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Yildirims Söhne : Wessen Geld liegt in Malta?

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim verklagt die Oppositionszeitung „Cumhuriyet“. Bild: AFP

Als einzige hat die Oppositionszeitung „Cumhuriyet“ über die Söhne des türkischen Ministerpräsidenten Yildirim und die „Paradise Papers“ berichtet. Jetzt verklagt er die Zeitung dafür.

          Zunächst hatte die türkische Presse überhaupt nicht über Ministerpräsident Yildirims Söhne und die „Paradise Papers“ berichtet. Alle schwiegen, nur die Oppositionszeitung „Cumhuriyet“, die dem internationalen Presseverbund angehört, der sich mit den Dateien beschäftigte, trat vor. Sie berichtete, dass Yildirims Söhne Erkam und Bülent, außerdem ein Neffe und ein Onkel, Offshore-Firmen auf Malta besäßen oder in Geschäfte mit solchen Unternehmen verwickelt seien. Insgesamt 75 türkische Politiker und Wirtschaftsleute führten solche Geschäfte, berichtete die Zeitung. Am heftigsten darauf reagiert hat die Familie Yildirim.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dienstag vor einer Woche schnurrte Ministerpräsident Yildirim noch selbstbewusst in Journalisten-Mikrofone, der maritime Sektor sei ein globales Geschäft und völlig frei von Geheimnissen. Er selbst habe früher dort investiert, die Geschäfte aber 2002, mit Beginn seiner politischen Karriere, an die Söhne übergeben. Dass man niemals Geschäfte mit dem Staat und mit öffentlichen Mitteln machen soll, habe er ihnen eingeschärft, sagte der Einundsechzigjährige. Und deshalb rufe er die Justiz jetzt auf, den Vorwürfen nachzugehen. „Es ist nicht hinnehmbar, dass jemand grundlos angeklagt wird. Wir existieren durch unseren Stolz. Wir haben unsere Leben unserem Land und der Nation gewidmet. Unser größter Reichtum ist unsere Würde, alles andere ist vergänglich.“

          Zumindest Erkam Yildirim ist dem angeblichen Rat des Vaters offenbar nicht gefolgt. Das enthüllte „Cumhuriyet“ pikanterweise schon am darauffolgenden Tag. Die Zeitung zitiert aus Dokumenten, denen zufolge der Sohn erst vor acht Monaten über seine maltesische Offshore-Firma Nova Warrior Ltd. einen staatlichen Sieben-Millionen-Dollar-Auftrag erhalten habe. Dass auch an Yildirims Worten über Würde und Stolz nicht viel drangewesen ist oder er eine sehr spezielle Vorstellung von beidem hat, erfuhr die „Cumhuriyet“ am vergangenen Wochenende. Der Ministerpräsident reichte Klage gegen die Zeitung ein. Wegen „Verletzung der Persönlichkeitsrechte“ und „einer Veröffentlichung mit speziellem Akzent auf Beleidigung und Verhöhnung“ soll die Zeitung umgerechnet 111000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Eine parlamentarische Untersuchung zu den Malta-Geschäften, angeregt von den Oppositionsparteien HDP und CHP, hat Erdogans AKP am Mittwoch mit ihrer Mehrheit verhindert. Verwunderlich ist das nicht, sollen die „Paradise Papers“ doch auch auf Verbindungen zwischen Offshore-Firmen und Unternehmen der Entourage des Staatspräsidenten verweisen.

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