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Wer darf ins Panthéon? : Hollandes Helden

Der Präsident und seine Helden: François Hollande vor dem Panthéon Bild: Reuters

Eine Bestattung im Panthéon ist Frankreichs größte Ehre für verstorbene Helden. Wem diese Ehre zuteil wird, entscheidet der Präsident François Hollande – und der sucht seine Helden in der Résistance.

          Wie weit Frankreich die Monarchie wirklich abgeschafft hat, muss man sich immer wieder fragen. Das Zeremoniell der Republik bleibt von ihr geprägt, und über die Überführung ihrer Helden in den weltlichen Tempel Pantheon bestimmt der Präsident. Sarkozy wollte mit Albert Camus Algerien und Frankreich versöhnen, scheiterte allerdings am Widerstand der Familie. Chirac verlieh die Weihen der Nation dem volkstümlichen Schriftsteller Alexandre Dumas, dessen großartiges Werk alle Schichten vereint. Mitterrand entschied sich nach seiner Wiederwahl für Jean Monnet und dessen Verdienste um Europa, „das unsere Zukunft ist“: Das war am 9. November 1988. Seinen Sieg sieben Jahre zuvor hatte er als linken Triumph im Geiste der Résistance mit einer Blume am Grab des Volksfront-Präsidenten Léon Blum und des Widerstands-Märtyrers Jean Moulin zelebriert. Er entstaubte mit seiner Instrumentalisierung das Pantheon, das seine Vorgänger Giscard und Pompidou als anachronistisch vernachlässigt hatten.

          Unter François Hollande fällt der linke Stammbaum der Republik weg. Nur an der Résistance hält er fest - und verknüpft sie mit seiner Politik der Frauenförderung. Neben Jean Zay und Pierre Brossolette hat er Geneviève de Gaulle und Germaine Tillion im Tempel der Republik mit einer Rede begrüßt. Das ist quotengerecht und vermittelt vom Widerstand ein pluralistisches Bild, an dem sich niemand stößt. Kühner allerdings wäre es gewesen, die aus Osteuropa stammenden jüdischen Résistance-Helden wie Missak Manouchian, die erschossen wurden, zu ehren. Als Aragon nach dem Krieg ihre letzten Briefe veröffentlichte, musste er ihre Namen auf Befehl der Kommunistischen Partei „französisieren“.

          Wer aus unserer wenig heroischen Gegenwart dereinst des Pantheons würdig wäre, ergründete „Libération“: Robert Badinter, der die Todesstrafe abschaffte. Ariane Mnouchkine, Marguerite Duras und Simone de Beauvoir. Cabu - dessen Figuren ins nationale Gedächtnis Einzug gehalten haben. Auch Edward Snowden wäre für das Blatt ein Kandidat. Auf die Stimmung drückte am Tag der Feierlichkeiten die Ankündigung, dass der Luxusgüterkonzern LVMH „Le Parisien“ übernehmen werde. Das Blatt überlebt als letzte im Widerstand gegründete Zeitung. Und ist jetzt nach dem „Figaro“, „Le Monde“ und „Libération“ die letzte große Tageszeitung, die ihre Unabhängigkeit verliert. Bis in die achtziger Jahre nannte sie sich „Le Parisien libéré“.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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