02.01.2012 · Christian Wulff hat der „Bild“-Zeitung den Bruch mit ihr angedroht, sollte sie über seinen Privatkredit berichten. Was dieses Telefonat über den ersten Mann im Staat und seinen Stil verrät.
Von Nils MinkmarRichtlinien für Lesermeinungen
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die BILD sollte den Text der mailbox-Nachricht publizieren, damit jeder selbst beurteilen kann, ob Wulff gestern erneut gelogen hat.
danke für den hinweis auf frau staatspräsidentin Bruni. gegen Sarko ist W. nach Ihrer eigenen darstellung doch wirklich auf samtpfoten angeschlichen. und von anderen franz. staatspräsidenten , Chirac und ... -name wird im bedarfsfalle nachgeliefert- haben Sie nie gehört? fairness bitte auch im Feuilleton. da ist W. doch wirklich ein waisenknabe
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Aktualität von Erich Kästners "Schule der Diktatoren"
Dies Theaterstück von Erich Kästner erschien 1957.
Die Gruppe der wirklich Mächtigen unterhält ein Institut, wo
eine ganze Reihe von identisch aussehenden, sich gleich verhaltenden
Ersatz-Präsidenten ausgebildet oder hergestellt wird, die immer,
wenn der jeweils im Licht der Öffentlichkeit stehende
Präsident versagt oder einem Attentat zum Opfer fällt, an
dessen Stelle treten kann, ohne daß das Volk irgendwas von diesem
Austausch mitbekommt.
Kästner hat anscheinend schon vor über 50 Jahren gewußt,
wie heute in der Bundesrepublik austauschbare Präsidenten
ausgetauscht werden, damit nicht die Erkenntnis aufkeimen kann,
daß der Kaiser eben nackt ist.
"Die Schule der Diktatoren" ist noch im Buchhandel
erhältlich, auch als Taschenbuch (bei dtv). Man sollte es mal
wieder lesen. Aufgeführt wirde es ja schon. In Berlin und im
Springer-Verlag.
Kollateralschaden ist grenzenlos
Der Begleitschaden ist für mich weitaus schlimmer als alles andere.
Meine pubertären Kinder
sind mir total entglitten. "Meine Moralvorstellungen seien gestrig!
Wenn ich im Leben mehr
den Wulff oder Guttenberg gemacht hätte, ginge es uns allen heute
besser. Mit Moral,
Kirche und Glauben könne man nicht mehr punkten". Was soll ich
dem noch entgegen halten?
Die Politikverdrossenheit hat bei vielen den Höhepunkt erreicht.
Horst Köhler wurde auch wie Christian Wulff durch die Kanzlerinnen-Partei
plus FDP für das Amt nominiert, war aber weniger ein politischer Mann als ein Ökonom, der leider in seiner zu kurzen Amtszeit zu wenig aus seinem ökonomischen Sachverstand - als Mahner und Wegweiser - machte. Er war kein "Parteisoldat", der Wulff nun mal ist, sondern ein weltläufiger Mann mit entsprechenden Kontakten. Dies alles machte ihn unabhängiger von politischen Rücksichtnahmen. Wulff hat wohl von der Kanzlerin noch kein grünes Licht für einen Rücktritt bekommen. Wenn er demissionieren würde, sehe ich das nicht als Staatskrise, sondern als letzte Warnung an diejenigen, die ihn auf den Schild gehoben haben, doch in Zukunft ihre Auswahlkriterien zu überprüfen und weniger Machterhalt als das Wohl des Volkes als erste Priorität zu sehen, was sie auch in ihrem Amtseid schwören.
Es ist erschreckend zu erkennen, dass der Umgang des Amtsträgers
Wulff mit dem höchsten Staatsamt inzwischen zu einem burlesken
Zwischenspiel in der Tragödie der Opferung des deutschen
Mittelstands durch Merkel und Schäuble auf dem Altar der Eurozone
verkommen ist. Das soll der Ablenkung und Aufmunterung des Packs dienen,
es bis zu seiner weiteren Prekarisierung noch etwas "bei Laune
halten". Wie entwürdigend.
