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Zum Tod von Urs Widmer : Er wollte daran erinnern, dass die Welt einmal schöner war

Urs Widmer im Jahr 2007 in Frankfurt Bild: dpa

Er gehörte zu den vielseitigsten Autoren der Schweiz: Urs Widmer, Schriftssteller, Dramatiker und Hörspielautor, ist im Alter von 75 Jahren in Zürich gestorben.

          Urs Widmer besaß die seltene Gabe, mit seinen Büchern literarische Phantasien zu entwerfen, die zugleich das Zeug zum Bestseller hatten. So hat es der Schriftseller im vergangenen Jahr sogar mit seiner Autobiographie auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. In „Reise an den Rand des Universums“  beschreibt der Schweizer mit der unverwechselbaren Lockenmähne seine Kindheit und Jugend als Sohn einer depressiven Mutter und eines literaturbesessenen Vaters nach. Die Lebenserzählung endet mit seiner Selbstfindung als Autor. „Es genügt nicht, wenn Literatur nur den Ist-Zustand schildert. Sie muss auch utopische Qualitäten haben. Man muss daran erinnern, dass die Welt einmal schön war“. Das war eine der Maxime von Urs Widmer.

          Sandra  Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Schriftsteller, 1938 in Basel geboren, gehörte zu den vielseitigsten Schweizer Autoren der Generation nach Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch. Sein Oeuvre umfasst gut drei Dutzend Werke, darunter nicht nur Erzählungen und Romane wie „Das enge Land“ „Herr Adamson“ und „Stille Post“, sondern auch Theaterstücke wie das Wirtschaftsdrama „Top Dogs“, Essays, Märchen sowie Klassikernacherzählungen wie die der Shakespeare-Dramen. Durch seinen Vater, den Lehrer und Übersetzer Walter Widmer, betrat er als Kind das Reich der Literatur. Später studierte er Literatur in Basel, Montpellier und Paris und war nach einem Intermezzo als Lektor bei Suhrkamp einer der Mitbegründer des „Verlags der Autoren“ 1968.

          Gleich seine erste Erzählung „Alois“, eine phantastische, an der Oberflächenfixierung der damals modernen Pop-Art inspirierte Geschichte, hatte 1968 den Diogenes-Verleger Daniel Keel überzeugt. Widmer zählte über die Grenzen der Schweiz hinaus zu den bekanntesten deutschsprachigen Autoren. Doch wollte er niemals als Schweizer Schriftsteller gesehen werden, sondern pochte darauf, Teil der deutschen Literatur zu sein. Einer seiner größten Publikumserfolge wurde sein im Jahr 2000 veröffentlichter Roman „Der Geliebte der Mutter“ sowie „Das Buch des Vaters“ (2004), in denen er das Zusammenleben der Eltern erkundet. In seinen Kolumnen, die er bisweilen auch schon mal vom Ort philosophischer Nachdenklichkeit zu einem Instrument seiner Rache machte, redete er den Schweizern ins Gewissen.

          In seiner Essaysammlung „Das Geld, die Arbeit, die Angst, das Glück“ schrieb Urs Widmer über den Tod, dieses große „Rätsel“, mit dem wir „naturgemäß keine praktische Erfahrung“ haben: „Man stirbt nur einmal, das dafür mit Garantie. Der Tod bleibt der Skandal allen Lebens. Nichts, nichts, nichts ist unverstehbarbarer als der Tod“. In der Nacht zum Donnerstag ist Urs Widmer im Alter von fünfundsiebzig Jahren in Zürich gestorben.

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