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Der politische Zwerg Uninteressant

 ·  Großbritannien sei eine „kleine Insel, auf die niemand hört“, meint ein Sprecher von Präsident Putin. Wie David Cameron einmal der ganze G-20-Gipfel verdorben wurde.

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Wie unangenehm wäre ein Abendessen, bei dem man mit großem Appetit reinhaut, sich Wein und Dessert schmecken lässt und dann, während man mit vollem Munde und also unfähig zur Erwiderung, vielleicht auch noch selig lächelnd dasitzt, hören muss, wie der Gastgeber laut bemerkt: „Mensch, du bist aber fett geworden.“ Umso unangenehmer, wenn man wirklich etwas zugenommen hat. Genau das ist jetzt David Cameron passiert. Kollege Putin hatte ihn zum Gipfel nach Sankt Petersburg geladen, dieser sündteuren Privatorgie seines Neo-Absolutismus, und noch während Cameron sich am Feuerwerk erfreute, wurden Bemerkungen publik, mit denen sich Putin über das Vereinigte Königreich ausließ.

Das sei „eine sehr kleine Insel, die keinen mehr interessiere“, und Chelsea gehöre ohnehin russischen Oligarchen, „die haben das gekauft“. Hier waren die Beobachter uneins, ob er das Londoner Stadtviertel oder den Fußballverein meinte, richtig wäre beides. Es war ohnehin nicht die Woche der britischen Regierung, nachdem der Außenminister William Hague auf der Party eines Modemagazins in London von einem der Gäste mit der nicht ganz unberechtigten Frage geärgert worden war, was er denn bei so einer bunten Veranstaltung zu suchen habe, wenn die Lage in Syrien derart angespannt sei. Die Welt wird frecher gegen uns alte Europäer.

Vor einigen Jahren hatte sich der indische Premierminister schon darüber amüsiert, dass bei einem Geldrettungsgipfel auch sein spanischer Kollege mit am Tisch sitze. Er suggerierte damit, dass die iberische Monarchie ungefähr Größe und Relevanz eines mittleren indischen Landkreises und die wirtschaftliche Potenz von gerade mal Ost-Bombay aufweise. Aber der Spanier war ja als europäischer Repräsentant da, laut internem Geschäftsverteilungsplan der Europäischen Union dufte er während ungerader Wochen in Monaten ohne „R“ außer im Schaltjahr als europäischer Präsident amtieren. Also als einer von dreien. Das hat halt nicht jeder Inder auf dem Zettel, wie sich die Großmacht Europa so organisiert. Und dass er noch Glück hatte, nicht mit Luxemburg verhandeln zu müssen.

Aber zurück an den Zarenhof: Da war Cameron nun herausgefordert, den Angriff zu parieren. Er schwang sich zu einer Eloge des eigenen Landes auf, die er gleich wieder ironisch brach, indem er vorschlug, man solle sie „mit Musik unterlegen“. Putin habe unrecht, das Gegenteil sei richtig: Das Vereinigte Königreich ist und bleibt eine wichtige Weltmacht. Er erinnerte an den streitenden Mann auf einer alten F.K.-Waechter Zeichnung, der es seinem Kontrahenten so richtig zeigt: „Eine billige Retourkutsche soll das sein? Ich finde, das ist jetzt eine ganz billige Retourkutsche von Ihnen!“ So oder so lief Putins Provokation aber ins Leere. Die ganze Sache ist offenbar wirklich nicht sonderlich interessant.

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06.09.2013, 16:14 Uhr

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