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Der Schüler „Alle zeigen jetzt auf uns“

24.11.2006 ·  Ein Schüler der Kreuzberger Eberhard-Klein-Schule ist überfallen und mit Messerstichen verletzt worden. Sein Mitschüler, der Achtkläßler Yilmaz, sorgt sich um das Ansehen seiner Schule und geht von einem Bandenkrieg aus.

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Am Tag nach einem maskierten Überfall auf einen Schüler der Kreuzberger Eberhard-Klein-Schule, der vor maskierten Jugendlichen aus dem Klassenraum flüchtet und mit Messerstichen verletzt wurde, ist die Schule im Ausnahmezustand. Vor zwei Jahren geriet die Schule in die Schlagzeilen, als Direktor Bernd Böttig verkündete, hundert Prozent nicht-deutscher Schüler zu haben. Achtzig Prozent sind türkischer Herkunft, 15 Prozent aus arabischsprachigen Ländern, die restlichen Schüler aus aller Welt. Achtkläßler Yilmaz sorgt sich um das Ansehen seiner Schule und geht von einem Bandenkrieg aus.

Du bist Schüler der Eberhard-Klein-Schule, wo ein maskierter Überfall auf einen Schüler passierte…

Er ist ein Freund von mir, ich habe ihn heute besucht, er kann ja nicht zur Schule wegen der Verletzungen. Zum Zeitpunkt des Überfalls war ich nicht dabei, aber er hat es mir genau beschrieben.

Wie gehen die Lehrer mit der Tat um, sprechen sie mit den Schülern?

Nein, überhaupt nicht, wir machten ganz normal Unterricht, ohne das groß zu thematisieren.

Wäre Dir lieber, die Lehrer sprechen mit Euch?

Ja.

Fühlst Du Dich in der Schule sicher?

Früher wäre so etwas nicht passiert, daß Schulfremde sich hierher trauen und Ärger machen. Die aus anderen Stadtteilen, zum Beispiel Neukölln oder Tempelhof, blieben in ihren Vierteln und wagten nicht, sich hier sehen zu lassen, das hätte Ärger gegeben. Heute fehlt der Zusammenhalt unter uns, aber der Vorfall bringt uns bestimmt wieder zusammen.

Wie meinst Du das, denkst Du an Rache?

(schweigt) Ob Schüler Pläne haben, die Täter zu stellen, weiß ich nicht. Kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall helfen wir Schwächeren. Wir schlagen nicht zu, wenn ein Kind verletzt auf der Straße liegt. Von alleine werden wir nicht aggressiv. Die Täter hatten ja Kapuzen auf und wurden nicht erkannt. Aber die waren sicher nicht von unserer Schule. Sie sprachen Türkisch, aber wie Araber, die nur wenig Türkisch können.

Da gibt es Rivalitäten zwischen den Nationen, den Schulen und den Stadtteilen?

Ja. Darüber mag ich aber nicht sprechen.

Hast Du Sorge um das Image Deiner Schule, denn jetzt sind ja ständig Medien vor Ort und berichten?

Klar. Jetzt zeigen alle auf uns und sagen: „Ja, ja, die Ausländer. Typisch.“ Und wo ist die Presse, wenn es in Hellersdorf oder anderen Stadtteilen im Berliner Osten zwischen rechten Jugendlichen aus unterschiedlichen Gangs kracht? Da kommen nicht so viele Medien. Dabei passiert da auch ständig etwas.

Der Medienrummel ärgert Dich?

Ja, der macht voll das falsche Bild.

Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor, welchen Beruf möchtest Du haben?

Vielleicht Pornoregisseur?

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