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Demographiepolitik ohne Konzept : Jedes Alter zahlt

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Bild: Greser & Lenz

Viel zu wenig, viel zu spät: Die Demographiestrategie der Bundesregierung ist ein Trauerspiel. So vergeuden wir die Jahre, die bleiben, bevor die Gesellschaft zu alt und zu krank wird.

          Heute verabschiedet das Bundeskabinett seine Demographiestrategie. Sie kommt mit einem gewissen Zeitverzug, denn seit 40 Jahren ist absehbar, wohin die Reise geht: Schon in den frühen 1970ern ist die Nachwuchszahl in Deutschland unter jenen Wert gesunken, der für eine stabile Bevölkerung notwendig wäre. Seit Mitte der 60er hat sich die Zahl der jährlich Neugeborenen in Deutschland mehr als halbiert. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung um zehn Jahre gestiegen. Die Alterung der Gesellschaft und ihr langfristiger Schwund waren damit so früh programmiert wie in keinem anderen Land.

          In den vier Jahrzehnten, in denen der demographische Wandel zunächst unbemerkt in unser Leben eingedrungen ist, haben die Nachkriegsgenerationen ihre produktivste und für die Gesellschaft einträglichste Phase durchlebt. Deutschland hat eine „demographische Dividende“ eingefahren, was immer dann möglich ist, wenn der Anteil der Erwerbsfähigen an der gesamten Bevölkerung besonders groß ist. Es war also vier Jahrzehnte lang Zeit, Rücklagen für die absehbaren Verrentungswellen zu bilden, für die Lücken am Arbeitsmarkt vorauszuplanen, eine moderne Familienpolitik zu entwerfen, die den jungen Menschen Zuversicht und Sicherheit gewährt, und alles zu tun, um das schwindende Erwerbspotential durch bessere Bildung zu kompensieren. Doch die unterschiedlichsten Regierungen der Bundesrepublik haben die goldenen Zeiten verstreichen lassen. Jetzt ist es höchste Zeit, die Auswirkungen des demographischen Wandels auf allen Ebenen abzumildern. Genau das wäre eine Demographiestrategie.

          Das Werk mit dem Titel „Jedes Alter zählt“ ist jedoch keine Strategie, sondern im Wesentlichen eine kleinteilige Bestandsaufnahme von Programmen, Initiativen und Forschungsvorhaben, die ohnehin bereits existieren, von der Initiative „Mehr Männer in Kitas“ über die Forschungsagenda „Das Alter hat Zukunft“, den „Nationalen Aktionsplan Integration“ bis hin zum Aktionsprogramm „Regionale Daseinsvorsorge“. Eine wirkliche Strategie müsste erstens auf einer schonungslosen Analyse aufbauen, zweitens ein langfristiges, klares Ziel vorgeben und drittens erklären, mit welchen Eingriffen dieses Ziel unter Berücksichtigung der verfügbaren Mittel und Möglichkeiten zu erreichen wäre.

          Deutschlands Bevölkerungsaufbau Bilderstrecke

          Interessanterweise hat die Bundesregierung im vergangenen Oktober mit ihrem Demographiebericht eine Analyse vorgelegt, die einen Großteil der Herausforderungen klar beschreibt, seien es die Probleme der umlagefinanzierten Sozialsysteme oder die demographische Abwärtsspirale in vielen ländlichen Gebieten. Das Ziel der Bundesregierung jedoch ist hoffnungslos überdimensioniert: Mit der Demographiestrategie will sie Wirtschaftsdynamik und Innovationskraft stärken, Familien unterstützen, Hilfe für Hochbetagte und Pflegebedürftige bereitstellen, flächendeckend für eine Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen sorgen und dergleichen mehr. Hinzu kommt eine Reihe von Allgemeinplätzen, die in jedes Parteiprogramm passen: Chancen eröffnen, Potentiale entwickeln, Wachstum und Wohlstand sichern. Und alles unter der Garantie nachhaltiger, gesunder Finanzen.

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