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Perspektiven Hochqualifizierter : Deutschlands beste Ausländer

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Fatma (l.), Geschichte- und Mathematikstudentin, und Merve, Studentin der Nanotechnik. im Oktober 2014 in der Leibniz-Universität in Hannover Bild: dpa

In der Wirtschaft würde man uns als High-Performer bezeichnen. Und doch sind Abneigung und Ausgrenzung für uns alltäglich. Warum wir gehen. Trotz guter Ausbildung und guter Jobchancen. Ein Gastbeitrag.

          Während Politiker sich in zögerlicher Integration versuchen und rechte Stimmen vonseiten AfD und Co. Stimmung machen, hat sich längst eine neue Gruppierung entwickelt. Top ausgebildete Deutsche mit Migrationshintergrund beherrschen nicht nur die Sprache in Perfektion, sondern auch ihr Fachgebiet. Trotzdem fühlen sie sich benachteiligt. Nach ihrer Ausbildung in Deutschland stellen sie sich häufig die Frage, warum sich das Bleiben lohnt, wenn das Land so zerrissen scheint.

          Es ist ein gewohntes Bild an einem Mittwochnachmittag. Auf dem Weg zur U-Bahn komme ich an dem türkischen Restaurant „Altin Sofra“ vorbei. Hier werden vor allem arabische, stark riechende Fleischbällchen in bunten Saucen verkauft. Hamid sitzt auf einem der Plätze vor dem Restaurant. Er grüßt mich im Vorbeigehen mit einem Kopfnicken. Hier, im kulturell bunten Berliner Norden, fallen wir nicht weiter auf. Hamid ist Türke, sein Haar schwarz, der Bart mittellang. Er trägt eine graue Jogginghose und ein verwaschenes Nike-T-Shirt. Ein paar Haare sprießen vom Rücken über den T-Shirt-Kragen. Ich, ein großer Halbafrikaner mit aufrechtem Gang. Meine braune Chino-Hose und das Mittelklasse-Polo-Shirt verraten, dass ich auf dem Weg zur Arbeit bin. Wir geben uns Mühe, nicht aufzufallen zwischen all den Menschen. Und das, obwohl sich unser Leben vom Großteil der Bewohner im Berliner Wedding unterscheidet.

          Trotzdem sieht man uns häufig nicht als Deutsche

          Hamid und ich haben uns bei einem Dinner einer großen Unternehmensberatung kennengelernt. Mit einem Flugzeug hat man uns damals für ein Wochenende nach Portugal geflogen, um uns davon zu überzeugen, einen Job anzunehmen. Hamid studiert Energiewirtschaft, ist in verschiedenen Verbänden aktiv, gehört zu den besten fünf Prozent seines Jahrgangs. Zudem zieren die Signets einiger der begehrtesten Firmen der Welt seinen Lebenslauf. Ich bin Ingenieur, erst Maschinenbau-Bachelor in Aachen, nun Produktionstechnik-Master in Berlin. Derzeit bin ich der beste Student meines Jahrgangs und arbeite nebenbei an einem Projekt für den Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA). Hamid und ich sind das, was man in der Wirtschaft gerne als High-Performer bezeichnet. Uns gehört die Zukunft, soll das heißen. Mit harter Arbeit haben wir uns die Voraussetzungen erarbeitet, später mitbestimmen zu dürfen.

          Wir sprechen mehrere Sprachen - fließend, versteht sich -, arbeiten neben dem Studium, absolvieren Praktika und füllen unsere Freizeit mit Aktivitäten, die wir tabellarisch im Lebenslauf auflisten. Und trotzdem sieht man uns häufig nicht als Deutsche. Oft werden wir belächelt, weil wir fremde Streber sind, denen man den akademischen Erfolg nicht gönnt. Manchmal werden wir auch bewundert. Zum Beispiel dafür, wie gut wir die deutsche Sprache beherrschen. Komplizierte Fremdwörter, die ausländische und deutsche Sprachkünste häufig an den Rand ihrer Möglichkeiten treiben, bauen wir ganz unauffällig in unsere Sätze ein, als sei nichts dabei. Und das verbindet uns irgendwie: unsere Bildung sowie das tief empfundene Gefühl, in Richtung einer erfolgreichen Zukunft zu streben.

          Wann ist Diskriminierung wirklich Diskriminierung?

          Und doch gibt es da etwas, das uns noch mehr verbindet: ein Gefühl der Unsicherheit. Denn Fremdenfeindlichkeit hat uns längst erreicht. Viel zu oft trifft Fremdenhass nämlich zuerst jene, die am besten integriert sind. Oder jene, die sich gar nicht zu integrieren brauchen, da es nicht etwa die Kultur oder Sprache sind, die sie von ihrer Umgebung unterscheidet, sondern die Hautfarbe, Nasen oder Haare.

          Es ist nicht lange her, da haben Hamid und ich uns über unsere Erfahrungen mit Rassismus und Islamophobie ausgetauscht. Ich erzählte, wie ein Spaziergänger vor einigen Wochen an mir vorbeilief und mich dabei leise, aber dennoch gut hörbar einen Bimbo nannte. Hamid erzählte von einer Frau, die sich demonstrativ in der U-Bahn weigerte, neben ihm zu sitzen. Das Gefühl von Machtlosigkeit und Unverständnis, das uns beide in diesen Momenten übermannte, beschrieben wir nicht. Stattdessen schilderten wir die Gegebenheiten in einer kühlen, wissenschaftlichen Sprache, wie es sich für Akademiker gehört.

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