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Reno zum Siebzigsten : Jean, der Profi

Seine beste Rolle, immer noch: Jean Reno als Léon, der Profi, 1994 Bild: INTERFOTO

Der Überzeugungstäter in scheinbar hoffnungslosen Einsätzen ist seine Paraderolle. Sie führte den „Profi“ bis nach Hollywood. Zum 70. Geburtstag des französischen Schauspielers Jean Reno.

          Wer über Jean Reno spricht, kann von Luc Besson nicht schweigen. Und für nichts darf man dem französischen Spektakelregisseur dankbarer sein als für seine Freundschaft mit dem französischen Schauspieler, den er seit 1985 immer wieder in seinen Filmen besetzte, erst als Nebendarsteller und dann, 1988 – Reno war da schon vierzig –, in einer der beiden Hauptrollen von „Im Rausch der Tiefe“.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Von da an war Jean Reno ein Star, denn er verkörperte den griechischen Rekordtaucher Enzo mit der notwendigen Körperlichkeit, aber auch mit einer Souveränität, die ganz aus der sichtbaren Überzeugung seiner Figur resultierte, allen Herausforderungen gewachsen zu sein. Umso schockierender ist im Film der Tod von Enzo, und deshalb war es Renos Bild, das sich dem Publikum dauerhaft einprägte und nicht das des viel jugendlicheren Jean-Marc Barr, der von Besson die größere der beiden Hauptrollen bekam, aber über pure Attraktivität hinaus nicht mit Reno konkurrieren konnte.

          Dessen Genie bei der Darstellung in sich ruhender Charaktere erreichte ihren Höhepunkt jedoch erst in einem anderen Besson-Film, dem zeitlosesten unter den ansonsten jeweils zeittypischen und deshalb meist schlecht alternden Werken des Regisseurs: „Léon – Der Profi“ von 1992. Reno spielt darin die Titelfigur, und dass er neben zwei exzeptionellen Schauspielstars, die in diesem Film auch ihre jeweils besten Rollen fanden – die ganz junge Natalie Portman als einzige Überlebende ihrer Familie bei einem brutalen Polizeieinsatz, die sich an den Mördern rächen will, und Gary Oldman als drogensüchtiger Chef des korrupten Einsatzkommandos –, nicht nur bestehen kann, sondern sie noch überstrahlt, liegt am von Besson unglaublich inszenierten Kontrast zwischen dem Stoizismus von Renos Spiel als Auftragskiller und dem sich immer weiter aufheizenden, schließlich in einem aberwitzigen Duell zwischen dem einsamen Léon und der geballten Polizeimacht eskalierenden Handlung. Reno hatte für diese Rolle eine geradezu japanische Todesverachtung einstudiert, die das Vorbild bei einzelnen Helden aus Akira Kurosawas Filmen nie verleugnet.

          Danach konnte es qualitativ nur abwärts gehen, obwohl der internationale Erfolg von Reno zeitweise immer größer wurde. Hollywood kam an ihm gar nicht vorbei, wenn es fortan um Überzeugungstäter bei scheinbar hoffnungslosen Einsätzen ging, die nicht mehr als Ehre versprachen. Reno spielte im ersten „Mission: Impossible“-Film mit, in „Ronin“ und „Godzilla“ – allerdings nie in einer Hauptrolle.

          So verschob sich allmählich der Fokus der amerikanischen Produktionen für ihn auf moralisch eher dubiose Figuren, während Reno in seinem Heimatland weiterhin einer der kassenträchtigsten Hauptdarsteller in Actionfilmen und Komödien blieb. Doch auch dort sind mittlerweile eher Fortsetzungen nach erfolgreichen Rezepten – etwa die Filmreihe um „Die Besucher“ – seine Hauptbeschäftigung geworden. Aber in Reno steckt immer noch der Mann, der die Ruhe wahrt, während er warte (auch auf einen weiteren großen Film, gerne von Luc Besson, der Reno seit 2004 nicht mehr besetzt hat). Heute wird der Mann, der als Juan Moreno y Herrera Jiménez im Jahr 1948 als Sohn spanischer Emigranten in Marokko geboren wurde und sein Glück in Frankreich suchte und fand, siebzig.

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