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Neuer Fußballsender : Der FC Bayern bringt noch mehr Fernsehen in den Fußball

Fest im Blick: Nicht nur am Ball kann Philipp Lahm alles. Bild: dpa

Das hat noch gefehlt: Der FC Bayern München startet mit einem eigenen Sender. Die Spieler müssen jetzt noch mehr Interviews geben. Wird die Nachspielzeit niemals enden?

          Es kann nicht genug Fußball im Fernsehen geben. Denn die Zuschauer bekommen nicht genug davon. Gespielt wird im Ersten, Zweiten, in den Dritten, bei Sport1, Eurosport und Sky. Dort läuft allein die Bundesliga auf einem Dutzend Kanälen, 876 Millionen Euro gibt der Abosender dafür jährlich aus, die ARD lässt sich die Kurzfilmchen, die in der „Sportschau“ laufen, 133 Millionen Euro pro Jahr kosten, finanziert von uns allen.

          Dabei machen die Begegnungen auf dem grünen Rasen nur einen Teil des Spektakels aus. Rund um die Uhr gibt es Fußball-Nachrichten, der Sender Sky Sport News bringt fast nichts anderes. Wer genug hat von Merkel und Schulz, muss nur umschalten, schon wird er mit Bulletins zum Gesundheitszustand einzelner Spieler, Wechselgerüchten und Trainer-O-Tönen versorgt. Es gibt Pressekonferenzen vor und nach dem Kick, die Reporter am Spielfeldrand, die Experten im Studio und in der Talkshow.

          Und weil es davon noch nicht genug gibt, startet der FC Bayern am Montag seinen eigenen Sender. Kostenlos zu sehen für Kunden des Hauptsponsors Telekom in dessen Internetfernsehen „Entertain TV“, für alle anderen zum Abopreis von 5,95 Euro im Monat, geht „FC Bayern.tv live“ auf Sendung und berichtet nonstop, was an der Säbener Straße in München so los ist, was die Fußballspieler und -spielerinnen machen, die Jugendmannschaften und die Basketballer.

          Mia san Mia, Mia san Fernsehen: Der FC Bayern macht sein eigenes Programm.
          Mia san Mia, Mia san Fernsehen: Der FC Bayern macht sein eigenes Programm. : Bild: dpa

          Das wird beim Abosender Sky, der ohne Bundesliga und Bayern verloren ist und vom Discovery-Konzern bedrängt wird, mächtig ins Kontor schlagen. Die eigentlichen Leidtragenden sind aber – die Spieler. Kaum haben sie die Schuhe geschnürt, hält ihnen jemand das Mikro vor die Nase. Die Haare noch nass vom Duschen oder aus der Puste vom Sprint auf dem Trainingsplatz, fühlt ihnen ein Reporter den Puls und sollen sie etwas Wichtiges und am besten noch Witziges sagen, und das nicht nur in eine Kamera, sondern in eine nach der anderen (ohne sich zu wiederholen).

          Die wenigsten schaffen das mit der spitzbübisch-routinierten Nonchalance eines Philipp Lahm, dem man immer ansieht, wie er über den ganzen Zirkus innerlich schmunzelt. Für ihn ist diese nicht enden wollende Nachspielzeit am Ende der Saison vorbei, für alle anderen hat sie gerade erst begonnen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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