07.09.2007 · Auch „Der Kandidat“ ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem neben Kluge auch Volker Schlöndorff und Stefan Aust beteiligt waren. Und auch hier steht im Zentrum der Versuch, Aufregungen und Atmosphäre im Umfeld des Strauß-Wahlkampfs in filmische Form zu fassen.
Kluges Filme sind am besten, wenn sie zu einer Archäologie der jeweiligen Gegenwart werden. „Der Kandidat“ entstand 1980, unmittelbar nach „Deutschland im Herbst“ und gewissermaßen als dessen Fortsetzung. Auch er ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem neben Kluge auch Volker Schlöndorff und Stefan Aust beteiligt waren. Und auch hier steht im Zentrum der Versuch, Aufregungen und Atmosphäre im Umfeld des Strauß-Wahlkampfs in filmische Form zu fassen.
Eine Chronik öffentlicher Gefühle. Weil sie nicht wie „Deutschland im Herbst“ den Ausnahmezustand, sondern den Normalfall zum Gegenstand hat, zeigt sie die ganz normalen Maßverhältnisse des Politischen, Bilder, die man sonst herausschneidet: Strauß im Bierzelt, Stoiber immer an seiner Seite, bayerische Defiliermärsche, kleine versteckte freundliche oder auch abfällige Gesten, Gedrängel durch Anhänger. Es fällt schwer, diesen Kandidaten und seinen Gestus im Rückblick ganz ernst zu nehmen, noch schwerer, manche damaligen Bedrohungsszenarien nachzuvollziehen. Umso stärker wird sichtbar, was dieser empfindsame Film und Kino überhaupt auch ist: eine Flaschenpost aus definitiv vergangenen Zeiten.