Das hat dieses Amt auch in Anbetracht der fast ausnahmslos kompetenten
und weisen (!) Vorgänger Wulffs nicht verdient. Die
Beschädigung ging indes von einer Kanzlerin aus, die nach dem
Rücktritt Horst Köhlers aus durchaus respektablen Gründen
das vakante Präsidentenamt mit Wulff besetzte. Der musste aus
Konkurrenzgründen eh nach oben "weggelobt" werden. Das
Küchenkabinett hatte da wohl jemanden überschätzt
und/oder das Amt gering geschätzt.
Irritierend ist auch, dass Herr Wulf am 12.12.2011und damit vor etwa drei Wochen mit der Bild telefoniert hat. Bild veröffentlicht das aber erst jetzt. Vielleicht brauchten die Redakteure so lange, um den Inhalt zu verstehen. Vielleicht haben sie sich auch etwas anderes gedacht....
Erschütternd, wie selbst eine seriöse konservative Zeitung die niedersächsische Provinzposse in Deutschlands moralisch höchstem politischen Amt durch den Kakao zieht. „Der Bundespräsident redet auf Augenhöhe mit dieser Mailbox.“ Enttäuschend für uns alle, dass der BP tatsächlich der BILD einen so hohen Stellenwert zumisst, ihr droht und ihr gleichzeitig hinterherläuft. So läuft also MeinungsBILDung. Amüsant traurig, große Reden vor den Arabern über Pressefreiheit zu schwingen und zeitnah dann gegenüber dem Bodensatz deutscher Presse so zu tun also sei man selber ein morgenländischer Potentat mit göttlicher Weisungsbefugnis. Das wäre vielleicht halb so tragisch und eine Anekdote am Rande, wäre es nicht ein Baustein in einer beschämenden Kette von Nichts-, Halb- oder Nachhersagen. Der Autor des FAZ-Artikels hat es treffend beschrieben, was ein BP sein sollte „Es ist kein Amt für Geiz, weder materiellen noch geistigen.“. Nur Kandidaten, die diesen Anspruch erfüllen, findet man unter den j
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 03.01.2012 12:13 UhrTitel eingeben
Nur Kandidaten, die diesen Anspruch erfüllen, findet man unter den
jüngeren Politikern kaum, zu sehr sind sie durch das politische
System des notwendigen Anbiederns und der Pfründe verdorben. Es
spricht vieles dafür, den nächsten BP nicht aus der Politik,
sondern aus den honorigen Bürgern unseres Landes zu wählen.
Davon haben wir ja noch ein paar. BILD und SPIEGEL (und wer sich sonst
berufen fühlt) machen dann einen Stresstest mit dem Kandidaten,
damit alles klar ist und ein Strich gezogen werden kann. Und dann ist
er/sie Bundespräsident und moralische Größe! Ob dann
später noch irgendwem irgendein Sündenfall aus Studienzeiten
einfallen sollte, es wird und darf keinen mehr interessieren.
Wo bleiben denn in dieser Causa die Hunderttausende, die beim Gutti noch
FÜR solch Schwiegermuttertraum votiert haben und alle Vorwürfe
beiseite schoben?
Und hier? Beim ach-so-sympathischen Lächler und keinem-weh-tuenden
Wulff: Kaum mal einer?
Es liegt wohl an der schrecklichen Macht der Blödzeitung. Die stand
hinter Gutti (und damit auch all die hunderttausend ahnungsbefreuten
Deppen).
Das gleiche volkstümelnde Schmierenblatt ist nun GEGEN Wulff. Ergo:
diesmal ist keiner der Deppen FÜR Wulff.
.
Guttenberg war deshalb Favorit der (Deppen-)Massen,
weil er Klasse hatte und ein Paradiesvogel im grauen Politiker-Einerlei
war. Bei Wulff sehe ich nur spießige Mittelmäßigkeit.
Mehr nicht. Heute las ich irgendwo: "Ein Bundespräsident
lädt ein - er lässt sich nicht einladen. Wie wahr.
