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Leben mit Hund : Ein nützliches Mitglied der Gesellschaft

  • -Aktualisiert am

Zeigt her eure Pfötchen: Maniküre oder Pediküre, das ist hier die Frage. Bild: action press

Er ist die älteste Liebe des Menschen, und vom Glücksversprechen auf vier Beinen nährt sich eine ganze Industrie samt wissenschaftlicher Begleitung. Geschätzt als Flirtfaktor, gehasst als Dreckmacher: zur Lage des Hundes.

          Schon zweimal machte das Hundehalter-Magazin „Dogs“ mit dem Thema „Bin ich zu streng?“ auf, zuletzt Ende 2014. Die Dopplung war ein Versehen, aber die Titelgeschichten schlugen ein. Erziehungsfragen werden von der Klientel der Hochglanzzeitschrift („Europas größtes Hundemagazin“) ähnlich intensiv und kontrovers diskutiert, wie man es von Eltern kennt. „Bin ich zu streng?“, kann freilich auch eine Chiffre sein für die Suche nach der eigenen Position im Verhältnis zum Hund. Der Hund lag an einer Kette, er musste parieren: Das war einmal. Heute lässt ein Drittel der deutschen Halter den Hund nachts mit ins Bett. Die beliebtesten Hundenamen stammen von der Liste der populärsten Babynamen, sie lauten in Deutschland oft Ben, Emma oder Paula, in den Vereinigten Staaten Max, Sophie und Chloe. Acht Prozent der Halter kochen das Futter selbst. Die Lebenserwartung von Hunden hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte wegen der guten Lebensbedingungen verdoppelt. Fast zwei Drittel der deutschen Hundehalter schenken ihren Hunden etwas zu Weihnachten.

          Die Titelgeschichten von „Dogs“ spiegeln diese neue Innigkeit. Sie heißen „Freunde fürs Leben“, „Vom Wolf zum Freund“ und „Du gehörst zu mir“ – aber auch „Regeln, die er liebt“ und „Wer ist hier der Boss?“. „Jeder muss heute selbst dazu finden, wie er eine glückliche Beziehung mit dem eigenen Hund führen kann“, sagt Thomas Niederste-Werbeck, der Chefredakteur. „Dogs“ will dabei Orientierung bieten. Kaum jemand beobachtet die deutschen Hundehalter so akribisch wie die kleine Redaktion des Magazins in Hamburg. Niederste-Werbeck und seinen Kollegen geht es um Trends, die den Konsum der Halter bestimmen, aber eben auch um die Antriebe seiner Halter, mit dem Tier eine Lebensgemeinschaft zu führen: der Hund als Glücksversprechen.

          Der Markt für Hunde

          Letzteres wird auch streng empirisch untersucht: Seit vergangenem Jahr ist erstmals durch eine solide Studie der Heimtierindustrie wirklich geklärt, wie viele Hunde in Deutschland leben. Es sind 6,9 Millionen; der Hund ist damit das beliebteste Haustier nach der Katze (11,5 Millionen). Der Markt für Hunde und ihre Halter kommt in Deutschland jährlich auf 4,6 Milliarden Euro Umsatz – mehr als Katzen, Kaninchen, Hamster und alle anderen Heimtiere zusammen erbringen.

          Ein Hund am Timmendorfer Strand mit einem Apportierdummy. Bilderstrecke

          Inzwischen gibt es aber auch über solche Daten hinaus immer mehr biowissenschaftliche Antworten auf die Frage, was Hundehalter bewegt. Eine der spektakulärsten veröffentlichten vor einem Vierteljahr Forscher aus Harvard. Sie baten vierzehn Mütter kleiner Kinder, die gleichzeitig Hundehalterinnen waren, in einen Magnetresonanztomographen zu steigen, wo sie den Frauen zunächst Fotos von den eigenen Kindern, dann vom eigenen Hund vorführten. Während bei den Kinderfotos Teile des Belohnungs- und Bindungssystems im Gehirn der Frauen aktiv wurden, stießen die Hundefotos vor allem eine Reaktion in Hirnbereichen an, die visuelle Reize und die soziale Wiedererkennung von Individuen verarbeiten. Hier lägen entscheidende Unterschiede vor, resümierten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Plos One“. Offenbar sei die Evolution beider Beziehungen unterschiedlich verlaufen, auch die Funktion sei grundsätzlich eine andere.

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