24.11.2006 · Seit den jüngsten Krawallen reagieren die Bewohner des Berliner Wrangelkiez mit Angst, Resignation - aber auch der Entschlossenheit, sich nicht unterkriegen zu lassen. Das vielschichtige Porträt eines „Problemviertels. “FAZ.NET-Spezial.
Liegen mitten in Berlin die potentiellen Bürgerkriegszonen, die sich in Paris am Stadtrand befinden, in sicherem Abstand zu den bürgerlichen Wohnvierteln? Die jüngsten „Zusammenrottungen mit Migrationshintergrund“, von denen der Chef der Polizeigewerkschaft spricht, stellen das heikle Selbstbild der Vielvölkermetropole in Frage.
Der Wrangelkiez gilt als einer der Krisenherde Berlins. Das Viertel hat in den vergangenen Jahrzehnten, in denen Industriearbeiter arbeitslos wurden, Hausbesetzer kamen und Einwandererfamilien hierherzogen, schon manchen Niedergang und Neuanfang erlebt. Was läuft falsch in diesem Viertel, auf dessen Straßen pubertierende Einwandererknaben mit Machogesten den Ton angeben, Jungs, denen ein besorgter türkischer Anwohner „doppelte Halbsprachigkeit“ attestiert, was heißt, daß sie sich in keiner von zwei Sprachen richtig ausdrücken können?
Unsere Reporter Christian Schwägerl und Leonie Wild haben mit den Menschen gesprochen, die im Wrangelkiez leben und arbeiten - über die alltägliche Gewalt, die perspektivlosen Jugendlichen und ihre Eltern, die sich oft aufgegeben haben, über ihre Ängste, aber auch über ihre Hoffnungen. Ihre Reportage, die die F.A.Z. am 20. November veröffentlichte (siehe: Krawall: Der Wrangelkiez - die Banlieue von Berlin?), ergänzen wir hier um die Interviews mit den Beteiligten. Es entsteht das vielschichtige Porträt eines „Problemviertels“ und seiner Bewohner, die dem rauhen Alltag und den jüngsten Eskalationen mit den unterschiedlichsten Gefühlen begegnen: Resignation, Angst, Trotz oder Wut - doch oft auch mit der Entschlossenheit, sich nicht unterkriegen zu lassen.