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Islamkritiker in Gefahr : Wer hat sie verraten? Googles Youtube-Daten!

  • -Aktualisiert am

Die Drohung kam per E-Mail: Sabatina James moderiert beim islamkritischen Youtube-Sender Al Hayat TV, der von Islamisten attackiert wird Bild: Gaby Gerster/laif

Wer auf der Videoplattform Youtube Mut zeigt und gegen Islamisten frei redet, ist in Gefahr: Das Netzunternehmen, das zu Google gehört, leitet personenbezogene Daten auch an radikale Verfolger weiter.

          Ein Mitarbeiter des islamkritischen Senders Al Hayat TV, der auf der Internetvideoplattform Youtube sendet, musste nach Morddrohungen von Islamisten untertauchen. Sein Name war auf schwarzen Listen von Al Qaida aufgetaucht - und zwar durch die Mithilfe von Youtube-Mitarbeitern, also Angestellten einer hundertprozentigen Google-Tochter. Juristisch ist Youtube kein Vorwurf zu machen, da es nach den Firmenrichtlinien eine Kontaktperson geben muss, wie jede Website im Internet ein Impressum aufweist. Der Einfluss des Rechtsstaats kommt hier an Grenzen. Doch dieser Fall zeigt, dass sich dringend etwas ändern muss. Was ist geschehen?

          Al Hayat ist ein großer arabischer Sender, initiiert von zum Christentum konvertierten Arabern, die Islamkritik betreiben. In Deutschland gibt es seit einiger Zeit einen kleinen Online-Ableger, der ehrenamtlich betrieben wird. Um Inhalte bei Youtube zu veröffentlichen, muss man sich nur mit einem Nutzernamen und einer E-Mail-Adresse anmelden. Geht man auf die Youtube-Seite und ist eingeloggt in einem Google-Account, übernimmt der Server die Daten. Ein anonymisierter Zugang aber ist ein Kinderspiel. Das bedeutet natürlich nicht, dass ein Offenlegen der Daten oder ein Tracking des Nutzers immer möglich sind. Doch im Schutz einer Organisation wie Al Hayat TV kann man dort relativ frei und einigermaßen ungefährdet seine Meinung äußern. Doch nur wenige Ex-Muslime sind so mutig, dort ihr Gesicht zu zeigen.

          Moderiert wird die Sendung daher von der bekannten Frauenrechtlerin Sabatina James und dem ehemaligen Islamisten Barino Barsoum, der schon mit Peter Scholl-Latour bei Maischberger seine Haltung zum Islam diskutierte. Sie sind jedoch die Einzigen, die sich öffentlich zeigen. Sonst übernehmen Avatar-Figuren ihren Job.

          Nur persönliche Daten verhindern die Schließung

          Der Sender wendet sich mit Koranexegese direkt an Salafisten. „Wir wissen aus eigener Erfahrung“, sagt Sabatina James, die selbst eine Koranschule in Pakistan besuchte, „dass man nur mit Quellenarbeit überhaupt etwas erreichen kann.“ Am Anfang seien sie nicht ernst genommen worden, doch seit ihre Klickzahlen die Millionengrenze überschritten hätten, sei auch der Druck von außen gestiegen. Die Youtube-Seite werde mit schlimmsten Beschimpfungen geflutet, man löscht die Drohungen unter Mühen.

          Am 25. September dann meldete sich bei der Copyrightabteilung von Youtube jemand unter dem christlichen Namen „FirstCrist, Copyright“ und behauptete, Al Hayat TV habe Urheberrechte verletzt. Daraufhin teilte Youtube den Betreibern von Al Hayat mit, dass der Sender im Fall von nur zwei weiteren Beschwerden geschlossen werde - es sei denn, er reiche eine „Gegendarstellung“ ein. Dadurch würden allerdings die persönlichen Daten an den Beschwerdeführer weitergeleitet. Der Passus dazu liest sich bei Google so: „Nach Erhalt deiner Gegendarstellung leiten wir sie an den Nutzer weiter, der den ursprünglichen Urheberrechtsanspruch eingereicht hat. Beachte bitte, dass bei der Weiterleitung der Meldung auch deine personenbezogenen Daten gesendet werden. Durch das Einreichen einer Gegendarstellung stimmst du zu, dass deine Daten auf diese Art offengelegt werden. Wir leiten die Gegendarstellung ausschließlich an den ursprünglichen Beschwerdeführer weiter.“ Die Nachricht wurde von der E-Mail-Adresse copyright@youtube.com versendet, Absender „The YouTube Copyright Team“. Persönlicher wurde der Kontakt mit Al Hayat im Verlauf dieses Dramas nicht mehr.

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