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Der neue Sloterdijk : Twerk-twerk

Ist Peter Sloterdijks neues Buch Altherrenprosa? Oder erfährt das weibliche Gesäß einfach nur eine spekulative Erhöhung? Bei der Antwort hilft Kim Kardashian.

          Peter Sloterdijk liest bei Suhrkamp. Aus einem erotischen Roman. Himmel, hilf! Noch so ein Intellektueller, der endlich zu den Erzählungen will, noch so ein älterer Herr, der halb wehmütig, halb schamlos-aufdringlich-greisenhaft von den Liebesgenüssen redet? Nichts von alledem. Sloterdijk verbindet den subtilsten, wachsten Geist mit einer außerordentlichen Nähe zu seinen Instinkten. Die muss er nicht erst neu entdecken, sie waren immer seine Wünschelrute und das Schlüsselein, mit dem er die Welträtselkammern fand und öffnete.

          Schon der Titel des Buches, aus dem er zwei Kapitel liest, ist außerordentlich glücklich: „Das Schelling-Projekt“. Denn unter den großen deutschen Philosophen war keiner, der wie Schelling mit der Liebe bedeutender Frauen beschenkt wurde - und nicht nur das: auch keiner, der der Liebe einen Ort in seinen systematischen Überlegungen gab. Kein Hagestolz wie Kant und Schopenhauer, kein brav Verheirateter wie Hegel, sondern ein Mann, der wusste, was es heißt, ergriffen zu sein. Und dann auch einer, der spekulativ-idealistisch die Natur in sein System aufnahm und nicht nur das Selbstbewusstsein oder die Geschichte.

          Sloterdijk findet in diesem Denker einen Wahlverwandten. Die Rahmenhandlung, soweit sie sich an diesem Abend erschloss: ein amüsantes Forschungsprojekt zur biologischen und sozialen Evolution des weiblichen Hinterns. Gibt es denn kein aktuelleres Thema für einen Philosophen, der die Paläoanthropologie studiert hat?

          Die amerikanische Prominente Kim Kardashian ist mit ihrem großzügig präsentierten, wahrlich gewaltigen Hintern die heutige Version eines Schönheitstypus, den das antike Griechenland in den Statuen der „Venus Kallipygos“ - der Liebesgöttin mit dem schönen Hintern - verherrlichte. Damals ging es um ein Rezept gegen die Knabenliebe der griechischen Elite. Sollte das heute etwa wieder so sein? Kim Kardashian als Kader an vorderster Front des Kampfes gegen die gelegentlich behauptete Homosexualisierung der Gesellschaft? Das Netz ist voller Videos von „twerkenden“, den Hintern schwingenden Frauen. Sagt Kim Kardashian den Schwulen: Schaut mal her, so ginge es doch auch und vielleicht schöner? Wir harren Sloterdijks spekulativer Ableitung.

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