Mit den SchönenReichen auf Augenhöhe sein... Toll. Wenn man an
der Fassade kratzt, findet man: Nichts...
Verantwortung auch bei "Bild" und Merkel
Christian Wulff hat sich einen eigenen Irrgarten geschaffen und findet
selbst nicht mehr heraus. Er trickst(e) ein wenig hier und da, mal knapp
über, mal knapp unter der roten Linie.
Der bewußt herbeigeführte Ehebruch mit seiner kirchlich
Angetrauten aber war kein Kavaliersdelikt. Und daß er Papst
Benedikt nötigen wollte, diesen Bruch gleichsam abzusegnen, sagt ja
alles.
Wulffs langjähriges Leib- und Magenblatt, die Bildzeitung, sowie
die Frau Bundeskanzlerin und andere müssen sich nun erklären-
und eigentlich abtreten so wie ihrer beider Ziehsohn. Denn diese
gehören zur Wulff-Geschichte zwingend dazu.
Was sagt das über unser Land aus?
Horst Köhler musste zurücktreten, weil er die Wahrheit sagte. Wulff bleibt im Amt, obwohl er nachweislich gelogen hat. Verkehrte Welt.
Ich bin bereit, ihm alles nachzusehen, wenn...
...er ein Buch oder eine Broschüre mit einer detailierten Wegleitung zum "unglaublich günstigen Hausdarlehen für alle" herausgibt. Was die Pressefreiheit angeht, die hört natürlich da auf, wo sie einem selbst nicht gelegen kommt. Und Gewaltentrennung - ach, hören sie mir doch mit solchen Kinkerlitzchen auf! Worauf es wirklich ankommt? Schöne Aussichten an schönen Orten. Das alles wäre natürlich nicht passiert, wenn das Land Niedersachsen seinen Ministerpräsidenten - dem hohen Amt entsprechend - schon mit etwas mehr "belle vue" ausgestattet hätte. Ein knauseriges Land und eine spendable Unternehmerschaft - welch ein perfider Charaktertest für unsere hohen Amtsträger. Angesichts solch schier unerträglicher Bürden ist etwas Nachsicht in Volk und Mailboxen doch wohl nicht zu viel verlangt.
Ich glaube nicht, dass selbst in der Koalition noch jemand darüber
debattiert, ob Christian Wulff noch seines Amtes würdig ist. Dass
er das nicht ist und die Gründe stellt der vorliegende Artikel sehr
schön dar.
Ich gehe vielmehr davon aus, dass auch in Koalitionskreisen nur noch
eine Schadensabwägung erfolgt: Was schadet mehr, der Verbleib eines
unwürdigen Präsidenten im Amt oder der sofortige
Rücktritt. Diese Abwägung schadet aber natürlich dem Wert
das Amtes, das nicht zu beschädigen ja die Parteifreunde Wulffs
immer predigen.
Spannend die Rolle der Opposition: Keiner fordert den Rücktritt.
Vielleicht weil der nach der Neuwahl in Schleswig-Holstein
günstiger wäre, weil man dann eine eigene Mehrheit in der
Bundesversammlung haben könnte? Und wenn es so käme:
Würde man die Idee der letzten Präsidentenwahl wiederholen,
und einen Kanditaten küren, der Parteiübergreifend Zustimmung
bekommen kann? Oder wird mit eigener Mehrheit dann auch nur wieder ein
Parteifreund versorgt?
dass die Staatsanwaltschaft, bei der mehr als zwanzig Anzeigen gegen
Wulff wegen Nötigung, Eptressung, Vorteilsannahme usw.- es sei auf
die entsprechenden Berichte in den Medien verwiesen - eingegangen sind,
die Ermittlungen noch nicht einmal aufgenommen hat, weil ein
"Anfangsverdacht" nicht vorläge.
Das schafft so richtig Vertrauen in unseren "Rechtsstaat"!
mit einigen Höhepunkten, zum Beispiel dem Absatz, in dem die Parallele zwischen Wulff und Guttenberg aufgezeigt wird. Damit ist also auch eine Prognose für den weiteren Verlauf des Falles gegeben.
