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Amerikas Nationalismus : Der lange Schatten des Rassismus

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Donald Trump, der Enkel eines Einwanderers, könnte eigentlich ein Fürsprecher der Immigration sein und setzt dennoch die Tradition der Abschottung fort. Bild: EPA

Donald Trump versetzt mit seiner Einwanderungspolitik die halbe Welt in Schrecken. Doch im Grunde schreibt er mit seinem xenophoben Nationalismus nur amerikanische Traditionen fort. Ein Gastbeitrag.

          Der 3. Oktober 1965 war eine Sternstunde der amerikanischen Geschichte. Symbolträchtig am Fuße der Freiheitsstatue sitzend, unterzeichnete der demokratische Präsident Lyndon B. Johnson ein neues Einwanderungsgesetz, das die bisherigen, extrem illiberalen Regelungen ersetzte. Diese passten nicht mehr zu einem Land, das sich anschickte, Rassenschranken niederzureißen. Johnson wollte Amerika von Grund auf modernisieren. Das neue Gesetz verbot jede Diskriminierung potentieller Einwanderer nach ihrer Nationalität, Herkunft oder Ethnizität. Mit überwältigender Mehrheit und der Unterstützung vieler Republikaner passierte es den Kongress.

          Momentan erleben wir einen Rückfall hinter die damaligen Errungenschaften. Donald Trump diffamierte im Wahlkampf Einwanderer aus Mexiko pauschal als Verbrecher und Muslime als Terrorverdächtige. Möglichst viele der etwa elf Millionen illegalen Migranten sollen deportiert werden, obwohl sie auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden. Aktuell fürchten die kalifornischen Plantagenbesitzer um ihre Ernte und viele Bürger um die Grundwerte ihres Staates, der seit seiner Gründung Religionsfreiheit, die Gleichheit aller Menschen und universale Freiheitsrechte hochhält. Ein neues Einwanderungsregime entsteht, das oft als historische Zäsur beschrieben wird. Tatsächlich knüpft es aber an eine lange Tradition der Diskriminierung von Einwanderern an.

          Antikatholizismus gehörte zum kulturellen Repertoire

          Bis 1875 gab es keinerlei rechtliche Barrieren für Immigranten. Zwischen 1840 und 1914 kamen 24 Millionen Einwanderer in die Vereinigten Staaten. Die Politik der offenen Tür war für das aufstrebende Land sinnvoll, wurden Arbeitskräfte doch händeringend gesucht. Trotzdem begrüßte die eingesessene Bevölkerung die Immigranten keineswegs mit offenen Armen. In den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts entstand eine nativistische Partei, die gebürtige Amerikaner vor den Neuankömmlingen schützen wollte. Viele ihrer Mitglieder waren Protestanten, die gegen Katholiken aus Irland und Deutschland agitierten. Der Antikatholizismus gehörte seit der Kolonialzeit zum kulturellen Repertoire des Landes, wirkt sich aber politisch erst seit jenen Jahren aus, als Hungersnöte Hunderttausende von Iren und Deutsche über den Atlantik trieben. In manchen Städten geriet die eingesessene Bevölkerung in die Minderheit. Wohnungsnot und verschärfte Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt waren die Folge.

          Verschwörungstheorien grassierten. Die Einwanderer schienen die Vorhut des Papstes zu sein. Seine Armee, so die damaligen Fake News, würde Amerika bald angreifen und in Cincinnati einen neuen Vatikan errichten. Katholiken seien aufgrund ihres Gehorsamsgelübdes gegenüber dem Papst unzuverlässig und nicht integrierbar. In den Zentren der katholischen Einwanderung in Neuengland kam es wiederholt zu blutigen Übergriffen. Katholische Priester wurden geteert und gefedert, ihre Kirchen Brand gesteckt. Seit dem Bürgerkrieg verlor der Nativismus an Bedeutung. Gleichwohl blieben Katholiken Bürger zweiter Klasse. Erst 1961 bezog mit John F. Kennedy der erste und bis heute einzige Katholik das Weiße Haus.

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