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Mark Zuckerberg in Berlin : Kleiner Mann, ganz groß

Guck mal, wer da sitzt: Mark Zuckerberg (Mitte) freut sich, dass Martin Schulz (neben ihm), Friede Springer und Mathias Döpfner durch seine Datenbrille schauen. Bild: Reuters

Mark Zuckerberg war in Berlin. Er wurde mit dem ersten Axel Springer Award geehrt und bot eine bizarre Show. Aber wofür hat der Facebook-Chef den Preis eigentlich bekommen?

          Den Blick in den Abgrund von der Kante der Dachterrasse des Springer-Hochhauses ohne schützendes Geländer – jetzt kennen ihn auch Friede Springer und Mathias Döpfner. Mark Zuckerberg, an diesem Abend Preisträger des ersten Axel Springer Award, lacht. Um ihn herum haben sich alle die Virtual-Reality-Brille „VR-Gear“ aufgesetzt. Nun staunen sie über eine vom Licht der Dämmerung geflutete 360-Grad-Aufnahme, die vom Dach des Springer-Gebäudes gefilmt wurde, und wundern sich, wo ihre Beine sind. Es gehe hier um die Möglichkeit, sich an einen anderen Ort zu begeben, ohne wirklich dort zu sein: „Das ist wie eine Superkraft“, wird Zuckerberg später sagen. Das „als ob“ will Facebook so sehr perfektionieren, dass seine Nutzer das „V“ für virtuell streichen. Doch eigentlich geht es an diesem Abend um Karaoke.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Beim Karaoke kommen sich Menschen näher. Anzugträger versammeln sich in großen Gruppen und kleinen Räumen vor riesigen Bildschirmen. Sie greifen zum Mikrofon und singen zu Instrumentalversionen: Schunkelatmosphäre. Die Verleihung des Springer Awards am Donnerstag ist so eine Veranstaltung: Kleiner Raum, riesige Videoleinwände, kuschelige Atmosphäre, und gesungen wird auch.

          Das Geheimnis des Karaoke

          Doch anders als beim Karaoke war ein ganzes Orchester (die versammelte Springer-Führung) präsent, plus Solisten: Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Springer, Peter Thiel, Facebook-Investor. Und der Dirigent ist: Mark Zuckerberg. Ihm hat man den ersten Axel Springer Award zugedacht, weil – so Döpfner – er „das größte Netzwerk unserer Zeit geschaffen hat“.

          Eine wichtige Verbindung des Netzwerks führt über den Atlantik: Berlin – Menlo Park. Dafür reist der Springer-Chef Döpfner schon mal mit seinem Sohn in eine „drittklassige Whiskybar“ in Ketchum, Idaho, um an einer von Zuckerbergs „legendären“ Karaoke-Partys teilzunehmen. Der verriet ihm „mit selbstironischem Lächeln“ das Geheimnis des Karaoke: „Können spielt keine Rolle, kühn muss man sein.“

          Tue Gutes und rede darüber: Bill Gates gratulierte Mark Zuckerberg aus der Ferne per Videoschaltung.
          Tue Gutes und rede darüber: Bill Gates gratulierte Mark Zuckerberg aus der Ferne per Videoschaltung. : Bild: Reuters

          Kühn sind nun die Loblieder: „Facebook fördert das Gute in zwischenmenschlichen Beziehungen.“ Das sagt der Facebook-Investor Peter Thiel: „Mark wollte ein Netzwerk bauen, das Menschen respektiert und wertschätzt.“ Dann also lieber kein Wort über das erste Netzwerk des Mark Zuckerberg, in dem Kommilitonen Fotos von Kommilitoninnen im Sinne von „hot or not“ bewerten durften. Stattdessen Bill Gates mit einer Videobotschaft: „Mark, Du und Priscilla, Ihr bereitet den Weg für eine neue Generation von Menschenfreunden.“

          Es werden auch die Kontroversen, die Facebook mit gigantischer Datenvermarktung hervorruft, erwähnt – und fix weggewischt. Zuckerberg müsse sich fragen, wie die Macht von Facebook verantwortungsvoll genutzt werden kann, stellt Mathias Döpfner fest, ergänzt aber schnell: „Ich weiß, Du beschäftigst Dich intensiv mit dem Thema.“ Auch Martin Schulz – „Wer, wenn nicht Sie, sollte diesen Preis bekommen“ – umkurvt das Für und Wider. Es gebe Leute, „die argumentieren, Facebook stehe auf der dunklen Seite der Macht.“ Er schließe sich dieser Sicht nicht an. Stattdessen will er Zuckerberg als Verbündeten gewinnen, um mit Europa über „die neue digitale Weltordnung zu diskutieren“.

          Mark Zuckerberg in Berlin : Facebook-Chef bekommt „Axel Springer Award“

          Um die Sache abzurunden, schaut sich die künstliche Intelligenz „Roboy“ gegen Ende der Veranstaltung noch Vaterqualitäten von Zuckerberg ab und erklärt einer Mutter live auf der Bühne, wie sie ihr Baby wickeln soll. Schöne neue Welt. Die preist Zuckerberg selbstredend: „Eine 360-Grad-Aufnahme von meiner Tochter so zu sehen, als wäre ich selbst dort“, so etwas will er auch anderen Menschen ermöglichen.

          Tags darauf folgt die große „Fragerunde mit Mark“. Bei der gab es Kritik – zu Hasskommentaren, Datenschutz und Filterblasen. Zuckerberg findet das „extrem wichtig“. Das heißt? Facebook müsse noch viel über seine Nutzer lernen, sagt Zuckerberg. Er preist das Potential künstlicher Intelligenz und einen Fortschritt, der zu immer hochauflösenderen Bildern des schönen Scheins führt. Die Frage, ob die Maschinen irgendwann klüger sind als der Mensch, ist dabei irrelevant. Wichtig ist, ob die Illusion, die sie kreieren, reicher erscheint als das wahre Leben. Auf dem Weg dahin hat Mark Zuckerberg jetzt einen Preis in Berlin abgeholt.

          Quelle: F.A.Z.

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