Mit dem Springer-Verlag brechen ... warum nicht gleich Selbstmord begehen?
Christian Wulff ist ein Nichts ohne die Unternehmerfreunde und die
Springerpresse und all die "staatsklugen", die ihn zu dem
gemacht haben, was er ist.
Über Nacht ist ihm wohl klargeworden, wie lächerlich er sich
mit so einer Drohung gemacht hat.
Ich denke, daß seine früheren Gönner ihn bald
abservieren werden, weil er ihnen so nichts mehr nützt. Die
"Staatsklugheit" taugt nur so lange, wie das Volk wirklich
glaubt, daß der Kaiser neue Kleider trägt.
Bei Andersen brauchte nur ein kleines Kind mit Fingern auf des Kaisers
Neue Kleider zu zeigen, und die Tatsache auszusprechen.
Ich finds schade, wenn Wulff abserviert wird. Ich möchte gerne,
daß die Fakten nicht schnell untern Teppich gekehrt werden,
sondern daß man die Nacktheit der "Staatsklugen" als
permanente Eigenschaften all der bürgerlichen Politker erkennt.
Titel eingeben
Doch, es wird geschehen.
Abraham Lincoln wußte schon, daß man manche Leute ihr ganzes
Leben lang an der Nase rumführen kann, alle Leute für kurze
Zeit, aber niemals alle Leute für immer.
@ Lüko Willms:
"Ich möchte gerne, daß die Fakten nicht schnell untern
Teppich gekehrt werden, sondern daß man die Nacktheit der
"Staatsklugen" als permanente Eigenschaften all der
bürgerlichen Politker erkennt."
Ein guter Wunsch! Aber auch ein frommer Wunsch. Das wird nie geschehen.
Und wenn - ich denke, es würde uns allen grausen...
Ist aber Grund genug, den Leuten, die wir wählen, so gründlich
wie möglich auf die Finger zu sehen und ihnen nicht zu gestatten,
nach der Wahl anders zu handeln, als sie es vor der Wahl
angekündigt und versprochen haben.
Zunaechst ein ganz dickes Dankeschoen an Herrn Nils Minkmar! Ich habe Ihren wunderbaren und tiefsinnigen Artikel mit grosser Freude gelesen. Ich wuensche mir nun sehr, dass auch der Bundespraesident Nils Minkmar liest - und die Kraft und Einsicht hat, zuruekzutreten.
Diese Geschichte zeigt - unbeschadet der widerlichen Hetzjagd destruktiver, staatszerstörerischer Kräfte gegen Bundespräsident Wulff -, daß das Amt des Bundespräsidenten nichts für einen Mann niederer und unvermögender Herkunft, also aus dem einfachen Volk, ist. Diese Leute sind viel zu anfällig gegenüber den Verlockungen eines Lebens "im höheren Stil" und denen, die ihnen dieses aus Philanthropie ermöglichen wollen. In unserer Demokratie muß ein solcher Kandidat nicht nur absolut integer, anständig und ehrlich sein, sondern vor allem finanziell unabhängig, damit man ihn insoweit nicht in Versuchung führen kann. Über andere Versuchungen müssen wir noch nachdenken.
Herr Wulff, in dieser Situation ist Eitelkeit der schlechteste Berater.
Mit Ihrer Qualifikation können Sie auch ohne den
Präsidentenjob, ja sogar ohne den "Ehrensold" einer
Familie täglich ein warmes Essen gewährleisten.
Ausserdem. In dieser Gemengelage darf man hoffentich die
"Bild" zitieren dürfen:
"Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter hält Wulff
endgültig für untragbar. „Der Präsident muss
Schloss Bellevue räumen und als Privatmann ohne lebenslange
Staatsapanage in sein Einfamilienhaus zurückkehren”, sagte
Lotter. „Ich schäme mich, ihm meine Stimme gegeben zu haben.”
... und ich schäme mich nicht mehr all zu sehr, der FDP mal meine
Stimme gegeben zu haben...