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Zukunft der Zeitung Das epische Medium

Der Tod der Zeitung wird beschworen ohne Unterlass, im Internet vor allem. Doch dem Druckmedium die Messe zu singen ist falsch. Der Journalismus hat uns online und offline noch viel zu sagen.

© dpa Vergrößern Viel Rauch um eine Zeitung: Überlebt die „New York Times”?

Ein sentimentaler Moment, ein Schlag für den Journalismus, aber keine Katastrophe, so beschreibt Michael Hirschorn in einem Beitrag für das Magazin „Atlantic Monthly“ das Ende der „New York Times“. Haben wir etwas verpasst? Noch gibt es die Zeitung doch wohl. Richtig, sagt auch Hirschorn, aber nicht mehr lange. Der Schuldenberg von einer Milliarde Dollar und das kaum nennenswerte Cashpölsterchen von nicht einmal fünfzig Millionen Dollar geben ihr noch ein paar Monate, dann war’s das. Im Mai ist die Sache vorbei.

Hirschorn springt auf einen Zug auf, der schon lange durchs Netz rast. Tag für Tag werden die Prognosen zur Zukunft der Zeitungen weitergereicht und mit Informationen oder Spekulationen angereichert. Meist ist die Rede vom Ende von irgendwas. Die „Times“ ist häufig Gegenstand dieser Spekulationen, weil sie als das globale Repräsentationsobjekt für den bedrohten Qualitätsjournalismus gilt. Er stirbt, wenn die Zeitung stirbt. Und mit ihm geht ein ganzes Milieu unter: die Informationsbohème. Diese lose Gruppierung unangepasster Informationsjunkies, die so gut zum Internetzeitalter passt und doch fast anachronistisch nicht auf ihre Zeitungslektüre verzichten will. Mit der Zeitung unter dem Arm ins Café, zum Termin oder auf den Zug, darin steckt nicht nur der analoge Zugang zu Aktualität und Wissen, darin spiegelt sich ein Selbstentwurf. Und da diese Gruppe sich gerne selbst spiegelt, auch medial, beeinflusst sie in überproportionaler Intensität den öffentlichen Diskurs über das angebliche Ende der Zeitung.

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Hart, aber erfolglos

Diesen Entwurf hat eine der zahlreichen Prognosen im Internet aufgegriffen. Das fiktive „Museum of Media History“ präsentiert im Netz einen zehnminütigen Film zur Medienzukunft: „epic 2015“. Der Film, hergestellt von zwei Mitarbeitern des Poynter Institute in Florida, prognostiziert die Zukunft der Informationen, die bald alle in einem „evolving personalized information construct“ verbunden werden. Das „Google Grid“ liefert die universelle Plattform für dieses Konstrukt mit entsprechender Bandbreite, um alle Informations- und Kommunikationsangebote zu bündeln, zu filtern und dem Nutzer zur Verfügung zu stellen. Die „New York Times“ führt in diesem Szenario einen harten, aber letztlich erfolglosen Kampf gegen den neuen Medienmogul „Googlezon“, eine Megafusion von Google und Amazon. Im Jahr 2010 wird sie zu einem reinen Onlinemedium auf Basis bezahlter Inhalte. 2014 geht sie offline. Die „Times“ existiert von da an nur als gedrucktes Medium für die Elite und die Älteren.

Ist das die Zukunft der Zeitung? Sie könnte es sein, wenn einzelne Verlagsrepräsentanten weiter in hysterischer Verunsicherung auf das Internet starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Sie könnte es sein, wenn traditionelle Zeitungskonzepte eins zu eins ins Netz übertragen werden, ohne dass Verleger und Journalisten sich die Mühe machen, Besonderheiten der Netzwelt zu erkennen und zu nutzen, um eine andere und komplementäre Medienkultur zu entwickeln und zu etablieren. Sie könnte es sein, wenn leitende Redakteure weiterhin glauben, online sei zweitklassig und deshalb zeitweilig „Onlinesperren“ über ihre Printredaktionen verhängen. Sie könnte es auch sein, wenn wir weiterhin nicht sauber zwischen derzeitiger Wirtschaftskrise und strukturellem Medienwandel unterscheiden. Beide treiben sie die Verlage in die Enge, verlangen aber unterschiedliche Lösungsansätze. Und sie könnte es sein, wenn Budgetkürzungen und Streichungen weiter dort vorgenommen werden, wo das Herz der Zeitung schlägt: bei Recherche und eigenen Inhalten, also dort, wo Journalismus richtig Geld kostet, aber eben auch Qualitätsprodukte und Preiswürdiges hervorbringt.

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