16.02.2010 · Sprach-Revolte im Altbayerischen: Ein Pädagoge aus Straubing erboste sich über das dortige Denglisch der „Kiss & Ride-Zone“ der deutschen Bahn, alarmierte daraufhin seinen CSU-Bundestagsabgeordneten, der wiederum sofort Bahn-Chef Grube ins Gebet nahm.
Von Hannes HintermeierAls in München nur saure Wiesen sumpften, „haben wir in Niederbayern schon Kultur gehabt“ – so hat es Erwin Huber, vormals Wadlbeißer, Stimmungskanone und Parteichef der CSU, soeben der „Süddeutschen Zeitung“ anvertraut. Hintergrund seiner Einschätzung ist die schwelende Denglisch-Debatte, in der sich Huber trotz seiner nach eigenen Angaben stetig gewachsenen Englischkompetenz als Defensor des Dialekts im Allgemeinen und als Verteidiger des christdemokratischen Kollegen Oettinger im Besonderen hervortut. Oettinger will seinem zusammengebissenen Schwänglisch nun mit Sprachkursen zu Gaumen rücken, auf dass er als Kommissar in Brüssel besser verstanden werde. Während der Schwabe, der alles kann außer Hochdeutsch und Englisch, auf die Weltsprache setzt, ist aus Altbayern heraus eine Revolution angestoßen worden, die dem Denglischen den Kampf ansagt. Auch der Oberbayer Peter Ramsauer (CSU) hat in seinem Bundesverkehrsministerium schon das „travel management“ verbannt und lässt jetzt wieder in der „Reisestelle“ buchen. Wie er das allerdings Sandra Bullock erklären will, der Cousine seiner Frau, is his own problem.
Quo vadis, Bahnsprache?
In Bewegung geriet die Sprachreinigungswelle im schönen Straubing, wo man noch „Diredare“ statt „cash“ sagt. Dort wurde angeblich am Bahnhof ein Taferl gesichtet mit der Aufschrift „Kiss & Ride-Zone“ – neudeutsch für „Kurzzeitparkzone“. Das erboste einen pensionierten Pädagogen derart, dass er seinen noch immer nicht pensionierten Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken (CSU) alarmierte. Der setzte in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für den Tourismus Bahnchef Grube dermaßen unter Druck, dass dieser nun brieflich Besserung gelobte. Der Benutzer hätte sich gern an Hinskens Triumph berauscht, aber dessen Heimatseite im Internet wird „derzeit aktualisiert“, vermutlich auch deenglisiert. Es ist nämlich nicht so, dass die CSU die geborene Sprachpflegerpartei wäre, im Gegenteil ist seit den Tagen Edmund „Cluster“ Stoibers die Sloganitis epidemisch geworden („Meet and greet, „getAzubi“, „Be hard, drink soft“). Quo vadis, Bahnsprache? Nichts mehr mit „Senk ju vor träwelling“, kein Carsharing, Rail & Fly, keine Widgets, Essentials und Services, keine Mobility Networks Logistics in Last Minute? Löst nun die Kaassemmel das gute alte Cheesesandwich ab? Eadepfe statt Potato-Chips? Stop the beginnings!