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Modellstadt in Charlottenburg : Das neue Inselparadies am Spreeufer

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Auf diesem Gewerbegebiet in Berlin-Charlottenburg soll die neue Werkbundstadt entstehen. Bild: Werkbundstadt Berlin

Der Deutsche Werkbund plant in Berlin-Charlottenburg eine Modellstadt. Mit Mietwohnungen soll das Krisenthema des städtischen Wohnens angegangen werden.

          Die Schönheit dieses Ausstellungsgeländes liegt ganz im Auge des Betrachters. Derart ruppige Gewerbegebiete finden sich selbst in den wüsten Industriezonen Berlins nur selten. Zwischen Großkraftwerk, Umspannstation, Fernwärme-Verteilern und Büroschuppen liegt ein Filetgrundstück, das bis 2019 zum Schaufenster internationaler Wohnbaukunst werden soll.

          Obwohl das Areal zwischen Quedlinburger Straße und Spree nur wenige Gehminuten von großen Publikumsmagneten entfernt ist – Schloss Charlottenburg im Westen und Technische Universität am Reuter-Platz –, fällt es aus der Stadtwahrnehmung völlig heraus. Zu allem Verdruss steht auf dem Gelände ein Tanklager mit einhundert Millionen Litern Ölreserven für Berliner Notzeiten, das mit seinen Sicherheitsauflagen gemäß Seveso-II-Richtlinie die Entwicklung des gesamten Quartiers blockiert.

          Ein Musterstadtteil im Geist des Werkbunds

          Schlechter können Ausgangsbedingungen für Architekten nicht sein, und doch hat sich eine Planungsgemeinschaft von dreißig bekannten Büros aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz formiert, um hier einen Musterstadtteil zu errichten. Das Projekt heißt „Werkbundstadt“ und will nicht nur an die Glanzleistungen jener Handwerker, Künstler, Politiker, Professoren und Industriellen anknüpfen, die seit 1907 im Deutschen Werkbund mit ihren Schriften, Ausstellungen und Werken europäische Design- und Architekturgeschichte geschrieben haben.

          Das Berliner Pilotprojekt möchte auch das aktuelle Krisenthema des städtischen Wohnens frontal angehen. Anstelle der Extreme – standardisierte Massenunterkünfte für Immigranten oder überteuerte Kitschbuden für Wohneigentümer – sollen hier wieder Mietwohnungen entstehen. Dafür will der Werkbund aber keine öffentlichen Wohnbaugesellschaften aktivieren, sondern private Bauherren und Baufrauen, die sich für ihr Geld nicht mit Normgrundrissen, Thermohautfassaden und Plastikstuck zufriedengeben. Die Initiatoren um den Berliner Architekten und Werkbund-Vorsitzenden Paul Kahlfeldt haben für ihre Bauausstellung die Vertreter von Kultur, Wirtschaft und Politik ähnlich zusammengebracht, wie es die Gründungsväter des Werkbunds zur Halbzeit der Moderne taten. Zwar sind in Berlin heute kein Peter Behrens, Walther Rathenau und Friedrich Naumann am Werk, um gemäß der Werkbund-Satzung an der „Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk“ zu arbeiten. Aber mit dem Hamburger Investor Michael Lange, dem das Tanklager gehört, den Bezirkspolitikern von Charlottenburg sowie drei Dutzend Architekten und Gestaltern aus dem Werkbund wurde eine Koalition geschmiedet, mit der sich dieses Luftschloss realisieren lässt.

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