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„Freitag“-Autorin Petra Reski : Von der Mafia lernen heißt schweigen lernen

Für den „Freitag“ wird sie wohl kaum ein weiteres Mal schreiben: Petra Reski. Bild: Simone Casetta / Anzenberger

Eine investigative Reporterin wird eingeschüchtert und von der Wochenzeitung „Der Freitag“ im Stich gelassen: Der Fall Petra Reski ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich.

          Jeder, der über die Mafia schreibt, tut das auf eigene Gefahr“, sagt der italienische Journalist Alberto Spampinato. Der Sizilianer weiß, wovon er spricht: Seit sein Bruder Giovanni 1972, da war er fünfundzwanzig und in seiner Heimatstadt Ragusa Korrespondent der Palermitaner Zeitung „L’Ora“, von der Cosa Nostra ermordet wurde, hat ihn das Thema nicht losgelassen. 2009 hat er ein in der ersten Person geschriebenes Buch über seinen Bruder veröffentlicht. Im Jahr davor hat er, der lange für die Nachrichtenagentur Ansa in Rom arbeitete, das Projekt „Ossigeno per l’informazione“ ins Leben gerufen. Der, so wörtlich übersetzt, „Sauerstoff für Information“ ist eine Art „Human Rights Watch“ für Journalisten. Seit seiner Gründung hat „Ossigeno“ eine wachsende Zahl von Vorfällen dokumentiert, und das nicht nur in Süditalien: 2009 waren es 91, 2016 mehr als vierhundert.

          „Auf eigene Gefahr“, das geht bis zur Lebensgefahr. In den vergangenen dreißig Jahren wurden in Italien dreizehn Pressevertreter von der Mafia ermordet. Und es heißt auf eigene Rechnung: Journalisten werden bedroht, mit durchstochenen Reifen und Brandsätzen oder mit Schadenersatzforderungen und Verleumdungsklagen, die, da die Mühlen der Justiz langsam mahlen, die Kräfte binden und zermürben können. Einige stehen – wie Roberto Saviano – unter Personenschutz, und das nicht nur in Neapel, Caserta oder Reggio Calabria. Doch Spampinato meint auch die Gefahr für die Integrität: Anfeindungen und Einschüchterungen, die Journalisten zum Schweigen bringen sollen. Davon weiß auch Petra Reski zu berichten, die als freie Autorin zur Mafia recherchiert und um deren Geschichte es hier geht.

          Milliardenschwere Geschäfte auch hierzulande

          Ein gesetzliches Mittel, für Schweigen zu sorgen, bietet das Persönlichkeitsrecht, das von den italienischen Gerichten im Verhältnis zum öffentlichen Interesse weniger schwer gewichtet wird. Das stärkt die Medien, ihre Aufgabe als Wächter und Mahner wahrzunehmen. In Deutschland geschieht das nur gelegentlich, auch weil gerne so getan wird, als wäre die Mafia hier kaum präsent. Wenn sie doch einmal auffällig wird wie 2007 in Duisburg, wo bei einer Fehde zwischen zwei Clans der ’Ndrangheta sechs Menschen hingerichtet wurden, oder vor zwei Jahren am Bodensee, wo acht Mitglieder der kalabresischen Organisation festgenommen wurden, vermitteln Polizei- und auch Presseberichte nicht selten den Eindruck, es handelte sich um „inneritalienische“ Angelegenheiten.

          Dabei rechnet das Bundeskriminalamt mit weit mehr als fünfhundert Mafia-Angehörigen in Deutschland und hat Erkenntnisse über milliardenschwere Geschäfte im Drogen- und Waffenhandel, mit Strohmannfirmen und Geldwäsche. Doch das rechtliche Instrumentarium ist stumpf, die Strafverfolgung wenig effektiv. Die Mafia-Mitgliedschaft allein ist, anders als in Italien, kein Straftatbestand, und während hier die Behörden einem mutmaßlichen Mafioso nachweisen müssen, dass er die Millionen, die er in Immobilien investiert, illegal erworben hat, ist es dort umgekehrt: Kann der Verdächtige nicht belegen, wie er zu dem Vermögen gekommen ist, wird es beschlagnahmt.

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