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Nordische Länder : Luther, der wichtigste Finne

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In alten römisch-katholischen Gewändern wird Kari Mäkinen als evangelisch-lutherischer Erzbischof von Turku und Finnland installiert. Bild: Markku Pihlaja

Die Nordischen Länder sind aus historischen Gründen heute die protestantischsten Staaten der Welt. Das half ihnen vor allem im Umgang mit dem Nachbarn Russland. Eine ökumenische Tiefenbohrung.

          Nirgends wurde die Reformation so konsequent und flächendeckend durchgeführt wie in den Nordischen Ländern. Das Luthertum wurde Staatsreligion, die religiöse Gemeinschaft fungierte als Grundlage des Staates, bevor die Idee einer Nation überhaupt entstand. Schweden, Dänemark und die jahrhundertelang von diesen beherrschten Länder Island, Norwegen und Finnland sind bis auf den heutigen Tag die lutherischsten Staaten der Welt.

          Das erklärt einige Kuriositäten, etwa die Bewahrung alter religiöser Riten oder die Verwendung der Messgewänder der katholischen Kirche in Finnland und in Schweden. Um es mit den Worten des Theologen Friedrich Wilhelm Graf zu sagen: „Schwedische und finnische lutherische Pfarrer, die in alten katholischen Messgewändern Hochämter singend zelebrieren, markieren einen bewusst romnahen Pol des Protestantischen.“

          Reformation zeigte Kontraste zur Ostgrenze

          Kari Mäkinen, der derzeitige Erzbischof von Finnland und Turku, ist ein Nachfolger des heiligen Henrik und der 54. Inhaber dieses apostolischen Amtes. All dies zeugt davon, wie fern der Katholizismus damals war. Unterstützt durch einen starken Nationalstaat entwickelte sich das Luthertum in Schweden zur dominierenden Religion. Außerdem ging es im 16. Jahrhundert ums Konfiszieren von Kirchengütern, den König interessierte im Grunde wenig, was in seinem Land gebetet und gelehrt wurde, solange es nicht gegen die Krone gerichtet war. Die Parallelen zwischen dem Schweden von Gustav Wasa und dem England von Heinrich VIII. sind augenfällig.

          Gustav Wasas mit harter Hand durchgeführte Reformation vertiefte den Kontrast zu dem Weltbild, das jenseits der Ostgrenze herrschte. Das orthodoxe religiöse Leben basierte nicht darauf, dass die Gemeindemitglieder lesen konnten. Die Verbreitung der Lese- und Schreibfähigkeit im lutherischen Schwedenreich (und folglich auch in Finnland) im 18. und 19. Jahrhundert verschärfte die kulturelle Trennlinie weiter, wozu auch die unterschiedliche ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung in Ost und West beitrug.

          Der Graben zwischen den Grenzgebieten war tief

          Die Ostgrenze Schwedens und die spätere Ostgrenze Finnlands waren nie Sprachgrenzen. Ein orthodoxer Karelier empfand sich als „rechtgläubig“, den protestantischen Bauern, der dieselbe Sprache sprach, aber im Nachbardorf jenseits der Grenze lebte, bezeichnete er als „Schweden“. In diesen Kontext passt, dass Mikael Agricola Luthers Liste der schlimmsten Geißeln erweiterte. Für Luther waren diese „der Papst, der Antichrist und die Türken“. Bei Agricola sind es „der Papst, der Antichrist, die Türken und die Russen“.

          Samuel Huntingtons berühmtes, 1995 erschienenes Buch „Clash of Civilizations“ zeichnet eine Grenze zwischen Ost und West, die mit der finnischen Ostgrenze beginnt und die historischen Trennlinien zwischen dem römischen und dem byzantinischen Reich zugrunde legt. Diese Grenze war in vieler Hinsicht ein tiefer Graben. Als 1617 durch den Frieden von Stolbova die Provinzen Käkisalmi und Ingermanland an Schweden fielen, wurden viele orthodoxe Karelier Untertanen des schwedischen Königs. Der missionarische Eifer der protestantischen Priester und die harte Besteuerung verursachten eine Fluchtwelle aus den Provinzen Olonez und Ingermanland. Viele orthodoxe Karelier siedelten in die Gebiete Twer und Nowgorod um, wo karelische Gemeinschaften entstanden. An ihre Stelle zogen protestantische Einwanderer, die Ingermanländer.

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