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Protest der ZDF-Redakteure : Aus dem Giftschrank zurück in die Mediathek?

  • Aktualisiert am

Ein „Dokument der Zeitgeschichte“? ZDF-Redakteure machen sich für die Rückkehr von Böhmermanns „Schmähkritik“ in die Mediathek stark. Bild: ZDF Neo

Kommt Böhmermanns umstrittene „Schmähkritik“ doch wieder in die Mediathek? Das ZDF weist den in einem Brief verbreiteten Wunsch seines Redakteursausschusses zurück. Doch das Gremium fordert noch mehr.

          Der Weg in den Giftschrank war kurz: Am 1. April, gleich am Tag nach der Ausstrahlung bei ZDF Neo und noch vor der Wiederholung der Sendung im Spätprogramm des Hauptsenders, war die als „Schmähkritik“ diskutierte Passage aus Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ genommen worden, die seither für Furore sorgt. In der Mediathek, bei Youtube und auch in der Wiederholung der Sendung fehlt sie seither.

          Es gebe Grenzen der Ironie und der Satire, hatte der ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler damals gesagt, und auch wenn sein Sender bekannt dafür sei, „dass wir bei unseren Satire-Formaten breite Schultern haben und den Protagonisten große Freiräume geben“, habe Böhmermann in diesem Fall die Grenzen „klar überschritten“.

          Jetzt will der Redakteursausschuss des ZDF die Passage doch wieder in der Mediathek zeigen. In einem Schreiben, das, wie „Spiegel online“ berichtet, an diesem Donnerstag morgen alle Büros der ZDF-Zentrale am Mainzer Lerchenberg erreichte, bezeichnet das Gremium das Gedicht als „Dokument der Zeitgeschichte“, das wieder offen zugänglich sein solle.

          „Es ist das gute Recht des Redakteursausschusses, diese Meinung zu vertreten“, antwortet der Sender, „das ZDF bleibt aber bei seiner Entscheidung, das umstrittene 'Schmähgedicht' nicht mehr zu verbreiten, weil die Passage nicht den Qualitätsansprüchen und Regularien des ZDF entspricht.“

          Die Redakteure indes sehen mit dem „Neo Magazin Royale“ vom 31. März ihren „Programmauftrag erfüllt“: Die Sendung „bewegt Regierungschefs und ersetzt ein juristisches Proseminar“. Jetzt allerdings werde der ZDF-Führung „teilweise vorauseilender Gehorsam“ nachgesagt, die Programmmacher seien verunsichert. Die Frage, wie weit Satire im ZDF – auch in anderen Sendungen – gehen dürfe, die Frage nach Qualitätsstandards müsse mit den „Verantwortlichen des Hauses“ diskutiert werden. Vielleicht auch gleich die Auslegung des Programmauftrags.

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