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Presseberichte über Straftaten : Wahrheit gegen Vorurteil

Zettel und Blumen am Tatort in Freiburg Bild: Reuters

CSU-Politiker Andreas Scheuer meint, die Herkunft von Tätern müsse erwähnt und der Pressekodex geändert werden. DVJ-Chef Frank Überall hält dagegen. Klar ist: Wer Straftäter nicht benennt, liegt falsch.

          Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, sagte Innenminister Thomas de Maizière, als das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden im November vergangenen Jahres in Hannover gerade wegen Terrorverdachts abgesagt worden war. Damit sorgte er selbstverständlich erst recht für Verunsicherung. Schließlich fragte sich jeder: Was um Himmels willen behält der Minister in dieser angespannten Lage lieber für sich?

          Ein Innenminister muss nicht alles sagen, was er weiß, ist aber gut beraten, darüber nicht defätistisch in der Öffentlichkeit zu räsonieren. Und auch die Medien müssen abwägen, welche Informationen nötig, zwingend geboten, überflüssig oder dazu angetan sind, allein Stimmung zu machen oder Betroffene in Gefahr zu bringen. Der Pressekodex des Deutschen Presserats soll dabei helfen, unter anderem, wenn es um die Berichterstattung über Straftaten geht.

          Was man über Täter wissen muss

          Was die Täter betrifft, ist die Richtlinie 12.1 einschlägig, die besagt, es werde „die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“. Das will der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer geändert sehen: „Die Herkunft der Täter und Opfer muss grundsätzlich genannt werden.“ Es würden Medien gebraucht, sagte er in der „Welt“, „die Vermutungen Einhalt gebieten, indem sie aber auch klar die manchmal unangenehmen Wahrheiten benennen“.

          Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, hielt gleich dagegen: Der Pressekodex dürfe in diesem Punkt nicht geändert werden, sonst „wären haltlosen Spekulationen und diffamierender Hetze Tür und Tor geöffnet“. Beide Einschätzungen haben etwas Richtiges, allerdings nur, wenn man den Pressekodex dergestalt auslegt, dass nichts übertrieben, aber auch nichts weggelassen oder in dem Sinn beschönigt wird, in dem der letzte Satz der Richtlinie 12.1 des Pressekodex oft interpretiert wird. Besonders zu beachten sei, heißt es da, „dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte“.

          Gruppenbildung zwischen Bahnhof und Dom: Die vergangene Silvesternacht in Köln.
          Gruppenbildung zwischen Bahnhof und Dom: Die vergangene Silvesternacht in Köln. : Bild: picture-alliance/dpa/M. Böhm

          Wer daraus den Schluss zieht, dass bei den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln über den Hintergrund der Täter zu schweigen sei, weil das ja „Vorurteile“ bedienen könnte, liegt ebenso falsch wie die „Tagesschau“, die meinte, zu dem Sexualmord in Freiburg mit all seinen Umständen nicht berichten zu sollen. Was man über (mutmaßliche) Täter weiß, darf die Presse nicht verschweigen, will sie nicht das von AfD und Konsorten genährte Vorurteil bestätigen, sie habe mit der Wahrheit nichts am Hut und verstelle den Blick auf die Wirklichkeit, die sich im Falle von Straftaten allein mit dem Rückgriff auf lückenhafte Kriminalitätsstatistiken nicht zutreffend beschreiben lässt. Wer sich auf das Positive der „Willkommenskultur“ beschränkt, die Kehrseite des Flüchtlingszuzugs nicht in den Blick nimmt, die Gefahren und eben auch die Täter nicht benennt, sorgt für das, was Thomas de Mazière mit seiner unglücklichen Bemerkung auslöste: Verunsicherung und – berechtigte – Wut.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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