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Der IS und seine Medien : Selbstmordbomber willkommen

  • -Aktualisiert am

Posieren für den Islamischen Staat: Abdelhamid Abaaoud, Attentäter der Pariser Anschläge, in der Februarausgabe der IS-Zeitschrift „Dabiq“. Bild: AFP

Die Medien als Teil des Schreckens: Der „Islamische Staat“ inszeniert seine Terroristen in Zeitschriften, Videos oder im Internet und wirbt damit Nachwuchs an.

          Der Radiosender der Terrormiliz „Islamischer Staat“, der seit einigen Monaten regelmäßig auch in Englisch, Französisch, Russisch, Türkisch und Kurdisch sendet, nennt sich „Al-Bayan“. Der Name ist Programm – umso mehr, als der Begriff Moderne und Tradition verbindet, steht er im Arabischen doch zugleich für „Bekanntmachung“ und für den Koran und dessen Verkündung.

          Die tägliche, etwa siebenminütige arabischsprachige Nachrichtenausgabe – im Wesentlichen Kriegsberichterstattung – folgt schon seit Monaten dem immer gleichen Muster: Nach der kurzen Einblendung eines dschihadistischen Lieds (Naschid), das die islamische Umma preist und als leiser O-Ton den Nachrichtentext untermalt, werden stets „erfolgreiche“ Selbstmordanschläge von IS-Angehörigen gemeldet. Dabei verwendet der radikalsunnitische Sender den Terminus „amaliya istischhadiya“ (Märtyrertod-Operationen), den die schiitischen Erzfeinde und heutigen Kriegsgegner des IS geprägt haben: Die proiranische Hizbullah hatte den Begriff in den achtziger Jahren eingeführt.

          Die Suizidattentäter – „Istischhadiyin“ – der IS-Terrormiliz kommen, wie sie wissen lässt, sowohl offensiv wie defensiv zum Einsatz. Mal bomben sie den Weg für eine nachrückende Kampftruppe frei, dann wieder bremsen sie mit der Detonation ihrer gepanzerten, mit Sprengstoff beladenen Fahrzeuge den vorrückenden Gegner. Damit solche täglichen Meldungen von „Al-Bayan“ nicht im ständigen Informationsfluss untergehen, wird periodisch auf der Internetseite des IS über die von ihm verübten Selbstmordattentate gesondert Bericht erstattet – in einer Grafik für Oktober sind für Irak und Syrien 65 solcher Anschläge verzeichnet.

          Zwanzigminütige „Märtyrer“-Abschiede

          Derartige Angaben auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen ist nicht zuletzt deshalb mit einigem Aufwand verbunden, weil in den arabischen Medien für die in der Tat sehr zahlreichen Suizidoperationen des IS unterschiedliche Bezeichnungen zur Anwendung kommen. Auffallend ist, dass hier der Terminus „Selbstmord“ nicht fehlen darf, womit suggeriert wird, dass diese Form des Terrorismus, was die Islamisten gerne ausblenden, im Kern gegen das Suizidverbot im Islam verstößt.

          Bei der medialen Inszenierung seiner Selbstmordattentäter bedient sich der IS eines bereits seit drei Jahrzehnten etablierten Genres und verewigt sie einzeln auf Video oder zumindest in einer längeren Fotosequenz. Aber die Konkurrenz schläft nicht: Rivalisierende Terrormilizen, vor allem die Al Qaida nahestehende syrische „Nusra-Front“, sind in diesem Bereich ebenfalls äußerst produktiv. Der Konkurrenzdruck ließ die Abschiedsvideos zeitweise auf Längen von bis zu zwanzig Minuten anwachsen: Auf das Verlesen des „Testaments“, das nicht selten zur Hasspredigt geriet, folgten meist eine Abschiedsszene sowie das Besteigen des Fahrzeugs und die Fahrt zum Anschlagsziel. Den Schlussakkord bildete schließlich die Explosion, eine Szene, die meist mehrmals wiederholt wird.

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