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Veröffentlicht: 02.01.2012, 16:59 Uhr

Wulffs Drohung Der Anruf des Bundespräsidenten

Christian Wulff hat der „Bild“-Zeitung den Bruch mit ihr angedroht, sollte sie über seinen Privatkredit berichten. Was dieses Telefonat über den ersten Mann im Staat und seinen Stil verrät.

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Es war in Kuweit schon fast Abendessenszeit, als der Bundespräsident den Chefredakteur der „Bild“-Zeitung zu erreichen versuchte. Der war gerade in New York, dort war Mittagszeit. Entscheidend aber war an jenem schicksalhaften Tag die Stuttgarter Zeit. Dort hatten sich die Mitarbeiter der BW-Bank gerade in den Feierabend verabschiedet, zuvor aber einen wichtigen Vertrag ausgefertigt. Mit ihm wurde dem Bundespräsidenten ein ordentliches Bankdarlehen zu einem Zinssatz von 3,62 Prozent ermöglicht. Dieser Vertrag sah - sollte man ihn offenlegen müssen - schon ziviler aus als der vorige, kurzfristige Kredit, für den lediglich 2,1 Prozent zu zahlen waren. So jedenfalls wurde das jüngste Kapitel der Wulff-Saga von Journalisten rekonstruiert.

Wir stellen uns einen Einakter vor, wie ihn René Pollesch schreiben könnte: Der Bundespräsident, der zum Diner beim Emir von Kuweit muss, ruft Kai Diekmann an. Er weiß sowohl, dass die „Bild“ einen Artikel über seine Kredite plant, als auch, dass sein neuer, vorzeigbarer Kredit fertig ist. Daraufhin bespricht er die Mailbox Diekmanns in der Absicht, den Tenor des Artikels zu verändern oder sein Erscheinen ganz zu verhindern. Er bittet, mit der Veröffentlichung zu warten, bis man sich zusammensetzen könne, die Dinge erörtern könne, und dann, sagt er, könne man immer noch sehen, „wie wir den Krieg führen“.

Zwischen Rachedurst und Sehnsucht

So viel Mitteilungsdrang zeigt Christian Wulff auf der Mailbox eines mächtigen Journalisten, nicht etwa gegenüber der deutschen Öffentlichkeit. Die hätte, wären sich die Herren im Wulffschen Sinne einig geworden, wohl nie etwas von Edith und Egon erfahren, nichts von Minizinsen ohne Sicherheiten und all den anderen kleinen Vorteilen, die ihm wie verhext immer so zufliegen. Der Bundespräsident redet auf Augenhöhe mit dieser Mailbox. Er macht seinem Herzen Luft, es ist nicht nur ein Droh-, es ist auch ein Lockanruf.

Christian Wulff klingt dort wie ein Ex, der noch lange nach der Trennung zwischen Rachedurst und Sehnsucht schwankt und beseelt zum spätabendlichen Monolog ansetzt - es ist der Stoff, aus dem Countrysongs gedichtet werden. In denen geht es um die Einsamkeit der Fernfahrer, der Präsident, der in vier Golfstaaten unterwegs ist, beschwört die Dichte der Termine und die Ferne der Heimat, und er wütet dann, kündigt den „Bruch“ mit Springer an, sollte der Artikel veröffentlicht werden. Ein Bruch, den er nicht möchte, darum schlägt er eine baldige Besprechung vor.

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