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Kommentar : Politisches Wohlfühlradio im WDR

Trafen sich neulich im WDR-Fernsehen zum „Duell“: Armin Laschet, Spitzenkandidat der CDU, und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft von der SPD. Bild: dpa

Wer WDR 2 einschaltet, bekommt die perfekte Begleitmusik zur Regierungspolitik in NRW geboten: Alles ist schön, alles dreht sich im Kreis. Hört sich so die „Staatsferne“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an?

          WDR 2 gibt in Nordrhein-Westfalen den Ton an. Wer einschaltet, kann ausschalten. Der Verdacht, das laufende Musikstück gerade erst gehört zu haben, ist der erste Reflex und allgegenwärtig. Die Playlist des landesweit erfolgreichsten Radioprogramms – 3,3 Millionen Hörer täglich, Marktanteil knapp zwanzig Prozent – umfasst vielleicht drei Dutzend Titel, gefühlt nur die Hälfte, und die werden oft mehrmals am Tag abgespielt.

          Angloamerikanische und britische Hits sind in der Überzahl, deutscher Betroffenheitspop – von Silbermond, den Ärzten oder Max Giesinger – dudelt dazwischen; doch keine Lieder aus Frankreich, Italien, gar Polen, Griechenland oder der Türkei, sondern durchweg angesagter, flotter, flacher, leicht- und eingängiger Mainstream. Die Oldies und Evergreens sind ausgebürgert nach WDR 4. Europa hört sich anders an.

          Wer WDR 2 einschaltet, kann sich sicher fühlen vor Unbekanntem, Inspirierendem, Fremdem. Hier gibt es Anstiftungen zur Langeweile. Der Hörer wird in dem Eindruck bestärkt, dass es immer so weitergeht, sich nichts verändert, alles wiederkommt. Das Zeitbewusstsein, das hier herrscht und vermittelt wird, ist nicht linear, sondern zyklisch. Der Fortschritt ist außer Kraft gesetzt. Suggeriert wird eine naturgemäße Wiederkehr des Gleichen. Das Sich-im-Kreise-Drehen schafft eine Bewegung, die über den Stillstand hinwegtäuscht.

          Steht für das Land und die Regierungspolitik

          So reflektiert die „Informationsleitwelle“ des Westdeutschen Rundfunks die Stagnation in Nordrhein-Westfalen, steht für das Land und eine Politik, die nicht vorankommt, die damit ausgelastet ist, den Stau zu verwalten (den auf den Straßen und den in den Strukturen) und sich einzurichten in Verhältnissen, die von maroden Brücken und Bahnhöfen, von Schulden und Reformunfähigkeit blockiert sind. Und dabei alle Bürger – auch darin sind die Mehrheitspartei und der Sender auf einer Welle – mitnehmen möchte: Unter dem Motto „NRWIR“ tritt SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft zur Wahl am 14. Mai an, als wäre die Partei mit dem Bundesland, das sie regiert, verschmolzen, und „Wir sind der Westen“, der Slogan des Senders, gibt das Echo darauf. Auf WDR 2 läuft der Sound, der die rot-grüne Landespolitik nicht nur begleitet, sondern sanktioniert. Ein Programm, das so selbstverständlich und einfältig konform geht, dass sich die Frage der Staatsferne erst gar nicht stellt.

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          Andreas Rossmann

          Feuilletonkorrespondent in Köln.

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          Quelle: F.A.Z.

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