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Der Literaturnobelpreis als Signal Schreiben und schweigen

 ·  Zwar übt der Nobelpreisträger Mo Yan durchaus literarische Kritik am chinesischen Regime, doch letztlich bewegt er sich in den engen Grenzen staatlicher Zensur.

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Die Entscheidung für Mo Yan als diesjährigen Literaturnobelpreisträger ist eine gute - für China und für das dortige Regime. Anders als vor zwölf Jahren, als mit Gao Xingjian der bislang einzige chinesische Schriftsteller diese wichtigste literarische Auszeichnung erhielt, lebt Mo Yan nicht im Exil. Im Gegenteil: Er lebt nicht nur in China, er lebt dort vor allem die Rolle eines Intellektuellen, der zwar in seinen Romanen Kritik an der jüngeren chinesischen Vergangenheit übt, aber das stets in den Grenzen des zulässigen ideologischen Rahmens tut. Will sagen: Mo Yan benennt Fehler und Exzesse des kommunistischen Regimes, stellt es aber nicht in Frage.

Das zeigt sich schon daran, dass er vor drei Jahren der offiziellen Schriftstellerdelegation angehörte, die zur Frankfurter Buchmesse entsandt wurde, als China deren umstrittener Ehrengast war. Oppositionelle Stimmen hatten damals keine Chance, Linientreue war das entscheidende Kriterium für die Reiseerlaubnis.

Das sagt indes nichts über die literarische Bedeutung Mo Yans aus, der in China durch seinen Roman „Das rote Kornfeld“ aus dem Jahr 1987 - vor allem dank der sofortigen Verfilmung durch Yang Zhimou - bekannt wurde und dann auch internationalen Ruhm erfuhr. Trotzdem ist es bezeichnend, dass das ins Deutsche übersetzte Werk des siebenundfünfzigjährigen Schriftstellers auf vier Verlage verteilt ist. Die chinesische Literatur stellt sich mit Ausnahme der Dissidenten von außen als höchst opake Angelegenheit heraus, der es an wirklicher Vermittlung im Ausland noch fehlt. Das wird sich in diesem Einzelfall nun ändern.

Für das offizielle China konnte die Auszeichnung zu keinem günstigeren Zeitpunkt erfolgen. Am kommenden Sonntag wird Liao Yiwu, einer der im Westen prominentesten Regimekritiker, den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Er hat für sein oppositionelles Schreiben mit vier Jahren Haft, dem Zerbrechen seiner Familie und der Flucht aus seiner Heimat nach Deutschland büßen müssen.

Nun ist der symbolmächtigen Preisverleihung an Liao ein Stück ihrer Wirkung genommen, weil sich die Welt mit seinem Dichterkollegen Mo Yan beschäftigen wird. Dieser Name ist übrigens ein Pseudonym, es bedeutet „Spricht nicht“. Ja, Mo Yan schreibt, pflegt aber nicht das offene Wort gegenüber den Missständen in China.

Interaktiv: Die Nobelpreisträger

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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.

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