sind.

Auf den Spuren des Ethno-Säuberers Ettore Tolomei?

Darum wehrt sich in und um Bozen nicht nur Landeshauptmann Luis Durnwalder gegen den rüden Ton. Der private Alpenverein habe all die Tafeln in mühsamer Arbeit aufgestellt; zudem gebe es für die meisten Almen, Weiden und Bäche überhaupt keine italienischen Namen. Die Schilder, viele auf privatem Grund, erklären ein Wegenetz, wie es dies in Italien südlich der Salurner Klause auch nicht ansatzweise gibt. Hat Berlusconis von Mafia-Anklagen gebeutelte Regierung wirklich nichts Besseres zu tun, als Carabinieri und Alpini ins Gebirg’ zu schicken, damit sie nützliche Wegweiser absägen?

Minister Fitto, der für Berlusconi eigentlich als Koordinator fürs arme Süditalien fungiert, scheint sich hier am Ethno-Säuberer Ettore Tolomei zu orientieren, der nach 1918 einfach Tausende Phantasienamen über der Landkarte ausschüttete, um seinen Traum von einem Groß-Italien bis zum Brenner zu verwirklichen. Südtiroler Politiker, die aus Rom nicht nur von den Berlusconianern Kummer gewohnt sind, geben sich kompromissbereit und hoffen auf eine Lösung im europäischen Geist. Begriffe wie „Hütte“ oder „Wiese“ könne man ja ruhig auf Italienisch dazuschreiben – damit sich Minister Fitto in seinen geliebten Dolomiten nicht komplett verirrt.

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